13 Die Sakurajima (桜島)

Freitag, der 20. Mai 2016

Der Sakurajima (welcher grammatikalisch eigentlich die Sakurajima heißen müsste, da 島 Insel bedeutet und die nunmal weiblich ist, allerdings ist damit auch der Vulkan selbst gemeint, daher wirds im folgenden als ‚der‘ bezeichnet) ist ein sehr aktiver Vulkan, direkt östlich vor Kagoshima City (鹿児島市) liegend und in einer gut 15-minütigen Fährfahrt zu erreichen.

Part I – Geologischer Überblick

Was meine ich also mit sehr aktiv? Lasst es mich so sagen, im letzten Jahr gab es insgesamt gute 750 Ausbrüche, für dieses Jahr, als ich dort war, bereits rund 50. Das spricht für sich, jedoch sei es nicht falsch zu verstehen. Für gewöhnlich wird nur Asche in die Atmosphäre geschossen die sich dann auch in Kagoshimas Straßen niederlässt. Schwerwiegende Ausbrüche mit Lava und dergleichen gabs schon seit 100 Jahren nicht mehr. Um genau zu sein, war der Vulkan bis 1914 sogar noch eine Insel, mit der Eruption im selbigen Jahr hat ein Lavafluss die Insel mit den östlichen Landen verbunden und zu einer Halbinsel degradiert! Zwar kommt es immer mal wieder zu einer wunderschönen Feuershow am Krater, jedoch wird dabei nur wenig des geschmolzenen Gesteins eruptiert, sodass es quasi ungefährlich für die Bewohner der Insel ist. Leider habe ich selbst in meiner Zeit in Kagoshima keine Eruption sehen können, lediglich als ich nach Yakushima aufgebrochen bin, gabs Rauch zu fotographieren.
Gerade weil er so häufig eruptiert, ist er relativ ungefährlich. Je häufiger ein Vulkan hochgeht, desto schwächer sind die tatsächlichen Eruptionen, da sich Magma nicht so sehr staut und der Druck nach oben hin abgebaut wird. Schlimm wirds erst wenn Vulkane lange Zeit über ruhig werden und dann wieder in eine aktive Phase übergehen. Das soll natürlich nicht heißen, dass es keine größere Eruption mehr geben kann, das kann dennoch passieren.
Jedenfalls ist der Vulkan selbst nur ein Pickel einer riesigen Kaldera (Aira) die vor rund 22.000 Jahren in einer gewaltigen Explosion die heutige Kinko Bay erschaffen hat. Am südlichen Rand dieser Kaldera hat sich dann vor rund 13.000 Jahren der Sakurajima gebildet. Gespeist wird der Vulkan von Magma, welches durch die östlich liegende Subduktionszone generiert wird, indem sich die eurasische Platte über die pazifische schiebt und letztere sozusagen in den Erdmantel abtaucht. Durch mitgeführtes Wasser (quasi ein Schmiermittel) und die durch die Reibung erzeugte Wärme steigt die Temperatur ab einer gewissen Tiefe punktuell so stark an, dass das darüberliegende Gestein schmilzt und durch Dichteunterschiede aufsteigt, bis es letztlich die Erdoberfläche erreicht und dort dann eruptiert. Für jene die es interessiert, handelt es sich dabei um Andesit und Dazit mit einem SiO2 Gehalt von gut 56 bis 68 %. Heißt dass es sich um intermediäre bis sogar felsische Magma handelt, demnach also schon stark differenziert aufsteigt. Übrigens geht der Name Andesit auf die südamerikanischen Anden zurück, welches als Typusgestein dort ebenso durch die Subduktion entsteht und an die Oberfläche gebracht wird. Kurz und knapp zusammengefasst zeigt dieses Bild die Bildung von Magma:

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Den Laien braucht nur zu interessieren, dass die Temperaturlinien durch die Subduktion ihren Verlauf ändern, da das abtauchende Material erstmal deutlich kälter ist als das umliegende Gestein. Ab der Tiefe wo sich die Temperatur dann wieder angleicht, werden dann die erwähnten Magmen generiert, was vorallem durch die Anwesenheit des Wassers getriggert wird und erklärt warum soweit ab der eigentlichen Subduktionszone ein Vulkan entsteht.

