06 Erdbebenserie 14. bis 16. April

Samstag, der 16. April 2016

01 Einleitung:

Seit nunmehr drei Tagen bestimmen zahlreiche Erdbeben das Leben der Menschen hier in Kumamoto und Kyushu im generellen. Ich bin bereits auf der Hauptseite des Blogs etwas darauf eingegangen,  möchte aber an dieser Stelle noch genauer darüber berichten und zudem auch einige Bilder dazu anhängen. Es begann alles am Abend des 14. Aprils um 21:26 Uhr Ortszeit. Zu der Zeit war ich gerade draussen und genoß den ruhigen und
sternenklaren Abendhimmel. Plötzlich begannen dann die Holzhäuser hinter mir derbe zu knacken bzw. Geräusche zu machen als würde Holz mit hohem Druck gegeneinander verschoben werden und kurz darauf spürte ich dann deutliche Vibrationen im Boden, die sich mehr oder weniger wellenartig anfühlten. Das Spektakel dauerte gute 6 Sekunden und war mein erstes Erdbeben auf japanischen Boden und das obwohl es traditionell in Kyushu gar nicht soviele gebt. Honshu ist aufgrund der Plattentektonik viel prädestinierter dafür.

02 Die Erdbeben und deren Folgen:

Großtektonisch gesehen, ist Kyushu nicht direkt an den großen Platten angrenzend, jedoch gibts innerhalb Kyushus selbst einige Spannungszentren die dann auch zu den jetzt auftretenden Erdbeben führten. Insgesamt ziehen sich die Erdbebenherde von Kumamoto
City ausgehend in einer nahezu gerade Linie nach Nordosten in Richtun Beppu, quer durch die Insel hindurch.
Als das erste Erdbeben am Donnerstag auftrat und ich die News im TV sah, dachte ich zuerst es sei der Aso, welcher die Erdbeben durch aufsteigendes Magma verursacht. Jedoch musste ich dann am nächsten Tag feststellen, dass der Maßstab der im TV benutzten Karte zu klein war, als dass man das genau hätte bestimmen können. Faktisch lag das Epizentrum leicht NW von Kumamoto City und sorgte für einige – im Vergleich eher leichte – Zerstörungen. Darunter wurde das Kumamoto Castle ordentlich in
Mitleidenschaft gezogen, einige Mauern stürzten ein und die Dächer der Burganlagen, hats teilweise abgedeckt. Ferner gab es einige Sachschäden in Geschäften und kapputte Häuser. Zu dem Zeitpunkt kann man sagen, ist man nochmal mit einem blauen Auge davon
gekommen. Die Magnitude wird mit M6.2 (Quelle USGS.com) bzw. M7 (jap. TV) angegeben.

Als ich am 15. April mit meinem Host in Kumamoto war (Familie von ihm lebt dort), waren wir dennoch überrascht, dass Großteile der Stadt zumindest von aussen her gesehen unverschont geblieben sind. Auffällig war hingegen, dass die meisten Geschäfte geschlossen waren, was vermutlich der Sicherheit und Schutz vor Nachbeben dient, die auch weiterhin in regelmäßigen Abständen auftauchten.
Die Erdbebenserie forderte 9 Tote und zahlreiche Verletzte bis zu diesem Zeitpunkt. Das Wasser für einen Großteil der Stadt viel aus, sodass das Militär mit Wassertanks und auch Essen eingriff um die Bevölkerung zu versorgen. Aufgrund dessen nahmen wir die Familie meines Gastgebers mit zu uns zum Onsen. Hier, war alles in Ordnung, auch wenn es immer wieder kräftig rumst und man deutlich die Erdbeben spüren kann und einen aus den Träumen reissen.

