17 Karatsu (唐津)

Mittwoch, der 22. Juni 2016

Nachdem ich meine Zeit in Nagasaki beendet hatte und mich schweren Herzens von meinen neugewonnenen Freunden trennen musste (je länger man bleibt, desto schwerer wird der erste Schritt), ging es nun endlich nach Karatsu! Moment! Endlich? Yap, genau. Die Geschichte reicht weiter zurück als man denkt, weshalb ich kurz ausholen muss.
Kurz bevor ich in Japan ankam hatte ich nach einer Couch in Fukuoka gesucht und dazu eine öffentliche Anfrage gestellt. In Fukuoka selbst habe ich dann leider nichts gefunden, allerdings hatte mich Shingo aus Karatsu angeschrieben, was gut 1 Stunde südwestlich von Fukuoka in der Saga-Präfektur liegt. Ich dankte ihn sehr, da ich aber mitten in der Nacht nicht noch ne Stunde dorthin fahren (vorausgesetzt natürlich dass zu der Zeit überhaupt noch was fährt) und zudem erst Fukuoka kennenlernen wollte, meinte ich dass ich später vorbeikommen würde. So kam eines zum anderen und je mehr ich reiste desto weiter musste ich den Termin mit Shingo nach hinten verschieben, was natürlich scheiße ist^^. Wir blieben aber im ständigen Kontakt und zwischendurch machte er sogar ne 3-wöchige Europareise. So hatte ich mir dann endlich einen Termin nach Nagasaki festgelegt für drei Nächte! So viel zur Herleitung des Trips.

So wollte ich nach Karatsu von Nagasaki aus hitchhiken, wartete aber vergebens, was meinen generellen Eindruck von ‚aus Städten heraus hitchhiken‘ bestätigte, was vielleicht nicht unmöglich ist, aber verdammt schwer und viel Zeit benötigt. So musste ich den Zug nehmen und 4h lang fahren bis ich dort ankam (natürlich mit dem Bummelzug), Autofahrt wäre gute 1,5 lang gewesen^^.

Nach meiner Ankunft traf ich mich dann kurz mit Shingo, da er noch bis 6 Uhr arbeiten musste und anschließend gingen wir dann zusammen mit 5 weiteren Arbeitskollegen was essen. Was essen, bringt jedoch das Ausmaß der Kosten dessen nicht wieder! Wir gingen in eine Art BBQ-Restaurant. Dort wird einem Fleisch in verschiedenen Arten und meistens dünnen Scheiben serviert und diese dann auf einen gasbetriebenen Grill direkt am Tisch gegrillt, sowie ein paar Zwiebeln und Kohl. Allerdings ist sowas (dank der Masse an Fleisch) sehr teuer, so staunte ich am Ende nicht schlecht als sich die Rechnung auf fast 40.000 Yen (rund 325 Euro) belief, für alle zusammen natürlich. Pro Person dann gute 5.500 Yen (rund 45 Euro), wobei ich jedoch von allen eingeladen wurde, was mich fast schon beschämte, aber ungelogen hätte ich mir das essen überhaupt nicht leisten können, es käme meinem Tagesbudget für 1,5 Tage gleich :D. Ich wusste zwar dass solch eine Art von Gericht teuer (und scheiße, auch verdammt lecker) ist, aber mit der Summe hätte ich nun wahrlich nicht gerechnet.

Wie dem auch sei. Am folgenden Tage nahmen Shingo und ich uns vor angeln zu gehen und zwar auf offener See, indem wir mit einem Freund von ihm hinausfuhren. Für 1,5 Stunden unterwegs gewesen und dann die Angeln ausgeworfen. Für mich wars erst das zweite Mal, nach Neuseeland, wobei es zum erstenmal auf dem Meer war. Ich wurde noch kurz eingewiesen wie es geht und machte mich trotz anfänglicher Schwierigkeiten dann letztlich doch recht gut und fing sogar die dicksten Fische :D. 3 davon um genau zu sein. Einer, so meinte Shingo zu mir, sei auf dem freien Markt 10.000 Yen Wert (etwa 80 Euro). Bei der Nachricht blinkten sofort kleine Yenzeichen in den Augen auf xD. Hätte ich verdammt gut gebrauchen können, leider war es wohl nicht möglich sie zu verkaufen^^, aber 25.000 bis 30.000 Yen für meine Fischchen wäre schon mal was ordentliches^^. Ich schiebe es dennoch mal aufs Anfängerglück, dass ich derart große hatte. Letztlich natürlich auch einige kleinere :D.

