10 Yakushima I (屋久島)

Donnerstag, der 12. Mai 2016

Von Yakushima habe ich schon vor einer ganzen Weile gehört, ebenso davon, dass es dort 35 Tage im Monat regnen soll^^. Auch wenn es sicher eine geile Tour werden würde und Erinnerungen an Stewart Island hochkämen, hatten mich einerseits die hohen Fährkosten (8.900 Yen für beide Wege), sowie der angedrohte massive Regen abgeschreckt. Zugegeben sind die Fährkosten noch geringer als in Neuseeland, aber da ich mir unsicher war, ob ich überhaupt einen Job bekommen könnte, wollte ich mein Geld doch eher zusammenhalten.

Part I – Ankunft (12. Mai 2016)

Nun ist es dennoch soweit, ich bin auf Yakushima, nachdem ich von allen Seiten gehört habe wie geil die Insel doch sei und dass ich unbedingt hin müsse, wurde meine Wanderlust geweckt und mein rationaler Verstand schlafen geschickt! Ferner gibt es auf der Insel Natur pur und die ältesten Bäume (Zedern) der Welt! Bis zu 7.200 Jahren soll die älteste sein. Riesig im Durchmesser sind sie allemal.
Genügend Anreize also die Sache anzupacken und die Fähre am Donnerstag Morgen zu nehmen, bei bestem Wetter!

Und die See ist rau, und der Weg noch weit,
Kein Fleckchen Erde weit und breit,
Und die Reise hab ich, hab ich nie bereut,
Ich segle bis zur Ewigkeit!

In Extremo: Raue See

Die Überfahrt hat 4 Stunden gedauert und war recht angenehm. Als die Insel in Sicht kam sind wir vielen fliegenden Fischen begegnet, die ersten die ich je in meinem Leben gesehen habe. Die Insel selbst war überschattet von Wolken, während der Himmel über der See wolkenfrei blieb. Dennoch war es trocken als wir ankamen und zum Abend hin klärte es sich immer mehr auf.
Zusammen mit dem Australier Kevin, welchen ich in Kagoshima kennenlernte, gings dann ins Youth Hostel, was mit 3.546 Yen doch sehr teuer war (und nicht mal eine Küche hatte!). Allerdings konnte die Managerin sehr gutes Englisch, auch die Dame in der Information, was auch schon viel Wert ist^^. Es war eh nur für eine Nacht, da es schon 1 Uhr Nachmittags war als wir am Hostel ankamen und ich zu der Zeit nicht mehr los wollte, zumal erstmal für die nächsten Tage eingekauft werden musste.
Es waren nicht viele Leute im Hostel, aber die die dort waren, waren sehr nett und freundlich wie man es von Backpackern gewohnt ist =).

Die meisten die auf Yakushima wandern gehen laufen dieselbe Strecke. 1 Nacht und 2 Tage. Mit dem Bus zum Shiratani Track, dann zum höchsten Berg den Miyanoura Dake (1936 m) und von dort aus ein Stück weiter wandernd zur nächsten Bushaltestelle in den Bergen und sich dann für 5.000 Yen rauskutschieren lassen.
Meine Route sah vor, 5 Tage in den Bergen zu wandern und anschließend im Süden der Insel heraus zu kommen und fast die halbe Insel (etwa 35 km) gegen den Uhrzeigersinn zurück nach Miyanoura zu laufen (im Prinzip nur um Geld zu sparen). Insgesamt also sieben Wandertage mit dem Start am Freitag, dem 13. Mai. Na wenn das mal kein gutes Omen ist :D.
Bevor es aber soweit kam, bekamen wir noch den Hinweis von unserer Hostelmanagerin, dass jeden Tag um 18 Uhr im örtlichen Tempel die Glocke geschlagen werden kann und zwar von den Besuchern selbst. Das zähle ich unter Kultur und konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen! Die beiden Mönche waren auch extrem nett und so kamen wir noch ein wenig ins Gespräch und ich versprach wiederzukommen, sobald meine Wanderung beendet ist =).
Den Abend haben wir dann ruhig ausklingen lassen und nach Jahren durfte ich das Nebelhorn wieder hören! Es ist nichts besonderes, aber es beruhigt mich innerlich und klingt nach Heimat. Dazu noch die leichte Brandung (das Hostel liegt direkt am Wasser) und ich konnte seelenruhig einschlafen!

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Part II – Ein Gewaltmarsch (13. Mai 2016)

Der Wecker klingelte um sieben und ich machte  mich zum Aufbruch bereit. Das Wetter hätte nicht besser sein können und Fortuna blibe mir hold.
Da die Meisten den Bus zum Anfang des Shiratani Tracks nehmen, entschloss ich mich aus Trotz und aus Gründen des geldsparens einen anderen Weg zu nehmen, der Straße gute 3 km Richtung Anbo folgend und letztlich von Normalnull auf 800 Höhenmeter aufzusteigen. Verglichen mit der halbstündigen Busfahrt hat es mich gute 3,5 Stunden gekostet zum Anfang des Shiratani zu gelangen.

Ab dem Punkt wo die Straße aufhörte (etwa halbe Strecke) war der Weg auch gar nicht mehr so einfach. Meine 27 kg auf dem Rücken taten ihr übriges als ich über Stock und Stein den Berg hinaufstolperte.
Der Weg war sehr gut markiert, jedoch nicht in Stand gehalten und glich zu weiten Teilen eher einem ausgetrockneten Bachbett. So gesehen war es gut, da der Weg nicht viel belaufen ist, da ich auch auf unausgetretenen Pfaden wandeln wollte. Ich traf lediglich ein jap. Ehepar auf dem Track.
Ferner ging es durch, oder über, Flüsse die echt schwierig waren trockenen Fußes zu überqueren. Mit etwas Geschick und ein wenig Wagemut ging jedoch alles glatt. Zwischendurch machte ich noch Bekanntschaft mit einem Blutegel, den ich jedoch schleunigst auf seinen Posten zurück verwies!
Obwohl es im Wald recht angenehm war und die Bäume mich vor der Sonne schützten, schwitzte ich dennoch unglaublich viel, sodass meine 2L Wasservorräte schnell zur Neige gingen, was jedoch kein Problem darstellte, da es etliche Flüsse und Bäche gibt, die einen mit ausreichend Frischwasser versorgen.

