Tag 07: Sa. der 06.08.2011

„Erste Bekanntschaft mit den Midges?!“

Heute soll es also soweit sein, mein 22. Geburtstag, Yihaa-^^! Als Überraschung bekam ich gleich 2 SMS von Torsten und Sabrina. Irgendwie hab ich das mit dem Empfang doch noch hinbekommen, sodass Mutti mich wenigstens nach dem 4. Versuch erreichen konnte. Von Oma hab ich bisher leider noch nichts gehört.

Ansonsten war die Nacht sehr gut. Der erwartete Regen blieb aus, es war Windstill und die Temperatur angemessen. Trotz guter Schlafbekleidung fror ich dennoch zum Morgen hin.

Beim Zeltabbau ging es dann los, erst langsam dann richtig! Eine Wolke von kleinen nervigen Insekten – vermutlich Midges – flogen um meinen Kopf herum. Die waren so penetrant nervig, dass ich mich mit dem Abbau beeilen musste. Da ich teilweise an freien Körperstellen kleine runde Flecken habe, werden es wohl doch die berüchtigten Midges gewesen sein! Ich hoffe dass ich sie so schnell nicht wieder sehe.

Nach dem Zeltabbau ging es dann weiter, den Weg folgend. Bis zur Überquerung des Flusses, war dieser auch noch ganz angenehm, danach wurde er aber zunehmend felsiger. Die Landschaft zwischendurch war Phänomenal. Beim Fluss verabschiedeten sich dann die letzten Bäume, sodass nur noch Tundravegetation übrigblieb. Das Wetter hielt sich die ganze Zeit über, sodass das Wandern, trotz schwitzen, angenehm war. Was jedoch auffiel, solange kein Wind vorbeizog (und Wind war selten), war alles totenstill. Kein Vogelgezwitscher oder andere Geräusche – nichts -. Nur dann und wann wurde die Stille von Düsenjets oder vorbeikommenden Wanderern unterbrochen, oder eben durch den Wind.

Nach guten 5 Stunden laufen, bin ich dann ins nächste Bothy eingezogen, was schon aus der Ferne gut zu erkennen war. Es ist sehr spartanisch eingerichtet, aber viel erwartet man auch nicht. Ein kleiner Gusseisenofen und ein Fenster, sowie ein separates kleines Klo. Mehr braucht ein Vagabund nicht. Um das Bothy herum stehen 2 Zelte, vielleicht war ihnen die Luft hier drin nicht so gut, denn es hat einen leicht modrigen Geruch. Ansonsten bin ich fürs erste alleine hier drin, aber vielleicht kommen bis heute Abend noch welche vorbei. Morgen geht’s dann weiter Richtung Aviemore, wofür ich mir noch 2 Tage Zeit lassen will, denn das Hostel Zimmer habe ich dummerweise für Donnerstag bestellt… Hoffe dass ich Montag trotzdem noch ein Bett bekomm, möglichst für 2 Tage.

Die Blasenpflaster sind übrigens Gold Wert. Ohne sie wäre ich wohl kaum vorangekommen, danke Milena!!!

Im Übrigen merke ich richtig wie meine Kondition von Tag zu Tag zunimmt. War ich am Anfang der Reise schnell ausgepowert, da es auch ungewohnt war, bin ich nun fitter denn je und auch unwegsames Gelände kann ich ohne Ermüdigung laufen!

Ich habe gerade Emersons X. Essay: Kreise, gelesen. Es ist wirklich erstaunlich was dieser Mann für wunderbare Gedanken hat!