So hatten wir dann für den Abend und dem nächsten Tag genug zu essen! Als wir nach Hause zurückkehrten, zeigte mir dann Shingo noch wie man Fische filitiert, was beim ersten Mal natürlich denkbar schwer ist, aber ich denke ich habe mich gut geschlagen, auch wenn ich nicht so wirklich mit meiner Arbeit zufrieden war. Manchmal bin ich halt ein Perfektionist^^. Anschließend gings dann zu einem älteren Ehepar, Freunde von ihm, die dann den Fisch bereiteten und uns bewirteten. Ich wollte, hilfsbereit wie ich halt bin und es in Deutschland auch eher Sitte ist, mithelfen, jedoch wurde ich von Shingo gebremst der meinte, dass der Gast sich bewirten lässt und niemals mithilft. Fand ich interessant und so bekam ich dann mal einen Einblick in die jap. Hirarchie. So machte die Frau Sashimi aus den Filets, zudem gabs ein wenig Salat, Tomaten und Würstchen, sowie Reis und später noch ein Steak :D. Extrem lecker. Die Frau isst übrigens zuletzt. Sobald essen auf dem Tisch steht, bedienen sich die Ehemänner/Gäste, während sie weiterwerkelt und die letzte ist welche letztlich isst^^. Nach deutscher Sitte wartet man ja bis alle am Tisch sind und fängt dann erst an zu schlemmen, aber hier ist das alles anders und keiner beschwert sich darüber. Im Gegenteil ermuntert einen auch zuzugreifen. Das beste Lob kann dann natürlich nur jenes sein, wenn man der Köchin nicht nur seinen Dank am Ende ausspricht, sondern auch ausdrückt wie sehr es einem schmeckt. Was man auch machen sollte, wenn dem nicht so ist^^. Allerdings war es sehr gut und da ich Sashimi sowieso sehr gerne esse, war es umso besser.

Wir hatten einen tollen Abend zusammen und ich habe mich dort pudelwohl gefühlt. Zudem war das ältere Ehepaar sichtlich an mir interessiert. Schließlich wurde ich noch gefragt ob ich einen Grünen Tee (in Art der Teezeremonie) trinken möchte, was ich bejahte. Allerdings wussten sie nicht, dass ich die Etikette kenne, weshalb sie positiv überrascht waren und spätestens seitdem habe ich ein Stein im Brett bei ihnen :D. Am Ende wurde mir gesagt, dass ich jederzeit wieder willkommen bin und sie mich das nächste Mal im Kimono empfangen würde, was man schon als große Ehre betrachten kann, da man mich dafür schon als besonderen Gast ansieht. Ob ich jedoch in den Genuss dessen kommen werde, bezweifle ich, da ich leider nicht plane noch einmal nach Karatsu zu fahren.

Karatsu ist generell kein Ort den viele Touristen sehen, generell ist die Saga Präfektur eher untouristisch, da alle Städte eher klein sind und weniger bekannt. Alles ein wenig ruhiger da unten =). Dennoch gibts auch in Karatsu ein Schloss, dass wir dann am zweiten Tag besucht haben, von wo aus man dann einen wunderbaren Blick über die Stadt hat, leider mit bewölktem und pissigem Wetter. Allerdings sah die Stadt von da oben doch größer aus als ich ihr zugeschrieben hatte.

Am nächsten Tag musste ich dann weiter und mein Weg führte mich zurück nach Oguni zu meiner Gastfamilie bei der ich 1 Monat lang gewooft hatte. Hintergrund ist, dass ich damals mein Handy und meinen mp3-Player dort vergessen hatte und diese nun wieder einsacken wollte. Da ich anschließend nach Beppu fahren würde, war es nur ein kleiner Umweg. Erneut wollte ich hitchhiken und es erneut versuchen. So wurde ich von Shingo zu einem guten Punkt gebracht von wo aus ich wegkommen könnte und tatsächlich, zwar dauerte es eine Stunde bis ich weg kam, aber dann gings rund mit 4 Stationen. So kam ich in die Präfekturhauptstadt Saga, von da aus nach 10 Minuten nach Kurume und von dort aus nach 30 Minuten Richtung Hita (was in den Bergen liegt und richtig schön zu sein scheint. Von da an gabs nen paar Umwege, da eine Straße gesperrt war aufgrund der zurückliegenden Erdbeben, was ich erst nach 45 Minuten erfuhr als eine Frau anhielt und mich darauf aufmerksam machte. Da ich dann aber noch zur richtigen Straße gefahren wurde, hats weitere 2 Minuten gedauert bis ich dann von dort aus nach Oguni kam und dort auf meine Gastfamilie wartete die mich letztlich abholte und zum Essen ausfuhr. Es gab ähnliches wie in Karatsu wovon ich weiter oben berichtete. Ich entschied mich 2 Tage zu bleiben und ein wenig auszuhelfen, auf die guten alten Zeiten^^. Alle waren froh mich wiederzusehen und andersrum genauso. Einmal mehr wurde mir bewusst wie schön die Gegend dort oben ist auch als ich von Hita bis nach Oguni (quasi bis vor die Haustür) gefahren wurde. Die ganzen Wälder und Berge sind verdammt reizvoll.
Die letzten Bild (jenes mit dem Essen) ist übrigens von meiner Gastfamilie und nicht aus Karatsu, dazu habe ich keine Bilder, sieht aber letztlich ähnlich aus =).

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