07 Wwofing

Sonntag, der 1. Mai 2016

Nachdem ich Kumamoto-City besucht habe, nahm ich mir vor wwoofen zu gehen, um nicht nur japanisch besser praktizieren zu können, sondern auch um in die japanische Kultur einzutauchen und richtige japanische Küche zu kosten.

Für jene die mit dem Prinzip des wwoofens noch nicht so vertraut sind hier eine kurze Beschreibung. Wwoofen ist eine Abkürzung und steht für „worldwide opportunites on organic farms“, also das Arbeiten auf Farmen um es kurz zu machen. Das kann jedoch auch auf andere Bereiche angewandt werden. Jedoch ist das Arbeit ohne Bezahlung, sondern prinzipiell gegen Kost und Logis. Für gewöhnlich arbeitet man etwa 6h am Tag, hängt natürlich auch vom Gastgeber ab, aber es sollte kein Vollzeitjob werden. In Neuseeland habe ich in Hostels gegen Logis für zwei Stunden am Tag gearbeitet. Wozu das ganze also, wenn man kein Geld bekommt? Um eben dieses zu sparen^^. Sowie aus den bereits oben genannten Gründen.

Ich habe mich übrigens schon kurz vor dem Abflug nach Fukuoka auf der jap. Wwoofing-Webseite registriert was 5.000 Yen (gute 40 Euro) Jahresmitgliedschaft kostet. Die Seite ist zwar vom Aufbau her recht elementarisch und langweilig aber man findet sich durch, da es auch qualitativ hochwertige englische Übersetzungen gibt. Das Ganze ist dann schon recht International ausgelegt.
So habe ich einige Anfragen an Hosts in der Kumamoto Präfektur gestellt, und bekam beim dritten Anlauf eine Zusage. Übrigens sind die meisten Hosts um Mt. Aso herum angesiedelt, wahrscheinlich mit, die schönste Region rund um die Kumamoto Präfektur. So auch meine Hosts, welche jedoch gute 30 km nördlich vom Aso leben, nahe der Kleinstadt Oguni (小国).

Dachte ich anfangs noch, dass es sich um eine klassische Farm handeln würde (wofür wwoofing ursprünglich auch gedacht war), entpuppte es sich jedoch schnell als ein Spa. Die Familie bei der ich unterkam sind also Besitzer einiger Onsen und Gasthäuser, was natürlich auch seinen Reiz hat :D. So komme ich schon recht früh (und umsonst!) in den Genuss der trad. Japanischen Badekultur! Da ich der einzige Wwoofer hier bin, habe ich auch mein eigenes kleines Gästehäuschen, was aber von vornherein als ‚Staff room‘ vorgesehen war. Jeden Abend zudem auch mein eigenes kleines Onsen, was nicht nur körperlich entspannend ist, sondern auch durch den Anblick der im Frühling erblühenden Kirschblüten seelische Ruhe verspricht. Dazu noch das Frühlingsgezwitscher und das Rauschen des Flusses. Idylle pur!
Das Spa liegt in der Nähe des Waita-san (わいた山) und nennt sich Kinkonkan (きんこんかん) am Yamakawa-Onsen (山川温泉). Umringt sind wir von Zedernwäldern an steilen Berghängen und ein Fluss fließt aus den Bergen hinunter ins Tal. Außer Onsen (温泉) und Ryokans (旅館) ist hier nichts weiter, was das Leben hier zu einer sehr ruhigen und entspannten Sache macht =).

