11 Yakushima II (屋久島)

Samstag, der 14. Mai 2016

Part III – Ausruhen (14. Mai 2016)

Am zweiten Tag ist nicht viel passiert. Ich entschied mich den geplanten loop nicht zu laufen, aufgrund der immensen Anstrengnungen am Tag zuvor.
Die Hütte (Takatsuka Hütte 高塚小屋), war die Nacht über voll und gegen halb 8 gingen die Lichter aus, jedoch schon um 4:30 Uhr wieder an…
Mein Schlafnachbar entschuldigte sich noch am Abend zuvor, dass er früh rausgehen würde, wobei ich mir erst nichts weiter dabei gedacht habe. Jedoch, als er morgens um 4:30 Uhr anfing eine Stunde lang seinen Rucksack zu packen, hätte ich den guten Herrn gelinde gesagt umlegen können! Das schlimme war, dass alle anderen seinem Beispiel gefolgt sind und dabei sogar noch anfingen miteinander zu quatschen! Japaner sind höflich ohne Ende, aber wenn es um Dinge wie Rücksichtsnahme in einer gemeinsamen Unterkunft geht, sind sie ausgesprochen rücksichtslos! Da ich mich entschieden hatte den Tag über blau zu machen, um meine Beine auszuruhen, konnte ich danach noch weiter pennen, aber extrem nervig war es dennoch!

Part IV – Auf zum Gipfel (15. Mai 2016)

Das heutige Ziel sah vor zum Mt. Miyanoura (宮之浦岳) aufzusteigen, die Aussicht zu genießen und dann zur Yodogawa Hütte (淀川小屋) zu wandern.
Ich denke ich brauche nicht erwähnen, dass die letzte Nacht genauso schlimm war wie jene davor, aber gut, überspringen wir das. Es wird nicht verwundern, dass ich der letzte war, welcher die Hütte verließ. Das Zeiteisen schlug bereits halb 8 durch, höchste Zeit also in die Gänge zu kommen. Bis zum Mt. Miyanoura gings dann auch mehr oder weniger konstant bergauf, direkt durch den Regenwald, welchen ich bereits lieben gelernt habe. Das Wetter war sehr beständig, kein Regen, dafür bin ich bis zu meinem Ziel durch Wolken gelaufen.
Auffällig war zudem, dass hier weitaus weniger Menschen langgingen, was ich erwartete und guteheiße. So hatte man dann doch sehr viele ruhige und schöne Momente, wenn die Wolken mal ein wenig Platz machten für ein wenig Sicht. Natürlich war ich auch wieder komplett schweißdurchnässt, denn trotz der schattenspendenden Wolken und dem Niesel, war es dennoch ausgesprochen warm.
Der Weg wurde auch zusehends anspruchsvoller, die bis dato häufig auftretenden Treppen wurden durch Gerölle und recht große Felsen abgelöst. Insbesondere als ich dann in den subalpinen Bereich und damit zur Baumgrenze kam, erhöhte sich der Schwierigkeitsgrad und man musste teilweise schon arg aufpassen nicht zu stolpern. Einige Abschnitte gingen an glatten Felswänden hoch bzw. runter, wo jedoch dicke Seile gepsannt waren, damit man sich hochhangeln konnte. Mit noch gut 24 kg auf dem Rücken nicht immer ganz einfach, aber ein schönes Erlebnis allemal!
Mit der Baumgrenze (bei gut 1.600 m) veränderte sich dementsprechend auch die Vegetation. Große, dicke Bäume wie sie unterhalb noch häufig zu finden waren, wurden zusehends kleiner und wichen letztlich Rododendren, welcher gerade anfingen weiße und rosa Blüten auszubilden und alle Hügel umfassendes, dichtes Bambusgras, an welchen sich viele Rehe labten und drinnen versteckten. Ein Reh kaute gemütlich einen halben Meter vom Weg entfernt und störte sich in keinsterweise an eine vorbeigehende Wandergruppe, sodass mir ein paar schöne Bilder gelangen, leider nur vom Kopf, der Rest war im Gras versteckt. Dort oben scheinen die Rehe generell sehr wenig scheu zu sein. Im Wald hingegen sind sie sofort weggerannt. Wär ich ein Jäger, hätte ich ne Handvoll ohne Probleme erlegen können^^.

