05 Hitchiken & Campen in Japan

Freitag, der 19. Februar 2016

Trampen:

Eine Frage stellte ich mir seit einiger Zeit und zwar jene, ob man in Japan hitchhiken (trampen) kann. In Neuseeland hat das wunderbar geklappt und da es kostengünstiger ist als die teuren Tickets für Busse und Bahnen zu zahlen, habe ich mich mal auf die Suche nach Erfahrungsberichten oder dergleichen gemacht.
Viel Hoffnung hatte ich nicht, da ich die Situation mit Deutschland verglichen habe. Hier bin ich vor Neuseeland nie auch nur auf die Idee gekommen mal den Daumen rauszustrecken, was ich auch nach Neuseeland noch nicht getan habe. Ferner habe ich nie einen Tramper gesehen und konnte mir nicht vorstellen dass es hier in Deutschland funktioniert, ausser vielleicht in ländlicheren Gegenden. Dennoch habe ich schon ein paar Leute in Neuseeland getroffen die mir das Gegenteil verkauften. Eine soll sogar mal innerhalb eines Tages von München nach Hamburg getrampt sein. Es soll also auch gut funktionieren, wobei es allerdings nur Einzelberichte sind und komischerweise immer Frauen. Ich sollte mir auch Brüste wachsen lassen!
Für Japan selbst dachte ich auch, dass es nicht möglich sei, aber auch hier musste ich mich eines besseren belehren lassen. Nicht direkt von Personen, sondern eher von einer Wiki, der sogenannten hitchwiki. Eine sehr umfangreiche Seite die einen über alles Mögliche im Zusammenhang mit dem trampen in Japan aufklärt, wo am besten, wann am besten, wie am besten etc. Sehr lesenswert wie ich finde.
Dort wird u.a. auch gesagt, dass es sogar sehr gut gehen soll und man im Schnitt nicht länger als 20 Minuten wartet. Sind natürlich subjektive Erfahrungen und zudem auch recht spärliche. Die Japaner mit denen ich Kontakt habe können zumindest keinen Fall berichten in dem sie hitchhiker begegnet sind oder gar jemanden mitgenommen hätten. Einzig die Menschen in Hokkaido, wurde mir gesagt, praktizieren das trampen wohl noch häufiger. Aber warum nicht mal ausprobieren? Ich habe vor – wenn möglich wie in Neuseeland – so viel wie es geht zu trampen. Nicht nur um Kosten zu sparen, sondern natürlich auch um mit den Leuten in Kontakt zu kommen.
Hitchhiken ist demnach nicht verboten, allerdings sollte man schon den gesunden Menschenverstand einschlaten und andere Leute nicht stören und sich nur dort hinstellen wo es auch erlaubt ist.

Campen:

Hier kommen wir zu was ganz kuriosem wie ich finde. Dass die japanische Kultur für uns Europäer manchmal nicht ganz nachvollziehbar ist, ist klar, aber auf die Informationen auf die ich gestoßen bin hatte ich mich dann schon gefragt: Echt jetzt?
Erstmal vorneweg. Campen ist nahezu überall erlaubt in Japan, solange man niemanden stört. Positive Nachricht für einen Outdoorfan. D.h. solange du nicht unerlaubt auf Privatgrundstück und auf Äckern parkst brauchst du dir keine Sorgen machen dass dich jemand vertreibt oder gar anzeigt. Und das liebe Leute, schließt auch öffentliche Parks mit ein! Ja genau, man kann sein Zelt in öffentlichen Parks aufstellen! Das war jene Info die mich ungläubig hat dreinschauen lassen. Würde ich das in Deutschland mindestens als dreist empfinden, wäre das in Japan ’normal‘ solange man niemanden an sich stört. De facto leben auch viele Obdachlose auf Straßen oder eben in Parks, weshalb der Durchschnittsjapaner wohl schon an den Anblick gewöhnt ist und ein Zelt mehr oder weniger auch nicht ins Auge fällt. Ich glaube für mich persönlich wäre das nichts, zumal ich auch nicht zu knauserig mit dem Geld sein will, selbst wenn es im Prinzip sehr sicher in Japan ist. Auch dazu habe ich mal wieder einen richtigen Artikel gefunden der ebenso umfangreich und interessant zu lesen ist.
Dort steht auch drin, dass jemand 9 Monate lang so gelebt hat und gerade mal 15 Mal von der Polizei angesprochen wurde (jedoch nur um zu schauen ob er nicht illegal im Lande sei) und einmal gebeten wurde sein Zelt zusammenzupacken (jedoch ohne weitere Konsequenzen).

Wenn auch nicht für Stadtparks, so werde ich auf jeden Fall in Nationalparks und generell in der Natur mein Zelt aufschlagen und hoffentlich ruhige Nächte verbringen^^. Die Camping-Sache in Japan erinnert ein wenig ans skandinavische Jedermannsrecht. Neben dem Versuch zu trampen wird nun also auch das Campen einen hoffentlich großen Beitrag dazu leisten Kosten zu sparen und mir ab und an auch mal was leisten zu können (z.B. einen 3-tägigen Ryokan Aufenthalt), und generell meine Reise aus eigenen Mitteln zu strecken, sollte die Arbeitssituation schlecht sein.

Vagabund =)

P.S. So wie ich ausserdem herausgefunden habe, ist es wohl doch nicht erlaubt in z.B. National Parks sein Zelt aufzustellen. Dennoch würde ich sagen, wo kein Kläger, da kein Richter, zudem bin ich gewissenhaft genug, dass ich den okkupierten Platz wieder so verlasse wie ich ihn vorgefunden habe =).