16 Nagasaki City (長崎市)

Donnerstag, der 09. Juni 2016

Oh Nagasaki, du wundervolle Stadt! Wie schön war es in dir zu verweilen! Ernsthaft Leute, ich liebe Nagasaki. Neben Kagoshima meine Lieblingsstadt in Japan bisher.
Wie an anderer Stelle bereits geschrieben, habe ich hier eine wwoofing Stelle im Casa Noda Hostel bekommen, und ich mich für die nächsten zwei Wochen für 3h am Tag verplfichtet habe =). Nach fünf Tagen Arbeit habe ich dann auch einen Tag Pause, was sehr großzügig ist, hatte ich in Neuseeland nie^^. Das Team ist wohl auch eines der besten was ich je hatte. Prinzipiell schmeißen ausschließlich japanisch Frauen den Laden hier, auch wenn der Besitzer ein äußerst netter Japaner ist. Heißt 4 Frauen sind meine „Vorgesetzten“ und ein Taiwanese und ich die „Arbeiter“. Jedoch muss man auch zugeben, dass die Grenzen keine sind und auch meine Kolleginnen mit Hand anlegen. Zudem war zu keinem Zeitpunkt eine ‚Ich bin dein Boss, du machst was ich sage!‘ Mentalität im Raum, wir waren allesamt gleichberechtigt und sind auch sofort zu Freunden geworden. Dazu kommt, dass alle hier ausgesprochen begabt in Sprachen sind. 2 von meinen Kolleginnen sprechen 3 und 5 Sprachen! Neben natürlich Japanisch und Englisch, auch Chinesisch, Koreanisch und sogar Deutsch wobei sie dies gerade noch lernt, hatte mich aber dennoch überrascht =). Wirklich das erste Mal dass ich mit Japanern ein paar anständige Gespräche führen konnte^^. Allerdings ist das natürlich auch Segen und Fluch zugleich. Ich bin nicht gezwungen japanisch zu sprechen, weshalb ich es auch sogut wie kaum tue… Selbst wenn ich mich dazu zwinge, fall ich bei erstbester Gelegenheit zurück ins englische weils einfacher ist. Aber gut, nach 2 Monaten konstantem abstammeln hab ich mir auch mal 2 Wochen Ruhe verdient^^.
Die Arbeit macht auch verdammt viel spass, gerade weil wir so ein klasse Team sind und auf anhieb miteinander auskamen. Da vergeht auch die Zeit wie im nu. Am ersten Abend wurde ich dann auch gefragt ob ich nicht mit in ein malaysisches Restaurant kommen möchte. Da ich dahingehend noch keine Gerichte gegessen habe, sagte ich zu und ich war überrascht wie geil alles geschmeckt hat! Werde ich definitiv wiederholen =). Alle sind so unglaublich nett und hilfsbereit, typisch Japaner eben =). Es schmerzt fast schon wieder abzuhauen, aber die Show muss weitergehen, bin eh schon viel zu lange auf Kyushu.

Part I – Dejima (出島) und die Transformation zum Samurai!

Da es die ersten zwei Tage nur regnete bin ich nicht wirklich raus gegangen, erst mit dem dritten Tag wurde es besser, was mir erlaubt erste Schritte in Nagasaki zu unternehmen. So zog es mich zu Dejima, eine fächerförmige künstliche Insel, die früher von Holländern bewohnt wurden. In der Edo-Periode (1603 bis 1868) und der damit verbundenen Abschottung Japans, war Nagasaki der einzige Handelspunkt zwischen Japan und Europa. Besonders die Holländer spielten dabei eine große Rolle. Sodass Dejima quasi das Holländerviertel am Hafen war und auch heute noch europäische Gebäude dort stehen deren Inneneinrichtung eine Mischung aus japanischen und holländisch/europäischen Stils darstellt. Heutzutage ist es ein Museum indem man sich umsehen kann und auf einigen Informationstafeln so einige Informationen bekommt.
Im Hostel habe ich eine Vergünstigungskarte bekommen, mit der ich in spezielle Sehenswürdigkeiten zum halben Preis hineinkann, darunter auch Dejima. Sie ist für drei Tage gültig und kostenlos. Sehr zu empfehlen. Insgesamt verbrachte ich glaube ich etwas mehr als 2 Stunden dort, inklusive eines ganz besonderen Anlasses. Ich habe seit Jahren davon geträumt mich einmal als Samurai in Japan zu verkleiden und siehe da, es war möglich =). Gleich hinter dem Eingang gibt es ein Laden wo man sich ein Kimono oder eben eine Samuraikluft ausleihen kann, samt Katana, Geta (jap. Holzschuhe) und Tabi (jap. Socken). Geile Sache und für nur 2.000 Yen Leihgebühr (gut 16 Euro)! Selbst wenn es 5.000 Yen gekostet hätte, hätte ich zugeschlagen :D. Eine Dame des Personals hat mich dann eingekleidet (ich behielt meine normale Kleidung an, nur Socken zog ich zugunsten der Tabi aus). Anschließend ging sie mit mir noch durch Dejima um etliche Bilder von mir zu machen, mit meiner Kamera und ihrer^^. Ich glaube nicht allzu viele Ausländer kommen vorbei und lassen sich als Samurai einkleiden. Ich war auch sofort der Blickfänger schlechthin, jeder schaute und machte Bilder von mir. Ein wenig viel Aufmerksamkeit^^. Jedenfalls war das wohl das bisherige Highlight in Japan. Ein Moment auf den ich lange gewartet habe :D. Etwas später habe ich dann noch eine im Kimono verkleidete Japanerin gefragt ob sie nicht ein Foto mit mir machen möchte, wann hat man schonmal die Chance mit einer süßen Schnitte im wunderschönen Kimono Seite an Seite zu stehen :D.