Immer wieder Beben in der Nacht. Ab 9 sind Wada-san und ich uns Schäden anschauen gefahren und dabei auch nach Aso City gefahren. Dort selbst gab es sehr viele Schäden und das Militär half aus. Zusätzlich zu leichten Schäden, wurden auch viele Häuser und ein großer Tempel komplett zerstört. Die Straßen sind teilweise nicht befahrbar und durch umgestürzte Bäume/Hangrutschungen versperrt oder aber so durch das Erdbeben in Mitleidenschaft gezogen worden, dass die Risse zu groß sind. In der Kaldera selbst, sind die Straßen weitestgehend demoliert. Teils hat das Erdbeben rechteckige Stücken aus dem
Asphalt „herausgeschnitten“ und sie wie einen Teppich gefaltet und gegeinander aufgestellt, was mitunter 20 bis 30 cm betragen kann. Neben Kumamoto-City ist nun auch Aso-City, sowohl vom Wasser, als auch vom Strom abgeschnitten. Dazu kommt noch
dass die Rauchwolke vom Aso selbst in die Stadt hineinzieht, was vermutlich mit Druckänderungen der Atmosphäre zu tun hat.
Wir erwarten für die Nacht auf den 17. April heftigste Regenschauer und Sturm die von WSW über das Land ziehen werden und die ohnehin schon instabilen Hängen, vermutlich weiter in Mitleidenschaft ziehen. Da viele Häuser zerstört sind, kein Strom und kein Wasser in den Leitungen vorhanden ist, wird die Nacht sehr schwer für die Menschen. Das Militär hilft wo es kann und ist im Dauereinsatz, sei es zu Räumungszwecken, oder um Wasser und Essen auszugeben. n der Nacht zum 16. April dann, kam es nochmal zu einem deutlichen Rums der mich morgens um halb zwei aus den Schlaf riss und dafür sorgte dass Teile meiner Einrichtung nicht an ihrem bisherigen Platz blieben. Dinge fielen von den Regalen, so ging eine Reisschale entwzei und alle Tassen hatte ich auch nicht mehr im Schrank^^.
Da es das bis dato heftigste Beben war verspürte ich eine leichte Panik die mich dazu antrieb das Haus zu verlassen, jedoch merkte ich, dass der Strom ausgefallen war. Die Erde kam gar nicht mehr zur Ruhe und innerhalb einer halben Stunde gab es weniegr Bebenpausen als es eigentlich rumste. Zwar schwankte die Intensität aber wirklich Ruhe kam dann erstmal nicht mehr rein. Die Dauer des ersten heftigen Bebens betruf gute 12 Sekunden.
Dies ließ den Schluss zu, dass es zwei Möglichkeiten dafür gäbe. Zum einen dass der Erdbebenherd ein anderer war als zuvor und es diesmal näher an meinem Standpunkt zum Beben kam, oder aber dass es der gleiche Erdbebenherd wie zuvor war, jedoch die Magnitude eine Stufe höher anzusetzen war, was heisst das Kumamoto noch mehr Schaden erlitten hätte. Nach gute 15 Minuten kehrte der Strom zurück und ich schaltete den Fernseher ein um mir ein Bild der Lage zu machen. Und tatsächlich war es ein anderer Erdbebenherd weiter NE vom ursprünglichen. Die Stärke war etwa dieselbe, aber trat auf weiterer Ebene stärker auf.
Wir blieben glücklicherweise von Schaden verschont, fuhren dann aber nach Aso City um eine Besorgung zu machen. Auf dem Weg dahin sahen wir dann schon einige Auswüchse der letzten Nacht und der letzten Tage im Allgemeinen. Straßen hatten teils heftige Risse,
und/oder waren unbefahrbar durch herabgestürzte Bäume oder Hangrutschungen. Zwei der Wege die in die Kaldera hineinführten waren demnach nicht brauchbar. Dennoch unten angekommen, fanden wir mehr und mehr Militär vor Ort, die an eingestürzten Häusern halfen und auch mit Wasser die Menschen versorgten. Letztlich ist sowohl in Kumamoto, als auch in Aso-City die Wasserversorgung und die Elektrizität ausgefallen. Gerde im NW Hang der Kaldera sind besonders auch die Hauseinstürze gehäuft aufgetreten. Augenfällig war, dass niemand zu verzweifeln schien und erst recht keine Anzeichen von Panik auszumachen war. Auf den Straßen fuhr jeder entsprechend vorsichtig nur ging alles ein wenig langsamer voran. Das ist dann wohl die japanische Art mit Schwierigkeiten und Unglücken umzugehen. Kann man echt nur bewundern.

Der Asphalt hat überall Risse und wurde vom Erdbeben teils in rechteckigen Bereichen „herausgeschnitten“ und wie ein Teppich auch gefaltet und bis auf 30 cm Höhe aufgetürmt, abgelöst vom Untergrund. Interessant war auch der Aso selbst. Für gewöhnlich geht die Rauchwolke die er ausstößt in die Höhe, aber diesmal ging sie in die Stadt hinein, was vermutlich mit dem Wechsel im Wetter zusammenhängt. Bis jetzt sind die Erdbeben schwächer geworden, aber immer noch fester Bestandteil des Alltags.

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03 Geoloischer Hintergrund:

Laut USGS sei eine Transformstörung für die Beben verantwortlich welche sich nicht stringent durch die Insel zieht. Die Erdbeben sind in einer geringen Tiefe von gut 10 km aufgetreten. Hier gibts ne Zusammenfassung von eben genannter Quelle.