Tag 08: So, der 07.08.2011

„Midges – die britische Airforce!“

Dadurch das gestern noch Scott und seine Kollegen kamen, und diese noch gut bis 22 Uhr quatschten, wurde es erstmal nichts mit schlafen. Als es dann aber endlich ruhig war, ging es um einiges besser.

Die Nacht über hat es die ganze Zeit geregnet, ich hoffe dass der Tag wenigstens schön wird, da ich ja eigentlich über den Devils Point will, an dessen Fuße das Bothy steht. Wird es bis 12 nicht besser, geh ich wohl den normalen Weg.

Draußen sind überall Midges, Midges über Midges – unerträglich! Diese Biester sind schlimmer als alles andere dass ich kenne. Da es momentan nicht regnet und es oben auf den Bergen windiger sein sollte, werde ich mich gleich auf die Socken machen, sonst komme ich hier nie weg. In Aviemore muss ich mir dann echt so ein Midges Kopfnetz besorgen, anders ist es zu brutal.

So, nun habe ich also den Weg über den Devils Point genommen, ein großer Fehler wie sich herausstellte, aber der Reihe nach.

Der erste Aufstieg war schon eine Qual, jedoch ging es mit der Zeit ironischerweise immer besser. Aus einem anfänglichen: „Fuck, ist das hoch! Den schaff ich nie!!!“, wurde ein: „Hell Yeah, I fucked you Devils Point!!!“, als ich oben angekommen bin. Die Aussicht war einfach Phänomenal! Mal wieder werden die Bilder nur einen Bruchteil der Schönheit wieder geben können! Geregnet hat es übrigens den ganzen Tag über, mal mehr Mal weniger. Das alleine wäre ja nicht so schlimm, wären die anderen Berge nicht so „Boulder“ verseucht! Überall Felsblöcke und/oder stehendes Wasser, eine Qual dadurch zu müssen. Ich wusste zwar dass es keinen Weg dort lang gibt, aber so schlimm habe ich es mir nicht vorgestellt. Selbst eine kleine Strecke hat ewig gedauert, immer wieder hoch und runter über Boulders und durch Bäche, durch sumpfiges Terrain und wieder von vorne. In gute 5 Stunden hab ich deswegen nur etwa 15km geschafft. Zudem bin ich jetzt auch noch von dem Weg abgekommen den ich eigentlich gehen sollte, sodass ich kurz vor dem Parallel Glen stehe und morgen hoffentlich gut absteige und nach Aviemore gehen kann. Die Schuhe sind übrigens durchnässt, hoffe das trocknet bis morgen, sowie meine anderen Sachen. Gut dass ich mein Zelt doch jetzt schon aufgeschlagen habe, denn gerade hat der Regen noch mal zugenommen. Ich hoffe inständig dass es morgen schön wird!

Auch habe ich gemerkt – am umknicken meiner Beine – wie schnell die Konzentration nachlässt. Auch darf ich mir keine Grenzen auferlegen, da ich sonst nicht weiter komme. Morgen heißt es noch mal Zähne zusammenbeißen und auf nach Aviemore! Über mangelnde Ausdauer kann ich mich im Übrigen nicht beklagen, ich staune selbst wie fit ich bin und das z.T. 600 Höhenmeter rauf und runter. Auch jetzt könnte ich noch gehen, nur sind es mehrere Umstände die mich daran hindern. Die Blasenpflaster sind jetzt im Übrigen futsch, aber waren mir eine große Hilfe, vielen Dank Milena!!!

Ok, scheinbar ist mein Geist doch noch nicht so gefestigt. Muss noch ne Menge lernen…

Es stellte sich nun heraus, dass ich mehr oder weniger direkt über dem Loch Einich kampierte. Da vor mir eine richtig steile Wand runter ging, was ich vorher aber nicht wusste, kamen Fön Winde den Berg hinauf und gingen über mein Zelt hinweg. Das Wetter dort oben war krass. Derbe Winde und heftiger Regen, wodurch ich unsicher wurde ob mein Zelt auch standhält.

So rief Mutti mich an, nachdem ich ihr geschrieben hatte, denn komischerweise hatte ich auf den Bergen guten Empfang, in den Glens jedoch keinen. Ich fragte sie, ob sie mal die Wettervorhersage für den nächsten Tag raussuchen könnte, was mein Bruder mir dann mit einem erneuten Anruf mitteilte. Da es am nächsten Tag nicht besser werden sollte, sondern eher schlechter, rief ich die Notruf Nummer an, welche mich dann nach einigen Gerede mit Aviemore verbanden. Wiederum nach einigen Gerede wurde mir dann versichert, dass mich jemand, an einer Brücke abholen würde; bis dahin müsste ich aber laufen, gesagt getan.

Ich stieg den Berg runter entlang eines, naja Weg kann man es nicht nennen, Rinnsales, welcher z.T. sehr unwegig war. Mein Zelt ließ ich übrigens zurück, da ich befürchtete, dass es beim Abbau wegfliegen würde. Als ich schließlich auf halber Strecke war, war vor mir alles klar, die Wolken zogen über mir hinweg und der Regen wurde merklich weniger. Zu meiner linken erstreckte sich der wunderschöne Loch Einich. Tiefblaues reines und klares Wasser, gespeist von unzähligen Bächen, die von den Bergen in den Loch fließen.

Der Weg war steinig und schwer, als ich den Hauptweg erreichte, lief ich noch gute 4km bis zur Brücke wo die Polizei schon mit Blaulicht und Sirene auf mich wartete. Zwischendurch durfte ich noch einige Bäche bzw. Flüsse überqueren, welche den Weg durchkreuzen. Die Füße wurden Klatschnass, ok waren sie vorher auch schon… Auch an der letzten Hürde, vor dem Polizeiwagen, war noch ein Fluss zu überqueren. Eine der Polizistinnen geleitete mich von der anderen Seite zu einer Stelle die ein wenig schmaler war, sodass ich rüberhüpfen konnte. Erst der Rucksack dann ich. Letztlich war ich froh endlich im Auto zu sitzen und sofort machten sich auch ein paar Midges bemerkbar.

Nachdem wir dann ein Weilchen gefahren sind und ich wieder Empfang hatte, rief ich beim Hostel an bei denen ich mich Freitag meldete. Zum Glück hatten sie noch ein Bett frei und nicht nur eines wie mir schien. Als wir dann ankamen, nahmen die beiden Polizistinnen noch meine Personalien auf und danach ging es dann auch schon ins Hostel wo ich für 4 Nächste buchte. Im Zimmer angekommen hab ich erstmal Mutti geschrieben, worauf sie dann kurz durch rief. Danach ging es gleich unter die Dusche und dann die nassen Klamotten in den Trocken Raum bringen. Ich muss wirklich noch ne Menge lernen, auch wenn die Theorie gut ist, muss ich sie noch in jeder Lage in die Tat umsetzen.

In den nächsten Tagen heißt es also erstmal den Geist zu festigen und auf gutes Wetter zu hoffen um mein Zelt vom Berg zu holen. Man, das wird ein ganz schöner Weg zurück, vielleicht finde ich ja jemanden der mich ein Stückt fährt.

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