Part II – Das Atombombenmuseeum

Das ist ein Punkt den jeder der nach Nagasaki (oder Hiroshima) kommt, besuchen sollte. Das Atombombenmuseeum liegt Flussaufwärts und zu Fuß etwa 30 Minuten, und nur unweit vom Ground Zero entfernt. Es ist unterirdisch angelegt und von der Eingangshalle geht man in einer Spirale abwärts und auf seiner Linken an den Jahreszahlen von 2010 bis 1945 vorbei. Fand ich ganz nett, sodass man sich innerlich darauf einstellt von der Gegenwart in die Geschichte einzutauchen. Und eintauchen ist das richtige Wort. Mit der Discount Karte kostet der Eintritt auch nur 100 Yen und dann kanns auch schon losgehen. Das erste Objekt was man zu sehen bekommt ist eine Wanduhr die genau um 11:02 Uhr (der Zeit der Explosion der Atombombe) stehengeblieben ist und recht derfomiert aussieht. Man kennt derlei Dinge ja aus Filmen, aber es dann live zu sehen und sich vorzustellen wie es dazu kam, ist dann doch nochmal was anderes. Ein Zeitzeuge, der das ganze in die Realität befördert.
Es gibt sehr viele Exponate in der Halle, verschiedener Art. Etliche Bilder von den Folgen der atomaren Strahlung, Bilder von kurz nach der Explosion, von verbrannten, schwarzen Leichen auf den Straßen, Bildern von toten und verbrannten Kindern und von der gesamten Zerstörung im generellen. Ein Graus und dazu noch in Schwarz/weiß, was das ganze nochmal schrecklicher macht, finde ich. Farbe gabs ja damals sowieso noch nicht. Ich füge auch ein paar Bilder dessen mit an. Andere Exponate zeigten wiederum wie Dinge von der Hitze geschmolzen sind, oder auch eine Art Negativ und radioaktiven Schatten hinterließen. Auch gab es eine Nachbildung von ‚Fatman‘, der Atombombe welche für Nagasaki vorgesehen wurde und wie sie aufgebaut war und funktionierte. Ferner habe ich noch die Chronologie abgelichtet, wie es letztlich dazu kam und wie die Vorbereitungen dazu liefen. Sollte man sich durchlesen, einiges davon wusste ich selbst nicht.
Zwischendrin kam dann noch eine große Schulklasse dazu, im Alter zwischen 7 und 8 würde ich schätzen, was das ganze ein wenig lauter machte. Zuerst waren sie auch recht laut und quatschten untereinander, aber mit der Zeit wurde es dann wieder ruhiger. Ich selbst hab gute 1,5 bis 2h dort drin verbracht, ohne aber alles zu lesen, man sollte sich aber auf jeden Fall zeitnehmen und alles auf sich wirken lassen.