Ferner sei gesagt, dass meine Gastgeber (beide in ihren 60ern), unglaublich nette und ruhig/gechillte Leute sind! Selten solch harmonische Leute getroffen die zudem auch offen gegenüber Ausländern sind die ihre Sprache nicht sonderlich gut sprechen und auch nicht müde werden, von selbst ein paar Vokabeln/Phrasen zu lehren. Was deren Englischkenntnisse angeht, so sind diese vermutlich auf einem leicht geringeren Niveau als meine Japanischkenntnisse. Die Grundkommunikation steht, jedoch, alles was darüber hinaus geht, nicht^^. Heißt, ich bin aktiv gefordert auch japanisch anzuwenden, was natürlich positiv ist. Irgendwie konnten wir uns immer verständigen.  Ich würde sagen, dass rund 90% unserer Konversationen in Japanisch ablaufen. Dies hat verständlicherweise mein Hörvermögen gesteigert, sodass ich sogar schon bei normaler Geschwindigkeit der redenden hinterherkomme, auch wenn ich noch viel nachdenken muss um das im Kopf dann zu übersetzen, bzw. zu deuten was es bedeuten könnte. Auch durch die Routine kommen gewisse Sätze/Wörter weitaus flüssiger als vor einiger Zeit noch. Dahingehend war der Aufenthalt schon mal lohnend. Natürlich habe ich auch nebenbei immer wieder neue und alte Vokabeln gelernt und auch schreiben geübt, um die neugelernten Wörter dann auch aktiv in Gesprächen anzuwenden. Ferner werde ich auch berichtigt, wenn ich entweder was falsch sage, oder etwas hätte besser/anders ausdrücken können.
Kommen wir mal zu der Arbeit die zu verrichten war, dem Kernstück der ganzen Angelegenheit. Sie stellte sich als vielfältig heraus. In den ersten Tagen machten wir uns ans Zimmern einer Treppe die einen kleinen Hang hochgeht und 19 Stufen fasst. Sie besteht aus zwei geschälten Zedernstämmen und Betonstufen, die mein Host und ich zusammengebaut haben. Ich bin immer für praktische Arbeit zu haben, erst recht wenn es um Holzarbeiten geht.

Arbeit habe ich übrigens so gut wie nie allein gemacht, sondern immer mit einem der beiden, meistens mit dem Herrn des Hauses. Ferner haben sie Hasen und etliche Hühner die etwas ungewöhnlich aussehen und Ukokke (うこっけ) heißen. Laut meinem Host legt ein Huhn nur etwa 40 Eier im Jahr und in Tokyo kann man bis zu 700 Yen (rund 5,60€) für ein Ei bekommen! Schmeckt ehrlich gesagt genauso wie herkömmliche Eier, aber der sind etwas länglicher in der Form. Der Name macht es^^.  Also musste man natürlich auch ab und an mal den Stall ausmisten und neu belegen, was dann auch eine der Aufgaben war. Weitere beliefen sich auf Sturmschäden reparieren (zwei Mal gab es hier ordentlich Wind), gelegentlich beim Säubern der Onsen/Gästehäuser helfen und z.B. auch Fenster putzen, oder auch einen Anbau an einen Schuppen setzen und auch beim Fällen von Bäumen und Brennholz machen helfen. Offiziell habe ich keine freien Tage, also quasi 7 Tage die Woche Arbeit, jedoch, wenn Regen dazwischenkommt und keine Arbeit anfällt, dann können wir auch schon mal nach Kumamoto-Stadt fahren um einzukaufen, oder aber in sein Büro wo er dann arbeitet und ich ans Internet kann. In meinem Gasthaus gibt es leider kein Netz, weshalb ich entweder nur bei ihnen zuhause ans Internet kann (was sie auch bereitwillig unterstützen), oder eben bei ihm im Büro.
Insgesamt sind sie mit meiner Arbeit zufrieden und mir macht es auch spaß. Während meiner ersten zwei Wochen hier habe ich zudem nach einem Job gesucht und im Internet eine Anzeige gefunden, bei der ich meinem Host fragte ob er das entsprechende Ryokan kennen würde. Ich wäre Putze dort gewesen, hätte aber im Monat rund 1000 Euro bekommen. Jedenfalls überraschte er mich ein paar Tage später mit einem seiner Freunde der mich zu einem anderen Ryokan fuhr (Kurokawa-Onsen) und mir dort einen Job anbot, da wir das ursprüngliche Ryokan weder im Netz fanden noch irgendwer dieses kannte. So war ich perplex, da ich von seinen ‚Machenschaften‘ im Hintergrund auch gar nichts wusste und nicht damit rechnete^^. Deshalb hatte ich auch keine Zeit mich seelisch und moralisch auf ein anstehendes Vorstellungsgespräch vorzubereiten. Nein, geradezu ins Eiskalte Wasser geschmissen hab ich so gut wie gar nichts verstanden :D. Deren Englisch war mal noch rudimentärer als das meiner Hosts^^. Aber letztlich wurde ich wundersamerweise doch genommen. Ich nehme an, dass Putzen eine schwer zu findende Berufsgruppe sind^^. Jedenfalls hätte ich im Ryokan Fumoto anfangen können und für 680 Yen die Stunde putzen können, was aufsummiert auf etwa 950 Euro im Monat gekommen wäre. Für zwei Monate hätte ich mich verpflichtet und meinen Knackarsch dann Richtung Tokyo getragen um meine Studienkollegin abzuholen. Dann hätte ich genug Knete um sie für die nächste Zeit auf den Kopf zu hauen :D. Hach war ich glücklich zu der Zeit. Nicht nur hatte ich unerwarteter Weise einen Job bekommen, sondern konnte ich auch mein japanisch damit noch verbessern und würde meine Zeit sinnvoll verbringen. In dem Moment war ich meinen Hosts unglaublich dankbar, dass sie mir so behilflich waren!

