Feldarbeit Teil 5

Nach gut 10 h langer Fahrt in der ich die meiste Zeit Musik hörte und die Landschaft genoss, sind wir nun in Baldschuan angekommen und mussten uns erstmal bei der örtlichen Bullerei registrieren lassen. Die Geologie war schon auf der Hinfahrt immer geiler geworden, richtig senkrecht stehende Gesteinspakete in schönen Farben. Sowas sieht man so schnell nicht wieder!
Nach dem wir die Registrierung hinter uns hatten suchten wir uns einen Schalfplatz, wie soll es anders sein, bei einer Familie. Sofort fanden wir dann auch ein schönes Plätzchen wo wir gleich willkommen geheissen wurden, zumindest vom Hausherr. Die Frauen sind generell eher zurückhalten wobei seine Frau auch sofort sehr nett war und mit uns redete, was eher unüblich ist. Mag vielleicht am Alter liegen, denn die beiden waren schon Oma und Opa und lebten mit ihrer Tochter und ihren 2 Enkeln dort.
Abermals ging es ans entpacken und als wir damit fertig waren gingen Martin und ich schonmal vorerkunden für den morgigen Tag. Wir hatten den ersten Aufschluss praktisch vor der Haustür und brauchten nur den Weg runter gehen um da zu sein, was natürlich auch Vorteile hatte.

Von der Aussattung her war es die komfortabelste „Absteige“ (ohne das es negativ gemeint ist) in der wir dort gelandet sind. Es sieht zumindest aus als ob sie einiges an Geld hätten (für Tadschikische Verhältnisse), da der Hausherr auch Lastfahrer bei ner Ölfirma war wenn ich mich nicht irre.
Nach dem Frühstück am nächsten Morgen ging es dann auf ins Feld, wozu wir den Fluss folgend nach Norden gingen um zu sehen wie die Geologie sich verändert. Da es nur eine Brücke gab (was wir vorher nicht wussten, denn hinter dieser waren noch einige Dörfer), mussten wir irgendwann auch übers Wasser gehen, oder besser dadurch. So haben wir uns diesmal jedoch die Schuhe ausgezogen, da es sich so im nachhinein doch besser läuft als mit Wassergefüllten Schuhen. Mit Socken jedoch durch einen Fluss, der über und über mit Geröllen gefüllt ist zu laufen, ist sicher auch nicht die beste Methode. Dennoch war das Gewässer nicht allzu breit sodass wir nach etwa 15 m auf der anderen Seite waren, wohlbehalten. Durch die Wärme draussen trockneten die Füße recht schnell und es erwies sich als klug so gehandelt zu haben, denn später mussten wir noch nen kleineren Berg hoch, wo nasse Schuhe sicher hinderlich gewesen wären. Unterwegs sind wir durch ein weiteres Dorf gekommen wo wir auch ein paar Kinder getroffen haben, die wohl aus Neugier uns nachkamen. Schließlich sieht man nicht alle Tage komisch angezogene Leute mit Hämmern in den Händen. So sind wir dann wieder an den Fluss gekommen und mussten an dessen Flanke an einer schmalen Steinwand vorbei um nicht ins Wasser zu müssen. Die Jungs waren mitlerweile vor uns und einer von ihnen wollte dass ich Bilder mache wie er in den Fluss reinspringt und badet. Gesagt getan (siehe Slideshow). Nach der Demonstration sind wir dann weiter gegangen und haben den ersten Aufschluss begutachtet und dann ne kleine Pause gemacht. Anschließend kam der Junge von dem ich die Bilder machte über uns durch den Baum nach unten, die ganze Zeit Barfuß wohlgemerkt und hat uns weiterhin begleitet und diente uns quasi als Touristenführer. Die Ganze Zeit lief er Barfuß auch als wir den erwähnten Berg hochging, der vllt nur 100 m hoch war. Einer der anderen Jungen kam dann noch dazu und so gab ich ihnen meinen Hammer damit sie ein wenig Geologe spielen konnten^^. Wir haben dann unsere Arbeit gemacht und die beiden haben sich zwischendurch mit Hornissen beworfen, die dort oben mehrere Nester hatten… Sind zwar ganz ruhig gewesen, aber wenn man unterhalb ihres Nestes mit nem Hammer rumhaut provoziert man die sicherlich. Zum Glück ist nichts weiter passiert, und nach getanenere Arbeit hiess es Rückzug. Leider ist mein Akku auf dem Berg abgeschmiert, weshalb ich für alles was danach kommt keine Bilder mehr machen konnte. Aber viel verpasst man dann auch nicht.
Zuhause wieder angekommen ging es dann ans chillen und nacharbeiten mit Musik und nem nickerchen^^. Nachts als wir dann schliefen, hörten wir ein rascheln bei uns im Zimmer. Martin wurde davon wach und hat gemerkt das sich die Nachbarskatze durch das offene Fenster (unter dem ich schlief) reingeschlichen hat. Bin natürlich davon wachgeworden, und hab noch bemerkt wie leise sie auf die Fensterbank sprang und dann durch das Fenster wieder raus ist. Ein ziemlich leiser und gerissener Einbrecher, dem das klackern von Schüsseln und Besteck zum Verhängnis wurde. Aber anders wäre sonst unsere Wurst wohl am nächsten Tag weggewesen, und wer weiss was noch alles.

