18 Beppu (別府)

Dienstag, der 28. Juni 2016

Für die nächsten zwei Wochen stand nun Beppu auf den Plan. Glücklicherweise habe ich erneut ein Hostel gefunden (das Beppu Guesthouse), welches mich für meine Unterkunft arbeiten lassen würde! Es kam sogar noch besser. Als ich sie daraufhin anschrieb, fragte ich auch, ob ich für Geld bei Ihnen arbeiten könnte, allerdings ohne auf Details einzugehen, wurde mir mit ‚ja‘ geantwortet. Dazu mehr im Folgenden.

Part I – Ankunft

Von Oguni aus kommend wurde ich von meinem Host bis nach Yufuin gefahren, was etwa 10 km Lanwärts von Beppu liegt und natürlich u.a. auch berühmt für seine Onsen ist. Innerhalb der zwei Wochen sollte ich noch genug Gelegenheit haben das Örtchen genauer unter die Lupe zu nehmen. Jedenfalls hats gepisst und ich hatte keine wirkliche Lust nach Beppu zu hitchhiken, obwohl das sicher möglich wäre. Daher zog ich mir ein Zugticket, für stolze 1.100 Yen. Die Fahrt selbst war auch recht schön von der Landschaft her und als ich in Beppu ankam regnete es noch immer, aber das Hostel war zum Glück schnell gefunden, da es nur 3 Minuten vom Bahnhof entfernt liegt. Beppus Stadtzentrum ist ein wenig anders als in anderen Städten. Es ist ausgesprochen ruhig. Die Hauptstraße geht entlang des Hafenbereiches was den Verkehr in der Innenstadt drastisch reduziert. So ist die Gegend um das Hostel auch verdammt ruhig, was ich ausgesprochen gut finde. In Kagoshima und Nagasaki war es mir zu laut aber hier kann man echt entspannen.
Als ich das Hostel betrat machte ich auch gleich Bekanntschaft mit einer Japanerin die auch hier arbeitet und einem Süd-Afrikaner den ich jetzt zum dritten Mal in Japan antraf! Zum ersten Mal in Kagoshima, zum zweiten in Nagasaki und nun hier^^. Sein Name ist Sean und ich verlinke mal an dieser Stelle seinen sehr interessanten Blog. Er ist auch Autor einiger Bücher.

Part II – Das Hostel

Glücklicherweise kann ich auch ein paar Extrastunden im Hostel arbeiten um ein wenig Geld zu verdienen. 800 Yen die Stunde, und täglich eine Stunde extra zu den zweien für meine Unterkunft. Dazu habe ich noch 2500 Yen für Verpflegung pro Woche bekommen (was nicht ausreicht um die Kosten zu decken, aber immerhin etwas =).). Nicht viel, aber Kleinvieh macht ja bekanntlich auch Mist :D. So kann man also sagen, dass ich meinen ersten ‚Job‘ bekommen habe^^.
Die Routine ist immer die gleiche, Betten machen, Bäder putzen, staubsaugen, Küche reinigen etc. Bis auf die zuvor angesprochene Japanerin spricht aber keiner von meinen Chefs wirkliches Englisch, was mich wiederum veranlasst japanisch zu praktizieren was mir sehr gelegen kommt. Trotzdem gabs hier und da natürlich ein paar Schwierigkeiten beim Verstehen oder auch beim antworten, aber insgesamt bin ich zufrieden. Auch wenn ich keine sogute Verbindung zu den beiden Chefs habe wie in Nagasaki, genieße ich die Zeit hier dennoch. Letzte Woche wurde ich auch zum Essen eingeladen (also so halb, hab 500 Yen abgegeben, dafür aber sicher 2000 gesparrt!), was sehr lecker war. Zusammen mit Momo (der Japanerin) und Sean (ihrem Freund) gings richtig rund und es war ein ausgesprochen schöner Abend, wie immer wenn man in einer geselligen Runde unter Japanern ist =).

