02 Shikoku Pilgerreise – Tokushima Pref. 四国88ケ所徳島県

Dienstag, der 6. Dezember 2016

Beginnt man seine Pilgerreise beim Tempel Nummer 1 – Ryozenji – so beginnt man seine Reise in der Tokushima Präfektur. Shikoku besitzt 4 Präfekturen, Toksuhima, Kochi, Ehime und Kagawa. Tokushima wird im Zusammenhang mit der Reise auch als Ort des spirituellen Erwachens bezeichnet. Jede Präfektur hat dahingehend eine andere Bedeutung.
Bei den hier gezeigten Bildern sei gesagt, dass es sich lediglich um eine Zusammenfassung aller Bilder handelt (insgesamt habe ich 1.400 gemacht). Ich werde jetzt nicht direkt die jeweiligen abgebildeten Tempel benennen oder separieren. Auf ein paar gehe ich maximal etwas ein, da ich sie besonders ansprechend fand, oder weil ich dort genächtigt habe. Am Ende findet sich eine kleine Statistik, was Ausgaben und Tempel in der Präfektur etc. angeht.

Part I – Ankunft

Da ich mich für den genauen Abreisetag erst recht kurzfristig entschieden habe, konnte ich keinen Bus mehr ergattern, welche direkt bis nach Tokushima City fahren würden, und alles in allem die kostengünstigste Variante darstellen würden. Je nach Wochentag, zwischen 6.500 und etwa 9.500 Yen (gute 60 bis 85 Euro). Daher blieb nichts anderes übrig, als einen Shinkansen nach Shin-Osaka zu nehmen und von dort aus den Regionalexpress nach Wakayama City um von dort dann die Fähre nach Tokushima City zu nehmen. Etwas umständlich, jedoch das nächstbeste Angebot. Ferne fahre ich sehr gerne mit dem Shinkansen, auch wenns verdammt teuer ist. Bis nach Wakayama habe ich auch gute 14.000 Yen gelöhnt (etwa 120 Euro!), plus noch einmal 2.000 Yen für die Fährfahrt.

Ein paar Tage zuvor hatte ich noch eine Unterkunft, via couchsurfing klargemacht. Ging auch alles reibungslos und stressfrei über die Bühne. Vor Ort war ich dann erst Abends, und mit noch knapp 300.000 Yen im Gepäck, quasi alles was ich in den 2,5 Monaten zuvor erarbeitet hatte.
Den Bus vom Tokushima-Bahnhof zum Haus meines Hosts genommen erreichte ich dieses gegen 20 Uhr und wurde herzlich empfangen. Besonders an dieser Familie ist, dass die beiden Töchter fließend Englisch sprechen und quasi zweisprachig erzogen werden. Mit der jüngeren habe ich nach einem wohltuenden Bad dann noch eine Stunde lang verschiedene Kartenspiele gespielt.
Am nächsten Morgen fuhr mich mein Host dann bis zum Tempel 1, meinem Startpunkt und der Startpunkt für den überwiegenden Teil der Pilger. Ich hatte mir vorgenommen 30 bis 35 km pro Tag zu laufen, mit etwas weniger an den ersten Tagen um erstmal reinzukommen. Gepäck trug ich erneut recht schwer: 22,8 kg. Steinigt mich ruhig, ich weiss, dass es zu viel war, nur war ich der Meinung das allernötigste dabei gehabt zu haben. Ich bin, was lange Wanderungen anbelangt, noch komplett unerfahren und muss daher sehen was taugt und was nicht. Dazu hatte ich mir vor Reiseantritt noch eine Iso-Matte gekauft, für krasse 80 Euro. Die schien aber sehr vielversprechend und gut verarbeitet also war es hoffentlich gut investierte Knete, die ich ehrlich gesagt nur widerwillig ausgegeben habe. Aber so ganz ohne, mit dem Herbst vor der Tür, wollte ich dann auch nicht starten. Ferner hatte ich mein Tarp dabei, meinen Schlafsack, einen Campingkocher und Gas, sowie ein paar Snacks als Verpflegung, bzw. Notfallverpflegung. Genug Konbins würde ich auf den Weg finden können.

