Feldarbeit Teil 3

So, da waren wir nun. Nach einer hügeligen und holprigen Fahrt, am bis dato größten und schönsten Fluss den ich gesehen habe – dem Yakksu. Zuerst hatten wir vor zu Campen, damit die Zelte auch mal gebraucht werden, haben aber 5 Minuten vor unserem geplanten Aufschluss ein kleines Dörfchen gefunden. Der Weg dahin mit dem Auto war jedoch alles andere als einfach, denn es war ein schmaler Weg eines Lösshanges, der in der mitte ne tiefere Rinne hatte und wo unser treuer Wasig auch seine Probleme mit hatte. Dennoch haben wir auch diesen Weg bezwungen und im erstbesten Haus nachgefragt ob wir nicht für zwei Nächte bei ihnen übernachten könnten. Die Antwort viel wie immer positiv aus. Wirklich nette Menschen die Tadschiken, keine Vorurteile oder Ängste. Liegt wahrscheinlich auch am guten Ruf den deutsche Geologen dort genießen, aber ich denke dass sie generell sehr Gastfreundlich sind. So haben wir erstmal alles entpackt und sind danach noch für 2 h ins Feld gegangen um schon mal vorzukundschaften. Da wir ein Flussprofil vor uns hatten waren nasse Füße vorprogramiert, was mich persönlich jedoch nicht weiter gestört hat, denn es war warm und auch wenn das Wasser im Schuh stand hats irgendwo spass gemacht und war erfrischend =).
Die Geologie dort ist mal wieder hervorragend, mit richtig schönen Typusaufschlüssen und einer herrlichen Landschaft. Wir gingen nur etwa 400 m den Fluss hinauf, da es schon langsam spät wurde und alberten so noch ein wenig herum, was man anhand der Fotos sehen kann. Danach ging es dann nach Hause zum Abendessen.

Am nächsten Tag stand uns die Frage gegenüber ob wir den Fluss entlang gehen, bis zum Ende des Profils und ihn von hinten aufrollen, oder ob wir über die Berdflanke an der Seite dessen gehen bis zum Ende und dann von dort aus das Profil aufrollen. Nach einigem hin und her und abwiegen, entschieden wir uns für letzteres. Da ich nicht so der Bergsteiger bin, bin ich dementsprechend eher hochgekeucht, wohingegen Martin mir sprichwörtlich Meilenweit voraus war. Oben angekommen war die Aussicht jedoch so phänomenal dass es den für mich harten Aufstieg (für nen ungeübten) wieder mehr als Wettgemacht hat.
Jetzt hiess es mehr oder weniger gerade aus und über Stock und Stein. Was mich auch überrascht hat, war dass es dort oben zwei drei kleine Dörfchen gab. Die Leute die wir unterwegs getroffen haben waren wieder alle ganz nett und boten uns gleich Tee bei ihnen an. Auch die netten alten Herren mit den weißen langen Bärten die bei uns als terroristen stigmatisiert sind, waren sehr sehr freundlich und wahrscheinlich auch ein wenig neugierig =). Die haben soweit alles da oben und sind nicht auf Supermärkte oder anderen firlefanz angewiesen. Felder, Kühe, Obst und Nussbäume, alles vorhanden. Ich könnte mir vorstellen dass sie durchaus glücklich dort oben sind. Es mag zwar kein einfaches, aber dafür ein lohnendes und erfüllendes Leben sein.
Unsere Mittagspause machten wir kurz vor dem Abstieg wo uns schließlich noch ein Herde Kühe angetrieben von zwei jungen Männern. Der eine vielleicht 12 der ander wohl um die 18. Auch kamen von unten 4 weiter junge Männer mit Auto und Gewähr und haben angehalten als sie uns sahen. Man könnte jetzt sonst was befürchten, aber sie waren ebenso ganz nett und haben uns begrüßt. Leider können wir kaum Tadjik oder Russisch, weshalb die kommunikation eher auf Gestiken und Martins paar Brocken hinausläuft. Anschließend haben wir gesattelt und sind abgestiegen und kamen irgendwann in ein neues kleines Dorf wo wir (sofern man uns richtig verstanden hat) zu einem km langen Umweg geschickt wurden um zum Fluss zu gelangen. Faktisch haben wir später gemerkt, dass wir dort wo wir rasteten locker hätten runterkommen können. So haben wir sicher 2 Stunden und einige km Umweg gemacht. Was auch an mir lag. Da es zu der Zeit gerade Mittag war, kaum Wind wehte und die Sonne erbarmungslos auf mich (uns) herunterschien, konnte ich irgendwann nicht mehr. Meine 2l Wasser waren aufgebraucht, ich wollte nicht weiter und musste mich für ne halbe Stunde ausruhen. Martin hingegen hat dies alles nichts ausgemacht so ging er schonmal vor um nen ordentlichen Weg runter zu finden, was auch klappte. Schleppend habe ich meinen Kadaver runterbefohlen, wo erstmal wieder eine kleine Rast anstand. Dann kam jedoch die Rettung in Form von Keksen. Ich hatte keinen Hunger, aber das hat mich schnell wieder auf die Beine gebracht. Ich denke das geringere Problem war fehlendes Wasser, sondern eher Zucker. Nach 5 Minuten war ich schon wieder sogut wie fit, scheinbar ist der Zucker geradewegs ins Blut gegangen!

