12 Yakushima III (屋久島)

Montag, der 16. Mai 2016

Part V – Zwangspause (16. Mai 2016)

Es kam wie es vorausgesagt wurde. Seit etwa 10 Uhr morgens begann es heftig zu regnen, für satte 12 h.
Also erneut eine gute Entscheidung getroffen, auch wenn das bedeutet in der Hütte gefangen zu sein. Später kamen dann noch um die 20 Japaner hinzu, welche die Hütte dann auch noch nahezu füllten. Mir graute schon vor dem nächsten Morgen, beruhend auf meinen Erfahrungen der ersten beiden Nächte.
Viel gemacht habe ich nicht und konnte ich auch nicht, ausser mein Tagebuch aktualisieren, lesen und ein wenig jap. zu lernen. Mehr ist dann auch für diesen Tag auch nicht hinzuzufügen!

Part VI – Der krasseste Abstieg! (17. Mai 2016)

Es kam wie es kommen musste! Morgens um vier ging das Gerammel los und alle Japsen starteten ihre gottverdammten Rucksäcke, und raschelnden Plastiktüten zu packen, nett zu plauschen, gemütlich Frühstück zu essen und hin und er zu flöckern! in dem Moment war ich so geladen, dass ich hätte töten können^^!
Mein Kopf war voll von fiesen kleinen Gedanken die in der präkeren Situation, genährt von Schlafmangel (ich habe maximal 4 h gepennt, da ich nicht einschlafen konnte) eine erstaunliche Blüte annahmen! Es blieb jedoch bei Fantasien und Ideen. Eine Idee besagte, beim nächsten Mal meinen Wecker klammheimlich auf 2 Uhr morgens zu stellen, genau in der Tiefschlafphase und ihn dann genüsslich eine halbe Stunde lang bimmeln zu lassen! Wir wollen ja human bleiben.
Ich wiederhole es gerne nochmal, wenn ich weiss, dass ich am nächsten Morgen (ausgesprochen) früh losgehe, oder aufstehe, dann packe ich meinen Rucksack am Abend zuvor! Hab ich ja auch geschafft, seht her, ihr könnt vom Deutschen noch was lernen, auf die ihr sowieso schon so geil apfahrt! Ich diktiere, ihr folgt und dann herrscht hier deutsche Ordnung und Ruhe in der Kiste! Ist ja nicht so als würden sie erst vor Einbruch der Dunkelheit ankommen, nein, wer früh geht, kehrt auch früh heim, die Distanz zwischen den Hütten ist endlich! Bereits um zwei Uhr ist die Hütte voll.
Daher ein gut gemeinter Rat an alle die in Japan wandern wollen und dabei das Pech haben mit Japanern unter einem Dach zu pennen: Schlaft im Zelt! Selbst wenn es ununterbrochen pisst, andernfalls verspreche ich euch, ab 4 Uhr kein Auge mehr zuzubekommen und zudem einen immensen Hass zu entwickeln^^.

Um 6 Uhr war ich dann endlich alleine. Ursprünglich wollte ich um 7 aufstehen, verschob das aber um eine Stunde nach hinten um wenigstens ein wenig Ruhe zu bekommen. Um halb 9 gings dann, dank zuvor schon gepacktem Rucksack (siehe, man hat nur Vorteile!) in den Tag und zur letzten Etappe an dessen Ende mich ein Onsen erwarten würde. Der Tag wurde sogar weitaus besser als gedacht. Die Sonne schien, ein laues Lüftchen wehte und keine Sau auf dem Track.
Lasst mich eines vorweg sagen, der Track hatte es in sich! Es handelte sich um den anspruchsvollsten den ich bisher angegangen bin und war an mehrern Stellen bei weitem nicht ungefährlich.Zuerst gings noch eine halbe Stunde entlang des Yodogawa Trails zum Parkplatz hin. Von dort aus kann man dann entweder zum Busparkplatz laufen, der zweimal am Tag nach Anbo fährt oder Informationstafel, samt Querschnittsprofil des Tracks. Dazu auch die Warnung den Track ncht zu laufen wenn es regnet oder gerade geregnet hat, da der Abschnitt eine Flussüberquerung vorsieht. Bis zum Abstieg dorthin jedoch gehts erstmal für gute 80 Minuten auf der selben Höhe, entlang eines normalen Tracks.
Man sieht nicht viel, ausser Wald, aber kurz vor dem Abstieg bekommt man noch freie Sicht auf die umliegenden Berge und Täler, auch dank des ausgesprochen guten Wetters. Von dort an jedoch wird es allerdings erst richtig hart. Der gesamte Abschnitt ist nicht künstlich durch Holztreppen bebaut, sondern mehr oder weniger sich selbst überlassen worden. Einziger Hinweis für den Weg waren die rosa Bändchen, welche in einigen Meter Abständen an den Bäumen hangen. Ohne diese gäbe es auch keine Chancen den richtigen Weg zu finden. Der Abstieg selbst war sehr eng was dem Weg betrifft, so ging es über Steine und Felsen, sowie entlang kleiner Bäche. Das schlimmste kam jedoch erst danach – der Fluss! Als ich an einem Stand (und auf dem Weg dahin eine Gruppe Affen sah), dachte ich dass ich an eben jenem stehen würde, dessen Überquerung auch ohne Probleme machbar war. Jedoch ging der Weg dahinter nicht bergauf wie es auf der Karte eingezeichnet war, sondern entlang des Flusses was mich stutzig machte. Erst 10 Minuten später merkte ich warum. Jener Fluss war nicht der eigentliche um den es ging, sondern gar nicht in der Karte eingezeichnet!