Part II – Aller Anfang ist schwer

Die ersten 10 Tempel liegen alle sehr dicht beeinander, unr sind nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Da ich mich entschloss neben den 88 Haupttempeln, auch die 20 Nebentempel (Bekkaku) mit anzulaufen, musste ich hier und dort kleine bis mittellange Umwege eingehen.
Jedoch kaufte ich mir dann am ersten Tempel erst noch ein paar Utensilien, ohne die ich nicht starten wollte. Darunter einen Wanderstock, einen Wanderführer inklusive Karten und Tips über die gesamte Strecke (in englischer Sprache, äußerst empfehlenswert!!!), einen Spitzhut aus Stroh, mein Stempelbuch und eine Stempelrolle, ein Mantra/Sutra-heftchen und ein Set Ofudas (kleine vorgedruckte Blätte auf die man seinen Namen, sowie einen Wunsch und das Datum schreibt, und für gewöhnlich an den Tempeln in den vorgesehenen Boxen hinterlässt, bzw. auch an jene Menschen weitergibt, die einene mit Osettais segnen (quasi kleine Gaben für den Pilger (im jap. Henro), was etwas zu essen, etwas zu trinken, oder auch Geld sein kann). Eine Weste und die Priester Stole hatte ich bereits zuvor, von einem australischen Paar in Beppu bekommen, als sie hörten, dass ich den Track ebenso angehen will.

mit knapp 30.000 Yen weniger im Gepäck, konnte es dann nun endlich losgehen^^. An jedem Tempel habe ich insgesamt 800 Yen gelassen. 300 Yen pro Stempel im Stempelbuch und 800 Yen pro Stempel auf die Stempelrolle. Beides versteht sich inklusive der Kalligraphie.
Nach ein paar Stunden bereits wurde mir das erste Osettai zuteil, in Form eines recht großen Standes mit sehr vielen Onigiri, Würstchen, und Kaki. Kaki gibts übrigens in ganz Shikoku in riesigen unabgesperrten Plantagen. Neben Mandarinen die häufigste Frucht der man begegnet.

Ansonsten stand für den ersten Tag auch gleich der erste Bekkaku Tempel auf der Agenda. Zwischen Nummer 5 und 6 musste ich dazu auf etwa 450 m hoch. Und hier zeigte sich zum ersten Mal warum es natürlich eine dumme Idee war mit 22,8 kg zu starten (was mir selbstverständlich vorher bereits klar war^^). Die Temperaturen und das Wetter allegemein war noch extrem sommerlich, heißt schwül-heiß und pralle Sonne, was u.a. auch für Sonnenbrand sorgte, obgleich es schon Mitte Oktober war. Den Berg habe ich dennoch erklommen, jedoch hatte es so viel zeit allegemein gekostet (auch mit dem Besuchen der anderen Tempel), dass es schon recht spät wurde und ich mich entschied auf halber Höhe des Berges unter einem der zahlreichen Unterständen (ein Dach, vier Säulen und ne Bank für gewöhnlich) zu nächtigen.

Am nächsten Morgen gings dann zu den Tempeln 6 bis 10. Kurz unterhalb Tempel 10, gibt es einen Henro-Shop, der von Asano-san geführt wird. Dieser bearbeitet dann im nachhinein noch die Stempelrollen, nachdem alle vorhanden sind und verbindet sie mit Seide, sodass man eine etwa 180 cm lange Rolle hat, die dann an der Wand hängt. Sieht klasse aus, wenns fertig ist. Aber dazu müssen erst einmal die jeweiligen Stempel gesammelt bzw. gekauft werden. Da ich es an diesem Tag wieder nicht zu meinem Ziel schaffen würde, empfahl er mir etwa 2,5 km vor Tempel 11, auf einem kleinen Umweg, zu einem Onsen zu gehen, dort könnte ich auch kostenlos nächtigen und zudem ein schönes Bad nehmen. Den Ort erreichte ich erst nach Sonnenuntergang, dafür aber auch gleich ins Bad und genießen, sowie die Füße massieren. Auch 2,5 kg hatte ich bereits nach den ersten beiden Tagen abgenommen. Fragt mich nicht warum so viel, aber Anfangs ist das wohl normal denke ich. Insgesamt warens im übrigen 7,5 kg.
Als kleinen Anbau hatte das Onsen auch zwei kleine Hütten für je 3 Männer und 2 Frauen, getrennt natürlich. Also genoss ich dann die Nacht dort, mit zwei Mitschläfern. Die Hütte ist übrigens lediglich zum Schlafen gedacht, das heißt lediglich Tatamimatten, ohne große Einrichtung.