Part III – Beppu und die Onsen

Machen wir uns nichts vor, man besucht Beppu hauptsächlich, wegen der zahlreichen und allen voran billigen Onsen. Hier im Stadtkernbereich gibt es einige Onsen die nur 100 bis 200 Yen kosten (0,80 bis 1,50 €). Dennoch können die Preise an anderen Stellen auch deutlich drüber gehen und bis zu 2.500 Yen kosten.
Bisher bin ich aber nur in 2 kommerziellen Onsen gewesen. Das ich ‚kommerziell‘ extra herausgehoben hat bedeutet dass es auch nichtkommerzielle gibt und dort war ich auch dereinst. Aber erstmal zu den zahlbaren Onsen. Vom Hostel aus ist es nur ein paar Minuten zum nächsten Onsen und jenes welches ich besuchte wurde mir von einigen Leuten empfohlen. Es heißt Tategawara und ist ein recht altes (erbaut 1938) und traditionelles Onsen. Heißt, es gibt keine Duschen oder Shampoo, nur das Onsen-Becken von wo aus man das Wasser herausschöpfen kann um sich abzuwaschen bevor man hinein geht. Es hat auf jeden Fall charme mit seinen sehr hohen Decken. Dort kann man auch ein heißes ‚Sandbad‘ nehmen. Wo man seinen Körper dann in heißen Sand eingraben lässt. Für 10 Minuten 1.000 Yen. Hab ich selbst nicht gemacht, soll aber effektiver und besser für die Haut sein als saunieren zu gehen. Wird auch noch an anderen Stellen in Beppu angeboten. Ist vielleicht auch eher was für Frauen^^.
Im Übrigen läuft man auf den Weg dahin direkt durchs kleine beschauliche Rotlichviertel. Das erste was mir in Japan unter die Augen kam. Jetzt muss man sich das nicht wie in Europa vorstellen, denn offiziell ist Sex gegen Geld verboten, daher werden hier meistens Erotikmassagen angeboten, oder man setzt sich in sogenannte Snackbars wo man mit angezogenen Frauen sich unterhalten kann. Was auch immer das für einen Sinn hat, da man dafür auch löhnen muss^^. Nichts für mich zumindest und Geld habe ich eh nicht übrig :D.Ihr braucht euch übrigens nicht sorgen, dass ihr dumm angemacht werdet, hier gibts keine die dich ansprechen doch in die Bar zu kommen oder aggressiv werben. An eingen etablessments stehen zwar Leute die andere versuchen hineinzulocken, aber mir ist bis dato nichts in die Richtung wiederfahren^^. Was auch negativ ausgelegt werden könnte…^^“.Das zweite ‚Onsen‘ in dem ich war ist ein Therma Spa und zwar nennt sich das Kitahama Onsen (Nordhafen Onsen). Für 510 Yen kann man dort ein paar Stunden verbringen. Es gibt geschlechtergetrennte Bereiche und drei Becken im Innenbereich. Im Außenbereich hingegen ein großes mit Ausblick auf Strand, wo auch wiederum Badehose/-anzugpflicht herrscht, nicht nur weil Männlein und Weiblein aufeinandertreffen, aber auch weil aussenstehende hineinschauen können und davor auch ein großes Hotel steht. Es ist direkt am Strand gelegen und nicht weit vom großen Asahi Turm. Das Gebäude ist ein wenig pyramidenähnlich aufgebaut, kann gar nicht verfehlt werden.Davon konnte ich in einem unbeobachteten Moment sogar ein paar schnelle Bilder schießen

Ein kostenfreies Onsen gibt es etwas Richtung Berge. Vom Bahnhof ausgehend fährt die Busnummer 5 nach Myoban von wo aus man noch gut 30 Minuten laufen muss bis man an ein großes Tor kommt. Auf den Weg dahin gibts schon diverse Nachrichten, dass betreten nur auf eigene Gefahr zu vollziehen sei, da vor 5 oder 6 Jahren eine Frau dort brutal ermordet wurde. Da fragt man sich als Ausländer warum man immer noch so einen Wind darum macht^^“. Offziell ist das freie Onsen gesperrt und das Tor verschlossen, aber selbst Japaner gehen dorthin und es hat sich auch unter den Backpackern rumgesprochen, also klettert man einfach über den Zaun und ist eine Minute später schon da =). Auch dahinter ists noch rechr versteckt, aber nach etwas suchen findet man zwei kleine Becken vor, mit einem Schlauch Kaltwasser welches man zum herunterkühlen und abduschen nutzen kann. das obere Becken ist zu heiß zum baden, das untere jedoch besser geeignet dafür. Ich hatte das Glück alleine dort gewesen zu sein, sodass ich auch ein paar Bilder machen konnte =). Die Gegend dort ist recht farbreich, besonders weiß und verschiedene Brauntöne, sowie Schwefelablagerungen zeugen von der thermalen Aktivität. Auch der faule Eier Geruch liegt leicht in der Luft.

