Feldarbeit Teil 4

Nach zwei Nächten Aufenthalt in dieser wunderschönen Oase, ging es nun weiter ins kleine Dörfchen „Chungo“. Wie sich am Ende herausstellte wurde dies der längste aber auch schönste Aufenthalt der ganzen Tour, aber der Reihe nach.

Schon die Fahrt war unvergleichlich. Wir wollten vorher noch nen Abstecher nach „Baldshuan“ machen, da der Ort eigentlich auf dem Weg liegt, jedoch merkten wir kurz vorm Ziel, dass eine Brücke die über einen weiten und wilden Fluss führte, nicht mehr da war. So mussten wir umdisponieren und etwa 200 km Umweg fahren um zu unseren vorletzten Halt zu kommen, den oberen Yakksu, wo Martin noch einige Aufschlüsse und Profile abklappern wollte um einen besseren Gesamteindruck für das gesamte Gebiet zu bekommen. Ich persönlich war begeistert. Die Landschaften und die Geologie waren nochmal ein ganzes Stück überwältigender, großdimensionierter und aufschlussreicher für unser Verständnis. Auch wurden wir gleich wieder im ersten Haus bei denen wir nachgefragt hatten willkommen geheissen. So ging es dann erstmal ans entpacken und abendbrot machen und Pläne für die nächsten Tage schmieden. Wir konnten uns noch etwa 20 km noch Norden bewegen, bevor es für uns Sperrzone – da Goldsuche – war. So stark waren unsere Dokumente dann doch nicht geworden und eine Erlaubnis haben wir leider nicht bekommen, das Gebiet zu betreten und geologische Arbeiten zu tätigen.
Am nächsten morgen ging es dann los, obwohl es regnete. Wir gingen ein Flussbett an der Seite des Yakksu hoch, was momentan noch kaum Wasser führte, dieses dafür aber klar und rein war. Die Wolken die sich zwischen den Bergängen durchwanden gaben ein mystisches Bild ab. Man hätte sich durchaus Feen vorstellen können ohne dass es übertrieben wirkte. Am Ende dessen angelangt kamen wir an einen kleinen Wasserfall dessen Seiten ideal für unsere (und auch insbesondere meine) Arbeiten war. So verbrachten wir, vom Regen durch einen Überhang mehr oder weniger geschützt ne gute Stunde dort oben, bis der Regen dann doch zu stark und bei einem Blick zum Wasserfall es doch ein wenig beängstigend wurde. Dieser hatte sich von einem kleinen klaren Wasserfall in einen großen braunen Strom verwandelt, ohne dass wir es bewusst merkten. Wahrscheinlich waren wir zu sehr mit arbeiten und essen beschäftigt^^. Auf jedenfall war dann auch der Fluss an sich kräftig angeschwollen sodass wir die riesigen Felsblöcke im Fluss haben rollen hören. So machten wir uns auf zurück zu unserem Homestay, da wir sonst etwas schiss hatten nicht so schnell da runter zu kommen. Und tatsächlich war „der Weg“ enger geworden. Zuhause angekommen hats sich dann langsam wieder beruhigt, sodass wir uns entschieden ein paar Stunden später, den Hang überm Haus zu erkunden, wo wir dann ebenso nen tollen Aufschluss vorfanden. Die Sonne brannte wieder und nach getanener Arbeit machten wir noch ein paar Landschaftsbilder und gingen dann zum erhofften Abendessen. Generell lässt sich sagen dass Gewitter und Regen dort täglich stattfanden, jedoch waren diese meistens auf dei Berghänge auf der anderen Seite des Flusses beschränkt. Man hat richtig diese natürliche Barriere gesehen. Auf der einen Seite, dunkel und schwarz und auf der anderen die herrlichste Sonne. Gegesätze pur.
Am zweiten Tag fuhren wir dann mit Auto zum nächsten Seitenarm der dann schon ein wenig länger war, aber mindestens genauso schön. Auch hier haben wir wieder schöne Kreationen der Natur gesehen. Jedoch machte uns auch hier der Regen wieder einen Strich durch die Rechnung. Während unseres Mittagessens, was aus ner Dose Sprotten, ein paar Eiern, und hartem Brot bestand, begann es schon zu regnen, sodass wir uns entschlossen das weite zu suchen da die Wasserpegel generell recht schnell steigen und wir kein Risiko eingehen wollten. Unterwegs haben wir noch einen Aufschluss mitgenommen und sind dann wohlbehalten und unbeschadet zurück zum Auto gekommen.

Was ich noch nicht erzählt habe ist, dass die Familie 6 Kinder hat. 2 kleine, 2 mittlerer und 2 große. Man hat auch richtig gemerkt wie mit jedem vergangenen Tag erst die kleinen dann die mittleren und letztlich auch die großen (mehr oder weniger) aufgetaut sind, auch wenn sie vorher eher etwas zurückhalten/schüchtern aber auch sehr neugierig waren. Insgesamt waren es 5 Mädchen im Alter von etwa 3,4,10,14 und 16 Jahren und ein Junge von etwa 12 Jahren. Die beiden kleinsten hielten uns ganz schön auf trab und kamen morgends immer reingeschlichen um Süßigkeiten zu naschen. Auch hatte die Familie ne Katze inklusive 3 noch sehr jungen Kätzchen. Es ist erstaunlich (wenn man nie wirklich Haustiere hatte) wie schnell Katzenbabys doch in 4 Tagen lernen können. Anfangs noch recht wackelig auf den Beinen, standen sie am nächsten Tag schon ordentlich und wetzten ihre Krallen an meinen Sachen. Auch die Anhöhe auf der sie „wohnten“ (etwa 30 cm hoch), bewältigten sie innerhalb der vier Tage. Sehr erstaunlich und sehr süß :3.