Als ich dann vor dem 3 Nummern größeren und 10x gefährlicheren großen Bruder stand, die Strömung und das tiefe Wasser sah, dachte ich meinen Augen nicht trauen zu können. Jetzt verstand ich die Warnungen, aber zum Umkehren bin ich nun schon zu weit gekommen. Auch wenn mein Verstand meinte bis hierhin und nicht weiter und damit die Gefahr erkannte, wurde dieser nach einigem hin und her von meinem Ehrgeiz und Stolz untergraben. Eine total irrwitzige Entscheidung, die frei nach dem Motto: No Risk no Fun! gefällt wurde!

Ohne Witz, war es verdammt gefährlich und ich habe 20 Minuten aufgebracht um mir zu überlegen wie ich halbwegs sicher da rüber komme. Durch einge Survival shows die ich auf DMAX gesehen habe, lernt man ja auch bei einer Flussüberquerung a) nicht nach unten zu schauen, b) ne Gehhilfe zu nutzen und c) möglichst nicht alleine einen Fluss zu überqueren^^. c) fällt raus, aber a) und b) habe ich durchaus ernst genommen. So suchte ich mir nen langen stabilen Stock und zog meine Hose aus, damit wenigstens etwas trocken bleiben würde. Schuhe ließ ich selbstredend an, es wäre selbstmörderisch baren Fusses dort hinüber zu gehen. So suchte ich mir eine Stelle aus, an der ich meinte gut rüberzukommen, was letztlich jedoch eine falsche Entscheidung war. Leider konnte man im Wasser selbst kaum den Grund sehen, trotz sehr klarem Wasser, da die Sonne in einem Winkel schien, welche einem die Sicht verwehrte und sogar noch blendete. Aber wie wir gelernt haben, soll man auch geradeaus schauen, sonst besteht die Gefahr mit der Strömung gerissen zu werden, welche sehr stark war und auf den Bildern selbst vielleicht nicht so krass gesehen wird. Ferner sind die Felsen natürlich rutschig, was dann nochmal zur Härte der Überquerung beitrug. Dazu kommt, dass ich in ein ‚Loch‘ im Boden reingeraten bin und dadurch und durch die Strömung ins straucheln kam und Gleichgewicht verlor, sowie bis zur Hüfte ins Wasser einsank, mit der Befürchtung jetzt durch die Instabilität fortgerissen zu werden (man bedenke dass ich noch gute 23 kilo Schwungmasse mit mir rumtrug). Jedoch konnte ich mich gerade noch halten, auch durch die Hilfe de Stockes. Von dort aus sah ich, dass es 3 Meter Flussauf wohl hätte besser klappen können, was ich vom Ufer jedoch falsch einschätzte. Aber nun war es eh zu spät, so versuchte ich wieder halt zu finden und den letzten Sprung ans Ufer zu meistern. was auch glücklicherweise klappte. Mein Puls war hoch, mein Herz raste aber Endorphine rasten durch meinen Körper! Erstmal kurz ausruhen und wieder seinen Verstand sammeln^^. Das Wasser war erstaunlich warm und das Bad hat zudem in der Hitze echt gut getan. Auch wenn ich beim einsinken im Fluss meinen Rucksack leicht eintauchte, blieb alles soweit trocken. Mein Schlafsack war ein wenig klamm, aber nicht wirklich nass.
Anschließend gings dann nun endlich bergauf, was mich erstaunlicherweise auch gar nicht anstrengte. So konnte ich es in einem Lauf angehen und war dann schnell wieder oben auf, um dann letztlich den ganzen Weg auf Normalnull bergab zu gehen. Auch hier war der Weg nicht einfach und es gab einen Abschnitt mit Steintreppen, die künstlich angelegt waren, aber durch Moos und dem feuchten Regenwald, sehr rutschig, was wiederum zu einem langsamen und vorsichtigen Abstieg führte. Dazu kam, dass dies auf die Beine ging und mehr als Dshungel nicht zu sehen war. Der Abstieg dauerte auch weitaus länger als ich dachte, sodass ich die auf der Karte markierten Zeiten nicht unterbieten oder gar treffen konnte. In meinen Augen ist dieser Abstieg nur was für Leute die auch psychisch stabil sind und sich nicht leicht aus der Ruhe bringen lasen. Man sieht stundenlang nichts, hat einen harten Weg, kann sich nicht orientieren und kommt nur langsam voran. Alles Punkte die einem in leichte Panik versetzen können und sowas nährt sich meistens selbst zu einer größeren Panik. Ich selbst kam zwar nicht in diesen Modus, aber eine leichte Unruhe machte sich dennoch mit der Zeit in mir breit. Vorallem mit Hinblick auf die Zeit, da es irgendwann ja auch dunkler werden würde. Ich ging im Tal bergab und die Sonne geht hinter den Bergen schneller unter, als wenn man oben auf wandert. Heißt dass es zwangsläufig in eh schon dichtem und dunklerem Wald, schneller dunkel wird. Ich habe auch seit der Flussüberquerung keine Bilder mehr gesschossen, zum einen weil ich nicht mehr sooft anhalten wollte, und zum anderen weil es eh nichts zu sehen gab^^.