Da ich nun seit drei Monaten in Japan bin und bereits in zahlreichen Onsen einstieg, ist es mittlerweile nichts besonderes mehr für mich, weshalb der Reiz leider ein wenig verloren geht, wie immer wenn man sich an etwas gewöhnt oder es als gegeben ansieht. Dennoch werde ich vor Abfahrt nochmal in ein oder zwei weiteren eintauchen =).

Ansonsten sei in Beppu der B-Con Plaza empfohlen, allerdings nur bei gutem Wetter und am besten mit Sonnenuntergang. Dort gibt es einen 150 m hohen Turm von dessen Aussichtspunkt man einen sehr phänomenalen Überblick über die Stadt hat. Besser gings nur noch von den südlich gelegenen Bergen. Da ja derzeit die Regenzeit in vollem Gange ist, muss man sowieso jeden guten Tag nutzen um irgendwas zu machen. Im schnitt haben wir von 7 Tagen 1 Sonnentag, 2 Wolkentage und den Rest regen. Da bleibt nicht so viel Auswahl. Umso mehr Zeit habe ich aber mich dem japanischen zu widmen, was jetzt wieder täglich stattfindet und zudem mit meinen neugewonnenen Freunden abzuhängen und zu kochen =). Hat ja alles seine Vorteile. Aber nur weil es regnet heißt es nicht, dass es kühl wäre, im Gegenteil, man ist eigentlich nur noch am schwitzen. In den letzten beiden Tagen jedoch hatten wir Glück, sodass es etwas milder wurde.

Part IV – Yufuin (湯布院)

An einen der seltenen regenfreien und zudem auch noch sonnigen Tagen, entschloss ich mich Mt. Yufu mit seinen Doppelgipfel zu erklimmen. Von dessen gut 1.500 meter Hohen top, hat man einen wunderbaren Überblick über Yufuin und womöglich sogar noch über Beppu. So wurde ich freundlicherweise vom Manager des Hostels dort hingefahren. Er setzte mich vor dem Eingang zum Bergweg ab und ich aß an der Raststelle noch schnell mein Mittagsbento, man soll ja nicht auf leeren Magen wandern gehen^^.
Voller Tatendrang zog ich dann aus, über die Straße und in Richtung des Weges, doch nach 10 m gab es ein jähes Ende. Der Weg war abgesperrt… Ihr glaubt nicht wie verdammt beschissen das war^^. Ihr wollt bei bestem Wetter einen Berg erklimmen, seit voller Tatendrang und dann ist das Teil gesperrt! Grund sind die Erdbeben, welche vor gut 2 Monaten Kumamoto und Oita erschüttert haben, die Begründung lautet, dass es lockere Felsen dort gibt (zugegeben ist der Gipfel recht steil), weshalb es zu gefährlich zu wandern. Klasse! Fand ich die Erdbeben anfangs noch „geil“ werden mir die Folgen mitlerweile lästig^^. Was solls, bleibt halt nichts anderes übrig als ein paar Bilder zu machen und die Straße runter nach Yufuin zu nehmen. Die Straße bietet übrigens einen spektakulären Blick über das kleine Örtchen! Falls ihr die Chance habt bei gutem Wetter, nehmt die Straße/aka Bus von Beppu ausgehend nach Yufuin. Lohnt sich auf jeden Fall.
Zuerst bin ich runtergelaufen, um nen kleinen Ausgleich zum verpassten aufstieg zu haben, war ja nicht ausgelastet! Aber dann hielt ein Auto am Straßenrand und hat mich bis nach Yufuin mitgenommen, wohlgemerkt ohne dass ich den magischen Daumen in die Höhe gestreckt habe =). Sehr nette Leute, so wie man es kennengelernt hat^^.