Tempel 11 war 2,5 km entfernt und zu Tempel 12 musste man über die erste große Hürde hinüber über drei Bergkuppen, wobei die höchste auf 745 m liegt. Dazu musste man nach jedem Berg wieder einiges bergabgehen um dann wieder hinaufzusteigen. Sehr nervig und hat insgesamt 8h in Anspruch genommen. Da mein angepeilter Schlafplatz noch zu weit entfernt lag, wollte ich eine Tempelübernachtung machen, die für gewöhnlich recht teuer ist, leider hatten sie jedoch an eben jenem Tag Ruhetag^^. Also musst ich doch den Berg runter und zur nächsten Hütte (natürlich in Wanderrichtung). Begleitet wurde ich dabei von Mason, einem Amerikaner, der seit sechs Jahren in Japan lebt und auch japanisch fließend spricht. Zusammen machten wir es uns am Fuße des Berges gemütlich, in der ‚Henro Eki‘ also Henro Haltestelle oder Station. Dort benutzte ich zum ersten Mal meine neue Isomatte und habe auf kleinen teils, spitzen Steinen wie auf Wolken geschlafen. Sehr komfortabel und weich, hatte ich gar nicht erwartet. Spätestens dort wusste ich, dass es das Geld Wert gewesen ist =).

Am nächsten Tag weiter, gings wieder über einen kleinen Berg in ein wunderschönes Tal hinein und für mich dann mit Umweg zum zweiten Bekkaku-Tempel. Anschließend entschied ich mich die Post vor Tempel 13 aufzusuchen und mein Gepäck auszumisten. Es wurde immer anstrengender, allen voran, weil weite Teile des Weges über Asphalt führten und es umso anstrengender für die Füße war. Ich konnte nicht mehr und machte mehr Pausen als Fortschritt. Also 5,6 kg ausgemistet, sodass ich letztlich noch 2 shirts, einen Pullover und eine Jacke, nebst Socken und Buchsen dabei hatte. Plus mein Campingzeug, ein Buch (Herman Hesse, Das Glasperlenspiel) und hier und da ein paar Kleinigkeiten. Etwa 16 kg waren es noch. Den Unterschied hat man deutlich gemerkt, am meisten aber erst am nächsten Tag. Die Nacht verbrachte ich mangels alternativen in einem Ryokan, direkt am Tempel 13. Satte 7.200 Yen hat die Nacht gekostet inkl. zwei Mahlzeiten (etwa 65 Euro). Ich wollte durchs campen eigentlich Geld sparen, aber erneut sah ich mich im Verzug und ne Hütte gab es in der Nähe nicht. Zudem gut ein Bad zu haben und die blasenbestückten Füße auszuruhen^^.

Anschließend lief es sich wirklich um klassen besser, trotz des Asphalts! Statt der zuvorigen zweieinhalb bis drei Kilometer pro Stunde, lag ich nun bei vier bis fünf Kilometer in der Stunde! Ich kam viel besser voran und merkte, dass 16 kg die oberste Komfortgrenze darstellen. Weniger wäre natürlich noch besser, aber auf mehr hätte ich nun wirklich nicht verzichten können. Bin gespannt wie ich das auf künftigen Wanderungen lösen werde, da ich auch mein Tarp mit wegschickte und hier Verpflegung ja gar nicht dabei war (ich kam ja täglich an Konbinis vorbei).

Auf dem Weg zum dritten Bekkaku Tempel (erneut nen fetten Berg hoch), konnte ich mein Gepäck auf halber Höhe bei einem Ryokan parken, wo es dann auch noch ein Osettai in Form von heißem Tee und etwas süßem gab. Lediglich mit meinem Stempelbuch für diese Tempelreihe ausgerüstet (was ich am ersten derer gekauft habe), und meiner Kamera, ging es bei bestem Wetter hinauf. Ihr glaubt gar nicht wie verdammt leicht ich mich fühlte. Ohne zu übertreiben kam es mir fast so vor als würde ich über dem Boden schweben. Ich kam sehr gut voran und die Wege führten durch ein kleines Dorf durch mit sehr steilen Hängen, an denen Felder und Plantagen angelegt wurden. Sehr idyllisch, ebenso der Blick über die Täler und Bergwälder gegenüber.
An jedem Bekkaku Tempel kann man neben den Stempel + Kalligraphie (für ebenso 300 Yen pro Eintrag), auch noch eine ‚Perle‘, erwerben die dann letztlich zusammengeführt einen Rosenkranz bilden, oder auch Juzu. Je Perle 500 Yen, also erneut 800 Yen pro Tempel^^. Man gönnt sich ja sonst nichts :D.