Am nächsten morgen ging es dann wieder ins Feld, diesmal jedoch nicht ganz so weit und wir beschränkten uns auf Messungen und Geröllanlysen sowie Beschreibungen etc. Wir gingen nur bis zur Brücke was vielleicht ein viertel des Weges vom Tag zuvor darstellte, und arbeiteten uns dann zum Haus vor. Kurz vor Ende fing es dann an zu regnen und zu Gewittern, jedoch war noch soweit weg dass wir unsere Arbeit noch zuende bringen konnten. Als wir dann schließlich wieder im Haus waren, rief Eugeni uns schnell nach draussen, denn auf einmal kam ne Flutwelle den Fluss herab mit der wir ehrlich gesagt nicht gerechnet haben. Sie war zwar nicht so groß dass sie irgendjemanden gefährden konnte, aber es war schon beeindruckend wie langsam und mit Dreck und Holz beladen sie sich nach vorne wälzt. Die Kinder des Dorfes haben sich unten am Fluss versammelt um das Treibholz rauszuangeln, denn Holz ist generell Mangelware und da es keine elektrischen Öfen oder Heizungen gibt (zumindest haben wir keine gesehen) wird mit Holz Wärme zum kochen und heizen erzeugt.
In der Nacht hielt das Gewitter weiter an und verwöhnte uns mit prachtvollen Blitzen, die noch schöner waren als jene die wir in Gungo sehen durften. Dazu Regen und Gewitter, woran ich mich wohl nie sattsehen werde.

Am nächsten Tag hiess es dann letztlich auch von hier Abschied zu nehmen. Wir verluden soweit alles aber gingen noch für 1,5 h ins Gelände um dann anschließen zurück nach Dushanbe zu fahren. Nun war die schöne Zeit also fast vorbei. Es waren durchaus anstrengende (zumindest für mich), harte und zermürbende Tage, die ich jedoch niemals missen will, denn dafür hab ich ne Menge zurückbekommen. Allein schon dass ich mit in dieses wunderbare Land reisen konnten von dem ich vorher nicht mal wusste dass es existiert, diese wunderbaren Menschen, Landschaften und Geologie zu sehen, dafür danke ich allen Verantwortlichen, allen voran Martin, dass er mich nervenden Klotz solange ausgehalten hat^^. Danke!!!
Durch diese Reise und die Erfahrung die das mitbringt, sowie der Aufschlüsse die wir besucht haben, bin ich vollstens motiviert meine Bachelorarbeit zu schreiben. Es ist eben doch was anderes live zu lernen, als sein Wissen aus verstaubten Büchern zu fischen, was man dann eh nicht versteht, weil man keine Erfahrung dazu hat und noch nie nen richtigen wilden fluss hat fließen sehen.

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s