Ich glaube in der Nacht war es als wir plötzlich durchgerüttelt aufwachten. Ein Erdbeben war im vollen Gange. Uns ist nichts weiter passiert, es gab auch keine Erdrutsche oder Spalten. Aber zwei Tage später haben wir erfahren, dass das Epizentrum nur 50 km von uns enfernt lag und das Erdbeben die Stärke 6 zu verzeichnen hatte. Als wir dann noch hörten, dass ein Dorf von durch aufgelockerte Hänge halb vernichtet wurde, und viele Menschen starben, können wir da noch vom Glück reden dass uns nichts passierte…

Am dritten Tag ging es dann für uns weiter in den Norden, soweit es ging, wo wir dann auch noch einen besseren Einblick in das Leben der verschiedenen Dörfer hatten. So sahen wir Schulkinder die gebürstet und gestriegelt ind Anzug und Krawatte (Jungen) und in schönen Kleidern (Mädchen) zur Schule gingen. Nicht ein Fleck auf der Kleidung und nicht ein krummes Haar auf dem Kopf. Überbleibsel der sowjetischen Disziplin? War zumindest komisch anzusehen wenn man es selbst nicht gewohnt ist und die Leute sonst nur in lockeren Klamotten rumlaufen. Wir haben dann wiederrum einige Proben genommen und Geröllanalysen durchgeführt und so noch Aufschlüsse mitgenommen und bearbeitet. Wieder mal eine sehr schöne Landschaft. Im Vordergrund Konglomerathänge die sich 50-80 m in die Höhe ragen und dahinter die Schneebdeckten Berge des Pamirs. Der nächste Tag sollte uns wieder in die Gegend führen, jedoch mal wieder in einen Seitenarm des Yakksu nur diesmal den Berghang entland. Dies diente eher dafür einen Überblick zu bekommen und Theorien zur Entstehug zu verifiziere oder zu falsifizieren. Jedoch begann es auch hier wieder zu regnen, und da wir auf der anderen Seite des Flusses waren, gab es dementsprechend auch wieder eine schwarze Wand an Wolken mit Gewitter, während die andere Seite komplett hell war. Ein sehr schönes Naturschauspiel. Auch wurde der Wind mit einmal Fönartig stärker, je näher die Wolken kamen, Hagel mit imbegriffen. In Minutentakt konnte man die Berge, welche weiter hinten lagen, durch den aufkommenden Regen nicht mehr sehen. Fantastisch!

Am letzten Tag schließlich haben wir nochmal den Aufschluss am Wasserfall besucht, da wir beim ersten mal nicht ganz fertig geworden sind und durch den aufkommenden Regen vorzeitig abbrechen mussten.
Als dies geschafft war kehrten wir zu unserem Homestay zurück und ruhten uns erstmal ein wenig aus und arbeiteten noch ein wenig. Danach wurden wir quasi genötigt (von den Kindern) mit denen abwerfball zu spielen. Wir verstanden zwar kein Wort, jedoch haben wir uns mit Gestiken verständigt und es hat übelst viel spass gemacht. Wir haben gelacht, getobt und rumgealbert, was schöneres hätte ich mir nicht vorstellen können. Ich weiss nicht wie lange wir gespielt haben, aber so 3h werden es schon gewesen sein. 3h rumkeuchend auf 2.000 m, die Kinder waren quietschfidel und daran gewöhnt, Martin ging dann schon recht schnell die Puste aus, mir zwar auch aber aufzuhören hatte ich noch keine Lust, weshalb wir weiterspielten bis es zu verstecken galt. Dies war mit Abstand der schönste Tag der ganzen Reise. Die Menschen und die Kinder sind so nett und lustig lebensfroh, sowas kennt man als „zivilisierter“ Mensch gar nicht wirklich. Kein Geschrei oder Schläge gegen die Kinder wenn sie mal lauter waren (vorallem die kleinen) war zu hören, es war ein richtig harmonisches Familienleben. Mein jetziges Leben könnte ich mir schon vorstellen dagegen einzutauschen da es einen einfach viel mehr gibt. Viel mehr als der Kapitalismus jemals aufwiegen könnte, nämlich wahre freude und Glückseligkeit.

Aber am nächsten Tag hieß es nun Abschied nehmen. Die Kinder halfen uns noch alles zu verladen (von sich aus wohlgemerkt, ohne das wir sie baten), und dann haben wir noch ein Abschiedsfamilienfoto gemacht (siehe Header). Dieses werde ich mir bald ausdrucken und in meinem Zimmer aufstellen, dass diese schöne Erinnerung niemals verblasst, was sie aber auch so nicht wird. Schweren Herzens ging es dann weiter, zurück über die Brücken wo man sich gar nicht rübertrauen will, da diese aus Querbalken bestand wo zwischendrin ganuso dicke Löcher waren, und über unbefestigte und nicht asphaltierte Straßen, wo man durch aufgeweichten Boden leicht ins rutschen und driften kam. So sollte es zu unserem letzten Aufenthalt Baldschuan gehen, wo wir 400 km Umweg machen mussten.

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