Dann gings nun also durch den Fluss, wenn ich mich recht erinnere 6 km oder noch mehr mit nassen Füßen, was mich auch gefreut hat, wegen Abkühlung und so. Einige Strecken sind wir über die grünen Überflutungsebenen gegangen, sonst eben über die Strominseln (kleine Inseln im Fluss aus Gesteinen aufgebaut), und durchs Wasse. Ab und an sahen wir einige Kühe im Fluss. Da fragt man sich schon woher die kommen und was die dort machen^^. Da es durch mein aussetzen schon recht spät geworden ist, mussten wir uns ranhalten. Die Sonne sollte noch für 1,5h ins Tal scheinen, bis dahin sollten wir zumindest soweit sein, wie wir den vorigen Tag gelaufen sind. Letztlich haben wir unser Pensum auch gerade so geschafft und zudem noch einige richtig schöne Ablagerungen gesehen. Die Bilder werden nur einen Teil dieser überwältigenden Schönheit rüberbringen können.

Am Ende des Flusses angekommen, welcher im übrigen ein Nebenfluss des Yakksu ist und in diesen einfließt, sind wir aus unseren Nassen Schuhen raus haben unsere Flappen angezogen. Danach ging es zurück wo das essen schon auf uns wartete. Wenn ich mich recht erinnere war es der 9. Mai, ein Nationalfeiertag in Tadschikistan wo der Sieg über den Nationalsozialismus gefeiert wird. Diesbezüglich gab es das Nationalgericht „Plof“ (ich hoffe ich habs richtig geschrieben), was im Prinzip gekochter Reis mit Möhren und nem Stück Fleisch darstellt, aber aufwendig zubereitet wird. Ich bin für gewöhnlich nicht der Reisesser, aber es hat wirklich gut geschmeckt und hätte ich größeren Hunger gehabt hätte ich auch mehr gegessen. Als zweites Gericht gab es eine Lebersuppe mit Dill und Zwiebeln und anderen kräutern. Da ich Innereien und allen voran Leber nun wirklich nicht esse, kam mir das nicht über die Lippen^^. (Aus Anstand hab ich ein Stück gegessen >.<).
Noch ein kleiner Exkurs zum Fleisch dort. Wir hatten meistens Schaffleisch, was man sich aber nicht wie bei uns – schön filitiert und in Scheiben – vorstellen muss sondern ganz einfach, meistens noch mit Knochen, Sehnen und Hautresten in Mundgroße Stücke kleingehauen und zubereitet. Wenn man das zuerst sieht, fragt man sich schon wie man das essen soll, da mans nicht auf ner Gabel bekommen (die wir sowieso nicht hatten^^) und auch nicht schneiden konnte. Irgendwann gings dann sodass wir wenigstens ein wenig Fleisch vom Knochen abpulen konnten. Mit den Händen geht eh alles einfacher =).

Auch hatten wir an diesem Abend die erste „Dusche“ seit ne Woche. Die Dusche besteht aus nem kleinen Lehmhaus, in dem ein Eimer mit heißem und einer mit kaltem Wasser gestellt werden, welche dann zusammen gemischt werden bis die richtige Temperatur erreicht ist. So hatten wir nun einen 10l Eimer und ne Schöpfkelle und Seife zum „duschen“. Zudem wurde der Raum durch eine Kerze erhellt. Es hatte schon was romantisches =). Es war im übrigen sehr angenehm und auch Wasserschonend auf diese Weise sich zu waschen. Ich habe keine 10l verbraucht und war sehr glücklich darüber. Wenn ich daran denke wie viel Wasser wir hier vergeuden, allein durchs duschen, wo ich auch gut und gerne – einfach nur weils schön ist – 10-15 Minuten unter fließenden Wasser stehe, dann wird einem schon ein wenig mulmig. In Zukunft mehr auf den Wasserverbrauch achten heisst die Devise. Auch das Klo ist generell auf dem Land sehr primitiv gehalten. Ein Plumsklo mit flatternden Vorhang und garantierter Amoniakfahne^^. Persé hab ich nichts gegen Plumsklos, war auch Stammgast dort (vorallem nachts), aber steh mal 10 Minuten bei Dünnschiss in der Hocke und lass dich vom Amoniak betören – es gibt wahrlich angenehmeres^^. Aber gut musste ich durch und leben tu ich auch noch =). Von daher kanns ja nicht so schlimm gewesen sein.

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