Part II – Leben mit der Gefahr

Als der Vulkan 1914 erste starke vulkanische Beben produzierte wurde die Bevölkerung von der Insel vorsorglich evakuiert, weshalb es beim folgenden Ausbruch nur einige Tage später (am 11. Januar) keine Opfer zu bekunden gab. Am 13. Januar dann gab es erneut ein großes Erdbeben was dann 35 Menschen zum Opfer hatte und zudem einen monatelangen aktiven Lavastrom hervorbrachte, was an sich durch den hohen SiO2-Gehalt im Magma primär weniger häufig ist. Man kennt ja Lavaströme von Hawaii zum Beispiel wo die Lava weitaus weniger SiO2-Gehalt hat (Basalt) und damit mit einer weitaus geringeren Viskosität fließt. Je höher der SiO2-Gehalt (das heißt je felsischer oder saurer) ist, desto zäher wird die Lava, weshalb eher explosive Ausbrüche häufiger sind, als die Ausbildung von tatsächlichen Lavaströmen.
Jedenfalls wurden mit der Zeit dann Überwachungssysteme direkt am Berg errichtet und entwickelt was ihn wohl zu den bestüberwachtesten Vulkan der Welt macht. Es gibt  seit 1997 „Abflusskanäle“ (Sabo-System) aus Beton, welcher Lava kanalisieren und zudem Geschwindigkeiten aufzeichnen soll, ferner sind rund um die Insel massive Unterstände errichtet worden, sollte der Vulkan mal spontan ausbrechen. Zudem wird durch Wissenschaftler auch unterirdisch geforscht um die genaue Struktur der Magmenspeisung zu erforschen. So ergab sich z.B., dass der Sakurajima (welcher ja am südlichen Rand der Aira Kaldera liegt), sein Magma vom Zentrum derer abzweigt. Nach der Eruption von 1914 hatte sich das Zentrum der Kaldera um gute 60 cm abgesenkt, aufgrund des Magmendefizits in der Erdkruste.

Part III – Die (Halb-)Insel

Erreichen tut man den Vulkan mit der oben genannten Fähre, von Kagoshima aus. Die Überfahrt ist äußerst günstig. Für den Erwachsenen lediglich 160 Yen (etwa 1,30€), welche jedoch erst bei Ankunft fällig werden. Es gibt keine Tickets in Kagoshima selbst. Mit Fahrrad zahlt man 270 Yen (etwa 2,20 €), wenn ich mich recht erinnere, auch nicht die Welt =). So bin ich mit dem deutschen Mirko aus Dresden mit dem Fahhrad hinüber gejuckelt, und das bei bestem Radelwetter! So nahmen wir uns vor, mal im Uhrzeigersinn loszufahren um vorallem nen schönen Strand zu suchen um der Hitze zu entkommen. Allerdings als wir bei gut einem drittel der Umrundung waren, kamen wir an einem Berg an, der zu viel Kraft und Wasser gekostet hätte hochzufahren. Ja, wir waren faul aber es war auch extrem heiß^^. Also entschlossen wir uns kurzerhand wieder zurück zum Hafen zu fahren und ein wenig entgegen dem Uhrzeigersinn zu fahren, man hat ja nichts zu tun :D. Vorbei an einem public onsen Fußbad und dem Sakurajima Visitor Center, gings dann den Radweg/Fußgängerweg entlang der Küste, welche ausgesprochen schön war. Leider hab ich es verpeilt, dass es weiter oben am Berg ein Observatory gab wo man hätte hingehen können, so verließen wir die Insel nach einigen Stunden auch schon wieder. Die obere Hälfe war eh durch Wolken verhüllt, sodass man leider nicht viel zu Gesicht bekam, zudem war Regen im Anmarsch. Die Fähren fahren alle 15 Minuten, weshalb das warten nicht lange dauerte. Tickets wurden dann ebenfalls dort am Hafen gekauft, sodass es in Kagoshima erneut entfiel.

In der Nachbetrachtung muss ich sagen, dass ich gerne mehr gesehen hätte und bereue ein wenig nicht noch einmal hinübergefahren zu sein, aber gut, man kann bekanntlich nicht alles haben =). Es soll ja noch mehr schöne Vulkane geben und bis zum Krater hätte man eh nicht gehen dürfen. Daher folgen jetzt noch ein paar Bilder und im nächsten Beitrag wird es dann um Krisihima gehen, welche ebenso eine recht aktive Vulkanlandschaft, nur gute 50 km nordnordöstlich von Kagoshima, darstellt.

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2 Antworten zu 13 Die Sakurajima (桜島)

  1. Cidar schreibt:

    Ay! Sofort gelesen!

    Das erwähnte Observatorium, welches schmerzlichst vergeblich auf deinen Besuch warten musste, ist auch der Ort, wo alle erhobenen Daten aufgenommen und ausgewertet werden oder nur ein Ort zur besseren Veranschaulichung?

    Schon einmal an einem Ort gewesen, der die Daten misst und verarbeitet? Bzw. besteht da deinerseits Interesse oder weißt du letztendlich schon wie es dort vermutlich zugeht? Falls man in diesen Zentren überhaupt Interessierte/Besucher reinlässt :P

  2. VagabundenReise schreibt:

    Sehr gut! Ich nehme an dass es ersteres ist, ehrlich gesagt weiß ich es nicht genau. Ich hatte mal mails zu den verantwortlichen geschrieben um eine Art Praktikum zu bekommen, allerdings kam nie eine Antwort zurück. Und ja ich würde gerne nicht nur hinter die Kulissen schauen, sondern auch sehr gerne für ne Zeitlang dort mein Wissen erweitern, denn zugegeben ist mein Wissen der Vulkanologie beschränkt, da wir nur zwei Vorlesungen in der Uni hatten und ich mich eher auf Sedimentologie spezialisierte =). Nein bisher bin ich noch nicht an solch einem Ort gewesen.

    Mal schön wieder was von dir gehört zu haben :D. Gerne auch mal wieder bei Skype ;).

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