Sobald ich zudem oberhalb der Baumgrenze war, wurde alles um mich herum merklich trockener, sogar die Luft selbst, sodass mein schweißdurchnässtes T-Shirt während einer 5minütigen Pause fast komplett trocknete, obgleich ich immer noch in Wolken lief. Diese wurden jedoch nach oben hin merklich dünner, sodass die Sonne mehr und mehr Kraft erlangte, wenn auch nicht ganz durchschien.
Ich habe unterwegs viele kleine Pausen gemacht, insbesondere während des Aufstiegs und habe es dermaßen genossen! Nicht die Hütte am Ende des Tages war das Ziel, sondern wahrlich der Weg dorthin! Die Wolken zogen über die Berge und durch die Täler, der Wind wehte leicht im Haar, die Temperaturen waren äußerst angenehm und die Tiere gingen ihren Geschäften nach. In diesem Moment zu spüren was man geleistet hat, zu schwitzen, ausser Atem zu sein, einen ausgepowerten Körper zu haben und dabei diese fantastische Landschaft genießen zu können und sich nicht als Fremdkörper, sondern als Teil dessen zu fühlen – ist unglaublich erhebend! Ein Gefühl wie endlose Euphorie, wenn man nicht verlernt hat zu staunen und sich auch über kleine Dinge freuen kann. Anfangs war ich skeptisch was den Hype um Yakushima angeht, aber selbst mit wenig Sicht war es die Reise dennoch mehr als Wert!

Der letzte Aufstieg zum Mt. Miyanoura (1.936 m) war dann nochmal hart, aber letztlich kam ich oben an und genoß erneut. Das obligatorische Gipfelbild durfte natürlich nicht fehlen ;D. Gute Nachricht: Danach sollte es nur noch bergab gehen! Während bergauf für den Oberkörper anstrengend ist, geht bergab auf die Beine, erst recht wenn man über Felsbrocken klettern muss.

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Dennoch verlief der Weg ohne weitere Komplikationen. Das Wetter blieb stabil und die Rehe ließen sich beim Essen nicht von meiner Anwesenheit stören.
Am Knotenpunkt des Tracks Hananoegou, traf ich Tatsuya (23) aus Nagano, der mich vorher schon überholt hatte. Ich bot ihm die Hälfte meiner Salami Knacker an und so kamen wir ins Gespräch und liefen den Rest zur Hütte gemeinsam. Der Weg selbst war sogar ausgesprochen einfach zu wandern, da er in Stand gehalten wird, lediglich der letzte halbe Kilometer ging steiler und war ein wenig trickreicher als der Abschnitt davor.

Am wunderschönen Yodogawa Fluss angekommen und über die Brücke schreitend, trafen wir an der Hütte ein, wo ein älterer jap. Herr und eine junge Frau aus Kanada, sich bereits eingenistet hatten. Bei uns dreien sollte es bleiben, denn Tatsuya zog aus um den Bus nach Anbo zu bekommen und gab mir noch seine Mailadresse =). Ich hingegen nutzte das Tageslicht (es war 16:10 Uhr als wir ankamen, gute 7,5 h gewandert) um mich im Fluss zu waschen. Unglaublich erfrischend. Kalt, aber geil!
Anschließend gabs dann Abendbrot, was im Angesicht des Lochs in meinem Magen, dringend erwartet wurde. Vom alten Mann hörte ich, dass am nächsten Tag mit Sturm und Starkregen am Nachmittag zu rechnen sei, der Tag darauf aber wahrscheinlich besser werden würde. Da ich an der Südseite absteigen will und das Wetter aus S-SE kommt und der Track als schwierig gilt (so habe ich mir sagen lassen, mir wurde von dieser Route ausdrücklich abgeraten!), entschloss ich mich erneut eine Nacht in der Hütte zu bleiben und auf einen besseren, nächsten Tag zu hoffen. Dann müsste ich gehen, weil meine Vorräte alle wären =).

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