Die nächsten beiden Tempel, Nummer 20 und 21 haben mir beide sehr gut gefallen, trotz ihrer Lage auf recht hohen Berggipfeln. Aber direkt im Wald, umringt von großen, alten Zedern und teils im Nebel liegend, hatten sie echt was. Bis dato meine Lieblingstempel.
Von dort aus wurden die Distanzen zwischen den einzelnen Tempeln deutlich länger. Zwischen Nummer 22 und 23, lagen 20 km und zwischen 23 und 24 satte 75 km, die zweitlängste Distanz überhaupt. Da Tempel 24 jedoch bereits in der Kochi Präfektur liegt, werde ich darauf erst im nächsten Beitrag weiter eingehen.
Nummer 23 war dahingehend genial, dass es einen sehr schönen, etwas höherliegenden Tempel hatte, mit Blick über die Stadt und nun auch aufs Meer, dessen Küstenstraße ich in den nächsten Tagen folgen sollte, sowie ein Ofuro (öffentliches Bad) gleich nebenan, sowie einen Konbini gleich da nebenan hatte. Einst scherzte ich, dass es eher einer Pilgerreise von Konbini zu Konbini wäre, denn diese sind deine besten Freunde auf dem Weg und kaum einer wurde links liegen gelassen^^. Zulasten meines Geldbeutels…^^“.
Nach dem erfrischenden Bad und einem schönen Essen im darangeliegenden Restraurant gings dann noch gute sechs km weiter zu einer Hütte die ich mir ausersucht hatte. Zwar dierekt an der Hauptstraße, dafür aber doppelstockig und nen wahrer Palast im Vergleich zu vorigen Schlafplätzen.

Am nächsten Tag, stan dann der Besuch des vierten Bekkaku Tempels an, welcher ausnahmsweise mal direkt auf dem Weg lag und daher kein Umweg angegangen werden musste. Kurz darauf kam ich dann schon über die Präfekturengrenze und erreichte Kochi.
Auf euren Wegen durchquert ihr auch viele Tunnel, die teils umgangen werden können, oft aber bestandteile des Weges sind. Dabei ist zu beachten, dass ihr nicht immer einen Fußgängerbereich habt, sondern eher am Seitenstreifen langlauft. Es stehen immer wieder Schilder für die Autofahrer bereit, dass hier auch Pilger langlaufen und vorsichtig zu fahren ist. Mir ist nie etwas passiert, noch hatte ich große Angst. Auch auf Straßen (Fußgängerwege sind generell eine Mangelerscheiung in Japan), gibt es eher Seitenstreifen auf denen ihr langgehen könnt und müßt. Vorsicht ist dabei jedoch oberstes Gebot. Das Wetter in Tokushima war tagtäglich von harter Sonne und hohen Temperaturen, zwischen 25 und 30°C gekennzeichnet, bereitet euch darauf vor, falls ihr im Herbst startet. Ihr werdet schwitzen, aus allen Poren^^.

Strenggenommen gehören Tempel 66 und Bekkaku Nummer 15 auch noch zu Tokushima, obgleich sie am anderen Ende der Insel liegen. Nummer 66 (Unpenji) sogar fast an der Grenze zwischen Kagawa und Tokushima. Lustigerweise ist die in der Nähe der Seilbahn auch eingezeichnet, sodass man mit einem Fuß auf dem Fast höchsten Punkt des Berges in Tokushima und mit dem anderen in Kagawa stehen kann.
Trotzdessen, werde ich auf den Tempel gesondert kommen, wenn ich über die Kagawa Präfektur schreiben werde.

  • Tempel in Tokushima: #1 bis 23, plus 66 / Bekkaku Nr. 1 bis 4, plus 15
  • Anzahl der Tage für die Durchquerung der Präfektur: 9
  • zurückgelegte km: 220,8 km (basierend auf meinem Reiseguide, Durchschnittlich
    24 km pro Tag)
  • Ausgaben für die Tempel: 23.200 Yen (plus 29.272 Yen für Erstanschaffung, macht etwa 200 Euro + 250 Euro)
  • Ausgaben für die Lebenserhaltung: 12.227 Yen (etwa 106 Euro)
  • Ausgaben für Bäder/Unterkunft: 900 Yen/7.500 Yen (etwa 8 Euro/65 Euro)
  • Gewichtsverlust: Start mit 77,8 kg –> minus 3,3 (74,5 kg)
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