Auch eine leichte Unsicherheit kam wieder auf. Ich vermisse meine Familie und Freunde. Mein Körper ist zwar hier im Bothy in Schottland, meine Gedanken jedoch zerstreut und überall. Hier erkennt man einmal mehr, dass Körper und Geist nicht eins sind. Während der Körper in seiner Lage gefangen ist, ist der Geist überall, nur nicht auf seinen Körper fixiert. Indem der Geist zerstreut ist, kommen Empfindungen wie eben Heimweh in einem hoch, darum ist es auch nicht verwunderlich wenn man erreichte Ziele nicht würdigt und gleich wieder – Macht der Gewohnheit – an zu Hause oder anderswo denkt. So ist es auch bei mir. Jeder weiß wie sehr ich mich auf mein Schottland Abenteuer gefreut habe, doch kaum war ich da wollte ich schon alles hinschmeißen. Obwohl ich extra ohne Erwartungen rangegangen bin, hatte ich insgeheim wohl doch ideale Vorstellungen davon. Dies rührt wieder daher, dass ich zuhause nicht im hier und jetzt gelebt habe, sondern in der ungewissen Zukunft. Diesem Fakt verdanke ich, dass ich auch hier meinen Aufenthalt nicht zu 100% genießen kann. Ich muss endlich lernen meinen Geist unter Kontrolle zu halten und im hier und jetzt zu leben, sonst wird die Reise mental ein Horror. Wenn die Zeit gekommen ist, kann ich mich auch wieder auf Mails mit meiner Familie und Freunden freuen, aber momentan wären solche Gedanken Gift. Schon die kleinste Unaufmerksamkeit auf dem Weg – und wenn es auch nur das bestaunen der Berge ist – wird auf der Stelle bestraft.

Auf meinen Weg zum Bothy bin ich mehrere Male mit dem Fuß umgeknickt, dank meiner Verstreutheit. Durch die guten Schuhe ist aber nichts weiter passiert. Dennoch bin ich auch dankbar für die Einsamkeit, denn die ist mein Lehrer. Die Ruhe und Stille die mich umgibt sind besser als das hektische Treiben in der Stadt. Hier kann ich das sein was ich immer wollte. Erst in Extremsituationen merkt der Mensch aus welchem Holz er wirklich geschnitzt ist und welcher seiner Eigenschaften bzw. Haltungen wahr und welche Illusion sind. Somit ist die Einsamkeit der beste Weg sich – sein wahres Ich – zu vergegenwärtigen.

„Mutter Natur ist weder Freund noch Feind. Sie ist unser Lehrer.“

Ich scheue nicht die bewusste Konfrontation mit den Fehlern in mir, sondern fordere diese heraus. Gedanken wie Reue oder an das was man nicht hat bzw. haben will, machen einen krank. Erst Mental und wenn dies weitergeht auch körperlich. Auch wenn Körper und Geist nicht eins sind, so bedingen sie sich doch einander und beeinflussen sich gegenseitig. Ist der Geist instabil und nicht trainiert, wird dieser bei einer körperlichen Verletzung ebenfalls beschädigt, dies kann auch irreparable Folgen mit sich ziehen. Wenn der Geist schwach oder krank ist, macht man sehr schnell Fehler, die zum Teil ebenso verheerende Auswirkung haben können. Darum ist die einzige Devise den Geist zu stärken, dann und nur dann, wird auch der Körper gestählt, sodass er sich dem Geist in Kondition und allen anderen anpasst. Nicht umsonst heißt es der Wille kann Berge versetzen. Ich bin wirklich dankbar für diese Erkenntnisse, sie bereichern ungemein mein leben und helfen damit klar zu kommen und es zu verstehen. Da ich jetzt soweit bin, möchte ich eigentlich gar nicht mehr weg, denn momentan zählt nichts anderes als ich, mein hier uns jetzt.

Eigentlich wollte ich ja schlafen gehen, aber just in diesem Moment, kommt eine Gruppe von 5 Leuten herein um hier zu übernachten. Dazu gesellten sich noch die Camper von draußen. Schon wurde es um einiges Wärmer hier, da auch Bunsenbrenner zum kochen von essen angemacht wurden. Sieht einfach und praktisch aus und riecht vor allem gut, hab Hunger bekommen… oder eher Appetit. Aber auch das ist eher eine Kopfsache, sodass ich stark bleiben muss. Zudem hab ich nur noch 4 Brote und 5 Bananen.

Durch ein Paar das heute Nachmittag zur Rast und auf der Flucht vor den Midges herein kam, erfuhr ich dass es mehr oder weniger einen Weg über den Devils Point gibt. Von dort oben soll man eine wunderbare Aussicht haben, solange das Wetter zumindest gut ist. Je nachdem wie es morgen ist, werde ich entweder die Route aus meinen Führer weitergehen, oder den über den Devils Point. Würde letzteren bevorzugen.

Wie es auch sein wird, in 2 Tagen hab ich kein Essen mehr, von daher müsste ich Montag Aviemore erreichen. Wenn ich durchhalte dürfte es auch für maximal 4 Tage reichen, aber man muss es ja nicht übertreiben^^.

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