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Am Ende hatte der Bürgermeister von Nagasaki noch einen Appell an die Menschen und die Weltöffentlichkeit verfasst, der u.a. auch ins Deutsche übersetzt wurde. Da ich das Bild kurz vor Schließung machte ist es geringfügig unscharf, lesen kann mans aber dennoch. Kurz hinter dem Museeum befindet sich auch noch der Friedenspark, den ich jedoch nicht besichtigt hatte denn am selben Abend wollte ich noch zum:

Part III – Mt. Isana (いさな山)

Mt. Isana liegt auf der anderen Seite des Flusses und wenn man kein Auto hat oder keine Lust hochzulaufen, dann kann man die Seilbahn nehmen welche für hin und zurück gute 1.200 Yen kostet, mit der Discount Karte dann nur die Hälfte. Die Fahrt dauert rund 5 Minuten und sie fahren alle 15 Minuten. Was ist nun so besonders an diesen Berg, dass sogar eine Seilbahn dort hinauf fährt? Nun, von dort oben hat einen wunderschönen Ausblick auf die Stadt und die umliegenden Berge, insbesondere bei Nacht und das ist ein wahnsinniger Touristenmagnet. Der Blick auf Nagasaki bei Nacht gilt neben Hongkong und Monaco (wenn ich es in der Durchsage richtig verstanden habe), als eine der drei besten weltweit! Und was soll ich sagen, ich war sprachlos. Ein weiterer Grund warum ich Nagasaki so gern habe. Auch da die Stadt recht klein ist und direkt am Wasser – und umringt von Bergen liegt, trägt maßgeblich zu ihrem Charme bei. Dabei hat man nicht nur eine tolle Aussicht auf Nagasaki selbst, sondern auch auf die See hinter dem Berg und Richtung Norden. Bei besonders schönen Tagen soll man auch Mt. Unzen (Ein Beitrag dazu steht weiter unten) sehen können und auch Hashima, eine verlassene „Insel“ die früher zum unterseeischen Kohleabbau genutzt wurde. Zusammen mit meiner ehemaligen Studienkolleging und ihrer Tochter wird dies wahrscheinlich Mitte Juli angegangen.
Dort oben bin ich kurz vor Sonnenuntergang angekommen um mir noch die Gegend anzuschauen solange es noch hell ist, auch wenn die Hauptattraktion, die Nacht, nicht mehr lange auf sich warten ließ. Insgesamt war ich erneut gute 2h vor Ort und machte etliche Bilder der Stadt, wo einige auch sehr gut geworden sind. Ich lerne ja noch, was Nachtaufnahmen angeht^^. Trotz des diesigen Schleiers der über der Stadt lag (und eine feste Grenze zu haben schien, was man gut an den Bergen sieht), hat es mir sehr gut gefallen. Definitiv etwas das man wieder machen sollte und jedem wärmstens zu empfehlen ist, auch wenn massig Touristen auf der Aussichtsplattform sind.

Part IV – Mt. Unzen (雲仙)

An meinem ersten freien Tag beschloss ich zum Mt. Unzen zu fahren, den ich schon bei Ankunft mit der Fähre sehen konnte. Entschieden habe ich mich für den Bus, dessen Ticket für den Hin- und Rückweg zusammen gute 3.240 Yen kostet (26,50 €), die Fahrt dauert auch gute 1,5 Stunden. Leider gibt es täglich nur drei Busse hin und drei zurück was mir maximal fünfeinhalb Stunden Zeit lässt. Man sollte sich übrigens ein Bento mitnehmen, die Restaurants die es dort im Örtchen gibt, sind nicht so pralle und ich war auch der einzige dort, zugegeben war ich auch auf einen Donnerstag da, da ist sowieso nicht so viel los.
Natürlich musste auch gerade an diesem Tage das Visitor Center geschlossen sein^^. Hätte gerne einen Blick darein getan um auch mehr über den Unzen zu erfahren, aber was solls. Nach dem Essen bin ich dann angegangen den Berg zu besteigen, was vom Ort aus rund 1 h dauerte, bis ich auf den Niita Pass kam wo es u.a .einen Parkplatz, eine Aussichtsplattform und eine Seilbahn auf den Gipfel eines der Vulkankegel gibt. Leider war es zu windig, sodass ich nicht hinauffahren konnte und ne Wanderung zum Fugen Dake konnte ich mir zeitlich nicht leisten, da das ganze gute 2 h in Anspruch genommen hätte! Im Prinzip war der Tag vergeudet, da ich durch die Busfahrzeiten ziemlich daran gehindert war das zu machen was ich wollte. Ne schöne Aussicht hatte man dennoch.
Man sollte zudem wissen, dass es 1991 einen großen Ausbruch gab, bei dem auch zwei französische Geologen gestorben sind die pyroklastische Ströme erforschten und von einem erwischt wurden. Beide wurden sogar namentlich in dem verlinkten Wikipedia Artikel erwähnt. Dabei gibts kein Entkommen, sie können mit bis zu 700 km/h ins Tal rasen. Zwei aussergwöhnliche Vulkanologen. Ein kleines Portrait gibts im folgenden YT Video. Wenn man den pyroklastischen Strom so auf einen zurasen sieht, muss dass ein grauenhafter Tod sein. Aber immerhin kurz und schmerzlos.

