Wandel Part I

Die Pubertät ist für einen Menschen die Zeit in der eine Wandlung vonstatten geht. Man beginnt Dinge zu hinterfragen, sich seine Rolle in der Welt und der Gesellschaft zu suchen oder zu erkämpfen; und die Grundsteine für sein zukünftiges Leben zu legen.
Nun entweder habe ich diesen Abschnitt meiner Entwicklung gekonnt übersprungen, oder die Pubertät zieht sich bei mir noch immer hin. Erst etwa mit dem Beginn meines 20. Lebensjahres (aktuell 23), begann ich die Welt zu hinterfragen, mich Alternativ zu informieren und mir meine Bausteine zurechtzulegen. Träume hatte ich auch vorher schon, an die ich auch heute noch teilweise festhalte und in Zukunft auch weiterhin festhalten werde. Dennoch muss auch ich gestehen dass so einiges, was meinem Oberstübchen entsprungen war, sich aus heutiger Sicht als komplett naiv herausstellte. Um es kurz zu machen: ich merke immer mehr wie in mir ein Kampf ausgefochten wird. Ein Kampf zwischen eingetrichterten Werten/Ansichten bzw. Verhalten und neuen Ideen, sowie Werten. Grenzen werden immer mehr aufgerissen, alte doktrinierte Feindbilder zu neutralen Gebilden und altes staubiges Verhalten immer mehr gegen neuere selbstaufkommende Einsichten eingetauscht. Auch entwickeln sich neue „Feindbilder“ die jedoch nicht wie zuvor im Menschen verankert sind, sondern im System an sich, was diese Menschen bereitwillig ausführen. Es fühlt sich gut an!

Gleichsam bin ich weltoffener geworden und interessiere mich vermehrt für andere Länder und Literatur. Da ich bis 2009 nie im Ausland war, mit Ausnahme des 3 km von meiner Heimat entfernten Polens, war ich bis dato auch recht uninteressiert für alles was ausserhalb meiner 4 Wände geschieht, gleiches gilt für Politik. Ich beschäftigte mich mit Mangas, und anstatt wie alle anderen mit ihren Kumpels jeden Tag einen drauf zu machen, genoss ich die Zeiten in denen ich mit meinen Freunden zusammensaß und alle paar Wochen mal Grillabende veranstaltete. Kurzum ich lebte auf der chilligen und naiven Seite des Lebens. Mitlerweile hat sich natürlich all dies komplett geändert. Ich bin mehr oder weniger davon besessen viel zu reisen, viel zu entdecken, mich auch weiterzubilden durch unabhängige Leute die Informationen bereitstellen, und ich habe den Hang zur Literatur entdeckt. Ich lese sehr gerne Bücher von Philosophen wie Henry David Thoreau und Ralph Waldo Emerson, die mit ihren Werken zur Natur als Inspirationsquelle meinerseits dienen. Auch habe ich mich mehr für klassische Philosophie interessiert, weshalb ich schon ein paar Werke Platos, sowie von Nietzsche (Ich verehre das Werk: Also sprach Zarathustra) las. Schopenhauer hab ich angefangen und Kant soll noch folgen. Auch andere Literatur interessiert mich immer mehr wie etwa Jules Vernes (durch den Anime: „Um die Welt mit Willy Fog“ inspiriert), sowie Edgar Allen Poe, den ich bisher nicht kannte, aber durch den Song „The Raven“ von Omnia auf ihn aufmerksam geworden bin. Auch der Drang nach Büchern die unser Zeitgeschehen wiedergeben und sehr oft von KenFM empfohlen werden, kann ich bald schon nicht mehr widerstehen. Nebenbei noch ein wenig Tolkien und das Chaos ist perfekt.
Musik – gute und tiefgehende Musik – nimmt ebenso einen immer größeren Stellenwert bei mir ein. Bands wie Samsas Traum, ASP, Omnia und dergleichen unterstütze ich mitlerweile aktiv indem ich ihre CD’s kaufe, durch den immensen Artworkaufwand lohnt sich dies auch gleich doppelt. Ich unterstütze freie journalistische Formate wie KenFM, Compact, und Fernsehkritik.tv, weil ich an deren Überzeugung glaube und die Nase voll von einseitiger Berichterstattung habe. Früher war mir das alles gleich und es interessierte mich nicht im geringsten.

