Diskussion gefällig?

Die deutsche Diskussionskultur ist tot. Punkt. Hab ich Beweise? Nur wenige, jedoch ist es vermehrt ein Gefühl das in mir aufkommt und Gefühle lügen bekanntlich nicht. Ich hab diesen verdammten Kuscheldisput satt. Bloß nicht zu schrarf, bloß nicht die eigene Meinung desjenigen gegenüber in Frage stellen, schon wird auf das Selbstbestimmungsrecht und die Freiheit auf eigene Meinung gepocht. Letzteres hat ja auch duchaus bestand nur wenn als Argumente um diese zu untermauern nur kurzsichtiger Dünnschiss herauskommt, und derjenige dann immer noch auf seine Meinung pocht ohne daraus zu lernen, dann ist das für mich grenzwertig. Eine Inhaltslose Diskussion, dessen eigener Sinn es ist seine Meinung der Masse zu unterbreiten. Zugegeben war ich da persönlich auch nicht immer der tiefgründigste und fundierteste. Ich hatte oft Argumente hervorgebracht die durchaus Kritikwürdig sind, jedoch ist die Frage ob man sich auch selbst von seiner Haltung distanzieren kann und bereit ist zu lernen, was – finde ich – bei mir der Fall ist. Gegenteilige fundierte Meinungen sind willkommen.Wenn es dann doch mal – in den seltensten Fällen – zu einer Diskussion MIT INHALT kommt, sprich durchaus interessante Pro und Contra Argumente ausgetauscht werden dann kommt man irgendwann zu dem Punkt wo es lauter wird weil man zwangsläufig den Grundsatz streift. Dann hat der der laut wird – vielleicht sogar berechtigt – immer das nachsehen, und immer verschissen, denn man kann ja auch alles ruhig und nett sagen, oder? Top 1 der Gegenargumente. Klassische Kuscheldiskussion. Klar ist auch hier wieder was dran, nur kotzt mich das mitlerweile an, dass man nicht mal mehr laut werden darf ohne dass sich halb Deutschland darüber aufregt. Jüngstes Beispiel Katrin Sass vs. Peer Kusmagk bei Markus Lanz. Lanz und Kusmagk haben dabei aufs lächerlichste versagt und allein dadurch Sass recht gegeben. Beide (Kusmagk/Lanz) waren auf diese Diskussion nicht vorbereitet und deswegen schon nicht qualifiziert dort mitzureden, von Lanz als Moderator mal abgesehen. Trotz überweltigenden Zuspruch für Sass gibt es immer noch Leute die meinen dass sie zu pöse zum armen Per war. Mein Gott sie hat etwas überreagiert, und? Darf man nicht mal mehr laut werden? Es war sicherlich nicht geplant, also scheiß auf Polemik. Sie hatte recht, unabhängig ob sie Per nun vor einem Millionen Publikum verbal in den Arsch getreten hat oder nicht. Es gibt ja noch die andere Partei, nämlich die, die es mit sich machen lässt und gerade dahin sollte man die ganze Kritik richten. Aber soweit denken kann ja wieder keiner.
Mitlerweile sind auch sogut wie alle Diskussionen die ich mitbekomme und an denen ich in Foren auch beteiligt bin/war entweder zu Mainstream geworden oder Propagandös behaftet. Egal ob Pro oder Contra Argumente für eine Sache, beide Seiten haben mitlerweile eine Lobby, sind also im Mainstream angekommen. Demzufolge gibt es für jeden Schwachsinn Dogmen, die man einfach nur runterbetet statt sich selbst mal die Birne zu zermatern. Falls alles nichts hilft gibts noch Totschlagargumente, wie Antisemit, Gutmensch (ja das ist mitlerweile auch negativ betucht), Verschwörungstheoretiker, Polotic correctness und sexist. Gerade durch solche Sachen wird eine Diskussion erstickt. Aber selbst die Mitte wird zunehmends zum Mainstream und ist mitlerweile auch nichts besonderes mehr. Vielleicht liegt es auch einfach nur in der Natur der Sache.
Alles wird sofort, so schnell wie möglich, von jeden in den assozialen Netzwerken verbreitet und zerrissen, bis man sich wieder eine Mainstreammeinung (die man von Anfang an hat, aufgrund von sogenannten „Fakten“ die einem serviert wurden und nicht durch eigene geistige Betätigung erlangt wurden) postet und damit andere ansteckt aufgrund des sozialen Zwanges. So kristallisieren sich aus einer zuvor heterogenen Masse, zumeist zwei große homogene Blocks heraus, die inhaltslos debattieren mögen und am Ende doch vehement ihre Meinung verteidigen. Kurzum der deutschen Diskussionskultur fehlt flexibilität. Alles verhärtet sich und muss immer schnellere Reaktionen von allen Seiten bekommen. Die Medien berichten dann liebend gerne darüber z.B. das „die sozialen Netzwerke über Sexismus debattieren“, „das Internet ist in Aufruhr wegen Brüderle“. So ein Müll und Stumpfsinn! Ich hoffe das die Leser dieses Beitrages, auch diesen mit kritischem Blick betrachten!
Die die sich dann über andere stehen sehen oder meinen gerade DAS Argument hervorgebracht zu haben, kommen dann auch mit diesem „mimimimi“-Gehabe, was mich am meisten Ankotzt. „mimimi ich dumm und kann nicht bis drei Zählen mimimi 1!!!!111!!“. Dies kann sich als ein weiteres Totschlagargument zu den anderen gesellen.
Alles wird mitlerweile sofort zerfleischt, wiedergekäut und dann im hohen Bogen ausgespuckt. Sei es Sexismus, Wulff, oder irgendwelche fragwürdigen Plagiatvorwürfe! Selbst letztere sind mitlerweile zum Mainstream geworden. Und dann noch diese dämlichen Tests im TV z.B. zur Sexismus Debatte, da krieg ich das kotzen wenn ich sowas sehe! Irgendwann darf man ne Frau nicht mal mehr ansprechen oder anschauen um nicht gleich als Sexist dazustehen! Diese ganze Debatte ist fürn Arsch hat uns was genau gebracht? Richtig: „die Männer müssen akzeptieren wenn eine Frau nein sagt“, bravo was für eine Erkenntnis, die kannte ich leider vorher schon, sollte einem von Haus aus beigebracht werden. Wochenlanges gerede für nichts und wieder nichts. Insgesamt gesehen kommt unterm Strich bei einer Diskussion im Deutschen TV oder in Foren nichts mehr heraus. Keine Conclusio mit der sich alle Parteien anfreunden können. Es gibt keine Typen mehr in der Öffentlichkeit. Kaum einer hat mehr den mumm die Fresse aufzumachen, nur weil er schiss hat schon morgen die mediale Schelte zu kassieren – wobei das meistens schon am gleichen Tag und während der Sendung passiert… Kinski war so einer, auch wenn man zu ihm stehen kann wie man will, er hat gesagt was er sagen wollte und hat sich sicher nicht den Mund verbieten lassen. Jedes Wort der Polemik oder übertrieben Kritik wird gleich von jedem persönlich gewertet, wobei das nicht immer der Fall sein muss. Jeder ist nur auf sich bedacht wenn er Argumente hervorbringt und nicht um den Kern der Diskussion. Ein leidiges Thema was mit zunehmen der assozialen Netzwerke und des Wahlslogans: „Immer höher, immer weiter, immer schneller“ seinem Ende entgegen eilt. Die Diskussionskultur in Deutschland ist tot. Basta!

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