Den während der letzten Aktivphase ausgebildeten vulkanischen Dom hat man aber auch von der Aussichtsplattform aus gesehen und war auch sehr imposant. Dazu gabs noch eine kleine Tafel, die zeigte wie es währenddessen und nach der aktiven Phase aussah. Zugleich bildet dieser Dom einen neuen Gipfel, den höchsten des Unzen Komplexes.
Anschließend, mangels Zeit, stieg ich wieder ab und schaute mich noch ein wenig im Örtchen um, wo es überall dampft und nach Schwefel stinkt. Das ist ein guter Anzeiger für heiße Quellen, und eine dieser galt es aufzusuchen. So entschied ich mich für das Kojigoku onsen (小地獄温泉) was übersetzt ‚kleine Hölle‘ heiße Quelle heißt. 420 Yen Eintritt waren da auch recht billig und das Ambiente wunderschön. Ausser mir waren noch 4 ältere Herren dort und es gab zwei Becken, eines was verdammt heiß war und wir noch durch zugabe kalten Wassers abkühlten und eines was gute 40°C, also Standardtemperatur, hatte. Das Haus war aus Holz gemacht und das Bad sehr sauber. Äußerst empfehlenswert.

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Part V – Nagasaki City

Nicht nur die Sehenswürdigkeitn sollte man sich anschauen, sondern auch Nagasaki selbst. Wie bereits geschrieben ist es eine sehr schöne, wenn auch klassische Stadt. Das Hostel liegt nur 5 Gehminuten vom Bahnhof entfernt und alles andere lässt sich auch recht schnell erreichen. Das Zentrum Hamanmachi (浜ん町) ist gute 10 Minuten entfernt und bietet etliche Shoppingmöglichkeiten mit überdachten Arkaden. Auch liegt es direkt an einem Fluss und mit zahlreichen Brücken.
Ein weiteres Highlight ist die ‚Ringer Hut‘ (heißt wirklich so und wird auch so geschrieben), welche die beste Chanpon-Suppe Nagasakis für 500 Yen anbietet. Günstiger soll es nirgendwo sein. Einen Beitrag zur Verköstigung habe ich bereits hier geschrieben. Finden werdet ihr sie wenn ihr Richtung Dejima über den Fluss geht und direkt dahinter rechts abbiegt, Richtung Hafen. Kann man gar nicht verfehlen =).
Ein weiteres kulinarisches Highlight, was mir wärmstens empfholen wurde, habe ich heute erst probiert und es nennt sich Kaisendon (海鮮丼) was man im Uotatsu Restaurant (魚たつ) essen kann. Fragt am besten bei eurer Unterkunft danach es ist verdammt lecker und auch nur zur Mittagszeit geöffnet. Ein Bericht wird dazu noch folgen, kurzgesagt ist es roher Fisch auf Reis, quasi wie Sushi.
Ein anderes Highlight ist unbedingt der Hafen Bereich, insbesondere bei Nacht. Der Hostelbesitzer Shinji hat mich darauf gebracht und mit mir einen Rundgang gemacht. Anschließend wurde ich dann noch zum Sashimi essen mit zwei Mädels vom Casa Blanca Hostel (dem Schwesterhostel Casa Nodas) eingeladen. Hat klasse geschmeckt und essen das man als Backpacker umsonst serviert bekommt lässt man natürlich nicht liegen :D.

Gestern dann, hatte mich Shinji noch mitgenommen Glühwürmchen anzuschauen. Waren die ersten für mich und war demzufolge auch ziemlich geflasht :D. Nicht von deren Licht, sondern davon dass es aussah wie kleine grüne Sterne im Wald und über den Waldbach. Sie leuchten synchron und immer für 2-3 Sekunden und pausieren dann wiederum für die gleiche Zeit. Zudem haben wir auch ein Würmchen gesehen, dass sich in einem Spinnennetz verfangen hat und vor sich her läuchtete. Bis die Spinne kam und dem ganzen den Saft abdrehte. Im wahrsten Sinne des Wortes ging ihm das Licht aus. Amen.

Insgesamt ist Nagasaki eine Touristenstadt, dennoch habe ich hier im Hostel nicht einen Deutschen bisher gesehen, was mich überraschte aber auch irgendwo glücklich machte^^. Meiner Meinug nach ist Nagasaki ein must see für jeden. Kommt her!

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