Was jedoch, finde ich, am erstaunlichsten ist, sei die Tatsache, dass ich immer mehr zum Vegetarier werde. Oder sagen wir besser so: zum Massentierhaltungsverneiner. Früher habe ich sehr gerne und sehr viel Fleisch gegessen, 2-3 mal pro Woche. Ich habe mir auch weiter keinen Kopf darüber gemacht, außer zu schauen wann es billig ist, damit ich zuschlagen kann. Heute pendelt sich das auf 2-3 mal alle drei Wochen ein. Das hat mehrere Gründe. Zum einen hadert in mir die Diskussion ob ich ein Tier töten könnte um es zu essen. Es ist immerhin ein Mord, kaltblütiges auslöschen eines Lebens um selbst den Bauch für 3 Stunden vollzubekommen. Kurzum ein ethischer Konflikt. Ich frage mich ob es wirklich sein muss so exzessiv dem Fleischkonsum zu frönen nur weil es billig ist und sich heutzutage jeder fast jeden Tag leisten kann. Durch den Fleischkonsum sind wir zu indirekten Mördern geworden und das schlimme daran ist, dass die meisten Sachen auch noch weggeschmissen werden weil mehr für unsere „Geiz ist geil“-Gesellschaft produziert wird, als wir tatsächlich verpulvern. Nein, dieser Wandel kam ganz natürlich und wurde nicht wie die oben beschriebenen Wandlungen von aussen mit aufgebaut. Ganz allein durch die von mir an mich gestellte Frage ob ich ein Tier töten könnte um satt zu werden. Ich überlegte sehr lange und malte mir Situationen aus in denen es legitim sei. Die Antwort darauf ist denkbar einfach. Nur wenn ich ein Tier mit bloßen Händen, also ohne Waffen und Fallen erlegen würde und es einen ehrlichen Tode stürbe, wäre es für mich legitim. Hinter Waffen kann sich jeder verstecken, aber das kaschiert ein wenig den Akt des Tötens selbst, es entfremdet ihn zu sehr, sodass das Töten zum Hobby, ja gar zum Spass wird. Das ist es nicht, es ist blutiger ernst und sollte nicht aus Sport, sondern zum überleben gemacht werden und auch nur dann. Wenn schon töten, dann auch ehrlich. Jedoch immer mit Bedacht und zudem mit Dankbarkeit dem Tier gegenüber. Ich denke mein Punkt geht daraus hervor. Für den ein oder anderen mag gerade das Brutal sein, für mich ist es die ehrlichste Interaktion zweier Lebewesen, wenns ums Überleben geht.
Ein weiterer Punkt ist, dass ich durch Fleischkonsum immer einen üblen Durst habe und ich mich danach nicht wirklich wohl fühle im Magen. Nicht das mir schlecht ist, aber es ist so ein unangehmes Sättigungsgefühl was man am eheste mit „überfressen“ betiteln könnte, auch wenn es nur 2 kleine Schnitze waren. Kurzum zu einseitig und zu massig. Ich finde dass Fleisch wieder zum Luxusgut avancieren muss, um die Qualität zu steigern und die Produktion und somit die Vernichtung von Fleisch zu verringern.
So habe ich auch für meine derzeitigen Nudeln mit Tomatensouce keine Jagdwurst mit angebraten (eigentlich eher weil ich vergessen hatte sie mit einzukaufen, habs dann aber trotzdem gelassen^^), um das weiter auszubauen. Geld was ich dabei einspare investiere ich lieber in Fleischkonsum alle paar Wochen, was aus Qualitätsschlachtbetrieben kommt. Immer noch besser als die Massentierhaltung wenn auch nicht das non plus Ultra. Zum einen wird da hoffentlich mit weniger Medikamenten gearbeitet, das Produkt ist regional und von Fleischskandalen unberührt. Demnächst darfs auch mal ein schöner Pferdesauerbraten sein.

Vagabund =)

Über VagabundenReise

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