In Yufuin selbst dann gibt es nur eine wirkliche Straße die man sich anschauen kann, sollte. Sie führt zur (soweit ich weiß) einzigen Attraktion in dem Dorf und das ist ausgerechnet ein See^^. Nichts wirklich spektakuläres, aber dennoch schön. Allerdings ist ja bekanntlich der Weg das Ziel, sodass man unterwegs viele kleine authentische Geschäfte vorfinden kann, die z.T. auch sehr alt zu sein scheinen. Massen an Touristen runden das Bild ab und es macht spass durch die Straße zu schlendern =).
Yufuin hat auch einige Onsen vorzuweisen, jedoch war mir jenes was ich gefunden hatte mit 1.000 Yen zu teuer. In Beppu kann ich für nen zehntel des Preises einsteigen^^. Später hatte ich noch Momo und Sean getroffen, die vor mir nach Yufuin gegangen sind. Zusammen nahmen wir dann den Bus zurück nach Beppu (etwa 50 min, für 900 Yen eine Fahrt, oder 1.500 hin und zurück, Bahn kostet etwa 1.100 Yen ein Weg und dauerte glaube ich auch länger, ist aber dennoch ne schöne Strecke).

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Part V – Aussichten

Dennoch gibt es noch ein paar Neuigkeiten. Ich bin auf dem Weg dahin einen guten Job zu bekommen, vielleicht sollte ich nicht zu viel sagen, aber ich glaube es sieht derzeit nicht allzu schlecht aus. Auf Craisglist, habe ich ein Angebot gefunden für einen Hoteljob in Atami (Shizuoka), wo ich freie Kost und Logis erhalte und zusätzlich noch 900 Yen die Stunde. Jetzt hoffe ich nur, dass es ein Fulltime Job ist. Ein (vermutlich) Amerikaner händelt die Ausländer, so hatte ich neulich ein kurzes Skype Interview mit ihm, auch und vorallem um mein japanischlevel zu checken. Ich denke ich habe mich recht gut geschlagen. In den nächsten Tagen sollte noch ein Termin für ein Interview mit dem Boss des Hotels folgen, wahrscheinlich auch über Skype, aber eventuell auch persönlich in Shizuoka. Drückt mir die Daumen, das würde ich dann von Ende Juli an für 2,5 bis 3 Monate machen wollen. Dann rollt erstmal der Rubel für mein nächstes Projekt auf der Agenda.

Der aufmerksame Leser wird sich fragen was denn nun aus der geplanten Shikoku Wanderung geworden ist, dieser 88 Tempel Pilgerweg, welcher in 1.200 km um die Insel führt und für Juni angesetzt war? Hier könnt ihr nochmal die Karte des Tracks sehen. Da es im Juni/Juli eh nur pisst und mir das hintenraus zu eng wurde, entschloss ich mich den Spass auf den Herbst zu verschieben, neben dem Frühling die beste Zeit um den Track anzugehen. Zu meinem Glück habe ich hier im Hostel ein australisches Ehepaar getroffen (vermutlich in ihrern 50ern), die den Track vor kurzem erst komplett gelaufen sind und mich mit reichlich Informationen füttern konnten! Ein Glücksfall. Sie haben so dermaßen davon geschwärmt und so spannend erzählt, dass es mich total in den Bann gezogen hat. Ferner habe ich von ihnen auch gleich noch zwei Teile des Pilgeroutfits bekommen, welche sonst am ersten Tempel u.a. erworben werden können und in der Summer verdammt teuer sind! Prinzipiell gibt es aber keine „Kleiderordnung“ wenn man den Track laufen will, aber allein schon aus Respekt den Mönchen gegenüber und auch der Bevölkerung Shikokus (Pilger genießen ein verdammt hohes Ansehen dort), will ich so viel dessen tragen wie möglich. Zudem gibt es ein Stempelbuch, wo man dann in jedem Tempel einen Stempel bekommt, als Zeichen das man da war.
Ausführlicher werde ich dazu schreiben wenn die Zeit reif ist und sofern ich den Job kriege, was mehr oder weniger die Voraussetzung dafür ist. Werde dann sicher 6-8 Wochen unterwegs sein und sehe es als Vorbereitung für einen viel längeren Track, den ich geplant habe. Aber das dauert noch eine ganze Weile =)

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