Auf dem Shiratani dann angekommen merkte ich erst wie überlaufen der Track eigentlich ist. Ganze Scharen von älteren Menschen, teilweise mit Führern, kamen mir entgegen, sodass ich mir den Mund fusselig konnichiwate! Dafür waren alle sehr nett und fanden meinen Bart unglaublich cool, und damit kann man immer bei mir punkten ;D.
Als ich dann mein zweites Etappenziel, die Shiratani-Hütte, erreicht hatte, war es etwa halb 1. Der Track selbst ist leicht zu laufen und man kommt an vielen interessanten Sehenswürdigkeiten vorbei. Erste riesige Zedern säumten meinen Weg, sowie ein ästhetischer Wasserfall. Als ich an der Hütte rastete, spielte ich bereits mit dem Gedanken dort zu nächtigen, obwohl mein eigentliches Ziel noch gute 4h entfernt lag. Jedoch gab es 2 Dinge die dem widersprachen. Der immense Pissgestank dort (die Klos sind im Haus integriert und ohne Türen, im Prinzip kann man behaupten der Betonkasten sei ein einziges großes Scheißhaus, Achtung, Wortwitz :D), sowie, dass ich noch zu viel Zeit übrig hatte bevor es dunkel würde und mein Ehrgeiz nicht aufgeben zu wollen mich weiterzog. Schließlich gab es nichts was dem entgegensprach, ausser dem inneren Schweinehund! Da ich wusste dass die nächste Hütte erst 2013 neugebaut wurde, stellte ich mein inneres Schwein mit der Aussicht auf eine weitaus bessere Absteige ruhig.

Weiter gings also, erstmal ein gutes Stück bergauf bis zum Gipfel, was noch ein Teil des Shiratanis war und dementsprechend noch viele Tageswanderer meinen Weg kreuzten. Danach ging es für etwa 1 Stunde relativ steil bergab bis ich auf Gleise stiegt, die mittig mit Holzbrettern ausgelegt wurden, sodass man darauf  gehen konnte. Für die nächste Stunde würde es auf gleicher Höhe vorwärts gehen, was da Wandern zu einer angenehmen Sache macht.
Am nächsten Zielpunkt angelangt musste erstmal eine ausgedehnte Rast eingelegt werden, denn was danach kommen würde war hart. Über 1,5 h lang bergauf, auf Treppen die mitunter sehr steil standen. Ab dort begann die Tortur und regelmäßige Krämpfe machten sich in den Beinen breit, sodass ich diese aussitzen musste und nur sehr langsam vorankam. Dazu kam, dass ich ohne unterlass schwitzte und mir das salzhaltige Wasser in die Augen lief.
Es war alles andere als schön. Ich wollte nur noch ankommen und zog meinen Kadaver die Treppen hoch. An ‚Wilsons Stump‘ angekommen (ein sehr berühmter hohler Zedernstumpen mit einem Umfang von 13,8 m und einer Herzform, sowie einen kleinen Schrein im Inneren), hatte ich nicht mal Lust Bilder zu machen. Ich ging weiter und jeder wietere große und hohle Baumstamm (und davon gab es viele), weckte das Verlangen in mir doch dort drunter zu nächtigen. Unter den Meisten hätte ich ausgestreckt hereingepasst.
Dennoch war mein Ehrgeiz nicht erloschen und trotz der minütig auftretenden Krämpfe hielt ich durch. An dieser Stelle sei noch gesagt, dass Cranberries (Kaliumträger) einen scheiß gegen Krämpfe helfen! Hatte mir extra 2 große Packen eingekauft. Schmecken tun sie immerhin^^.
Mein nächstes Etappenziel war die Jomon Sugi, welche nur gute 8 Minuten von meinem Tagesziel entfernt lag. Sugi (杉) ist das japanische Wort für Zeder und diese hat die Besonderheit als eine der ältesten zu gelten. Auf zwischen 2.000 und 7.200 Jahren wird sie geschätzt, was schon echt beeindruckend ist.
Seit einiger Zeit lief ich dann auch durch Wolken, was den Wald um mich herum einen mythischen Charakter verlieh. Fast so, als wäre ich im Anime Mushishi oder Prinzessin Mononoke unterwegs. Für letzteres hat Miyazaki übrigens seine Inspiration vom Shiratani Wald, weshalb er umgangssprachlich auch als Mononoke Hime mori (jap. Titel, Prinzessin Mononoke Wald) gilt. Gute 8 Minuten später bin ich dann völlig entkräftet an der Hütte angekommen und musste entdecken, dass es hier kein Wasser gibt… Demnach musste ich meine Flasche nehmen und zur Jomon Sugi zurück; natürlich ohne Gepäck! Dafür konnte ich mich danach lang legen, während die Nach den Tag ablöste. Glück gehabt, dass ich doch noch vor Einbruch der Dunkelheit ankam^^. Zu Essen gemacht habe ich mir nichts mehr, da ich einfach nur fertig war und sowieso keinen Hunger verspürte, obgleich ich mich den ganzen Tag nur von Cranberries und einer Bananae ernährt habe^^.

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