Allerdings kam kurze Zeit später die Erdbebenserie dazwischen, was die Pläne zunichtemachte. Ironie des Schicksals nenne ich das. Zwar wurde Kurokawa Onsen nur leicht von den Erdbeben getroffen, sodass es ein paar Dächer abgedeckt hat, aber den Hauptverkehrsknotenpunkt, Kumamoto-Stadt, hat es ordentlich durchgerüttelt, was auch zu starken Einschränkungen im öffentlichen Verkehr führte. Dies und auch die Gefahr von Nachbeben, veranlasste 99% der Spa Betreiber dann vorübergehend dicht zu machen, drei Tage bevor ich anfangen hätte sollen, und kurz vor der Golden Week in Japan, welche traditionell eine umsatzreiche Zeit für sie ist. Naja, man muss Feste feiern wie sie fallen, also entschloss ich mich für weitere zwei Wochen bei meinem Host zu bleiben. Zum einen weil ich zu dem Zeitpunkt nicht genau wusste wie ich weitermachen soll und zum anderen, weil ich hoffte, dass sie vielleicht innerhalb der folgenden zwei Wochen doch noch wieder öffnen würden und ich dann mit etwas Verzögerung meinen Dienst beginnen könnte. Letzteres entpuppte sich jedoch als falsche Hoffnung. Bis zum jetzigen Tage hat sich nichts getan, sodass ich die Entscheidung traf weiterzuziehen, woanders mein Glück zu versuchen, oder einfach erst einmal zu Reisen und meine finanziellen Reserven zu verpulvern^^. Glücklicherweise kommt jetzt ein japanischer Freund aus Yokohama nach Kumamoto-Stadt für 2-3 Wochen. Heißt ich werde mich mit ihm treffen, ein wenig in der Landschaft rumgurken und dann letztlich nach Kagoshima fahren, wo ich schon seit langem hinwollte! Anschließend wird’s wohl Richtung Beppu gehen und von da aus zurück nach Kumamoto um die Fähre zum Mt. Unzen zu nehmen und anschließend nach Nagasaki zu fahren. Danach habe ich eine sichere Couch in Karatsu (was in der nördlichen Saga Präfektur liegt). Soviel zu den derzeitigen Plänen.

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Natürlich hoffe ich zwischendrin doch noch einen bezahlten Job zu erlangen. Ansonsten werde ich nach Karatsu Richtung Shikoku aufbrechen und die zweite der vier Hauptinseln Japans bereisen, bis ich dann Anfang Juli nach Tokyo gehe.

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