Letztlich kam ich jedoch am nächsten Stop an, einem kleinen Unterstand der noch zu einem großen Wasserfall führte, den ich mir ursprünglich anschauen wollte, jedoch hätte der Weg hin und zurück insgesamt 1h gedauert und da das Zeiteisen bereits halb 5 anzeigte (an dem Punkt wollte ich eine bis eineinhalb Stunden früher da sein!), sputete ich mich nach einer 5-minütigen Pause um den letzten Abschnitt zum Onsen zu gehen.
Dies sah wieder eine Flussüberquerung vor, jedoch an einer Stelle wo es nur 1 Meter weiter gute 5 Meter in die Tiefe ging^^. Ich war mittlerweile echt geschafft und wollte nur noch am Onsen angkommen. Glücklicherweise verlief die Überquerung, trotz des anfänglichen Schocks trockenen Fusses und so ging es weiter.
In der ersten halben Stunde war der Weg selbst auch noch recht hart, aber danach wurde der Grund ebener und damit auch leichter, da der Wald lichter wurde. Kurz vor dem Onsen hörte ich dann Stimmen und je näher ich denen kam, waren es doch tatsächlich zwei Deutsche, Vater und Sohn! Wir kamen ins Gespräch und da ich noch nicht wussete wo ich hingehen sollte, meinten sie ich können zu ihrer Unterkunft kommen, die von einem Deutschen geführt wird und wo man auch billig campen könne. So zog ich zuerst ins wohlverdiente Onsen um etwas zu entspannen (für läppische 200 Yen) und zog dann aus zu Rainer (Jerrys Campsite) wo ich für 800 Yen nächtigte. Ein interessanter Mann mit dem man sehr leicht ins Gespräch kommt und zudem mitgeholfen hat die Tracks auf der Insel zu bauen! Ich habe unter freiem Himmel geschlafen, die Temperaturen haben es zugelassen und regnen sollte es auch nicht. An dieser Stelle sei zu sagen wie viel Glück ich erneut mit dem Wetter hatte, auf einer Insel die für ihre zahlreichen Regentage berüchtigt ist. Selbiges war schon auf Stewart Island eingetreten. So zog ich dann bei fast sternenklaren Himmel in die Welt der Träume weiter!

Part VII – Zurück nach Miyanoura (18. Mai 2016)

Ursprünglich wollte ich zurück laufen um Kosten für den Bus zu sparen, allerdings war ich von den Bergen bereits so geschafft und die Sonne bereits so hoch und stark, dass ich was anderes probierte. Nach gut 2 km des laufens streckte ich meinen Dumen in die Höhe und siehe da, keine zwei Minuten später nahm mich eine Japanerin bis nach Anbo mit! Klasse, wie schnell das ging =). Allerdings meinte Rainer auch, dass es auf Yakushima sehr einfach sei, da es ein paar Communitys gäbe und die Leute generell offener wären. Die wahre Feuertaufe würde mir dann auf dem ‚Festland‘ bevorstehen. Keine 15 Minuten später bin ich in Anbo anegkommen wo es dann erstmal was zu fressen gab! Nach 5 Tagen in den Bergen die erste richtige Mahlzeit. Ein frischgemachtes Bento mit Extra Reis und ein Stück Räucherlachs, für läppische 650 Yen. Geschenkt.

Von dort aus ging ich ein wenig weiter um eine bessere Stelle fürs hitchhiken zu suchen und musste etwas länger warten, rund 15 Minuten. Allerdings war die Spur auch nur wenig befahren, dennoch kam ich von dort aus dann ohne Umwege nach Miyanoura und wurde sogar bis vor die Haustür des Hostels gefahren. Sehr geil!
Am nächsten Tag gings dann zurück nach Kagoshima, aber nicht ohne zuvor noch mein Versprechen einzulösen und erneut zum Tempel zu gehen um die Glocke zu läuten. Gesagt, getan und die beiden Mönche waren froh mich wieder zu sehen. So gesehen kann man durchaus behaupten: Ende Gut, alles Gut! Auf zu neuen Abenteuern =)!

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