02 Geburtstag auf dem Fuji (富士山)

Sonntag, der 7. August 2016

Schon bevor ich nach Japan kam, hatte ich mir mit einem japanischen Freund ausgemacht am 6. August den Sonnenaufgang auf dem Mt. Fuji zu sehen, da dies mein Geburtstagsmorgen ist. Zusammen wollten wir uns am 5. zum Aufstieg aufmachen, und traditionell über Nacht den Gipfel erklimmen um dann pünktlich um 5 Uhr morgens auf 3.776 m den neuen Tag zu begrüßen!
Eins vorweg, ich bin bei weitem kein Bergsteiger und werde es auch nie werden. Ich komme ausm Flachland und der nächste Berg (den man wirklich so nennen kann) liegt 400 km südlich von meinem Heimatsort^^. Daher bin ich Bergsteigen nicht gewohnt, bin aber gerne in der Nähe von Bergen, einfach weil ich es sonst nicht habe. Mt. Fuji markiert demnach den höchsten Berg den ich je in Angriff genommen habe. Davor habe ich nur einen Berg aus eigener Kraft erklommen und das war der Miyanoura Dake auf Yakushima (hier der Beitrag dazu). 1.936 m vom Meeresniveau ausgehend, mit 27 kg zu Beginn auf dem Rücken. Der Fuji war nun aber gute 1.800 Meter höher, als der Miyanoura Dake und selbst wenn ich von 1.440 m an hinaufgehen würde, wären es Netto immer noch 2.336 m die zu erklimmen wären, was wiederum auch in Netto Metern die höchste Wanderung für mich ausmacht. Aber der Reihe nach.

Part I – Planung

Vor drei Wochen sah es noch ganz so aus, als würde ich vorzeitig zurückkehren müssen, da die langanhaltende, fruchtlose Jobsuche ihre Tribute forderte. Daher begann die Planung erst wirklich eine Woche vor geplantem Aufstieg, als ich einen festen Arbeitsplatz hatte. Letztes Hindernis wäre gewesen, dass mich mein Arbeitgeber (nach gerade mal 1,5 Wochen Beschäftigung, nicht den Freitag und Samstag frei gegeben hätte, darum sprach ich das Thema gleich beim Einstellungsgespräch an. Sicher, sollte man alles andere tun als Forderungen zu stellen, wenn man sich um einen Job bewirbt^^, erst recht um einen Alles oder nichts Job, der über meine weitere Zukunft in Japan entscheide; aber ich habe es als Frage/Bitte formuliert und ihm zugesichert, dass ich danach bis zum 10/10 jeden Tag arbeiten kann. Und auch ohne das, hätte er mir die Zeit gegeben, fand ich große klasse!

Von da an ging es dann langsam los. Ich fragte also bei meinem jap. Freund an, der mitkommen wollte, wie es aussieht, jedoch hatte er selbst gerade nach einigen Monaten einen Job gefunden, muss dafür aber genau in der Woche nach Fukuoka umziehen, wo auch unsere Tour anstehen sollte. Dadam, Pech gehabt, so wurde es also eine Solotour^^.
Da das Datum für den Aufstieg seit Monaten fest stand, und ein Geburtstag sich nunmal nicht verschieben läßt, war die einzige verbliebene Variable das Wetter. Ein Blick auf die Wettervorhersage ließ mich jedoch aufatmen, dazu mal folgende zwei Bilder.

Wettervorhersage Fuji IIWettervorhersage Fuji

Ich bin zwar der letzte der einem Wetterbericht traut, aber das war schon zu schön um wahr zu sein^^. Zwar verschob sich alles noch zum schlechteren, je näher der Tag kam, aber letztlich hat mich das nicht abgeschreckt.
Das nun also auch geklärt ging es an die Frage, welche Route man nehmen soll. Es gibt insgesamt 4 Routen, aus verschiedenen Richtungen. Die gängigste (vor allem für Leute aus Tokyo kommend) ist die über Kawaguchiko (wo ich 2013 bereits gewesen bin, siehe hier). Anders gesagt, ist es wohl genau diese Route die am überlaufensten sein wird, also ein no-Go für mich. Bleiben noch 3 weitere. Die Fujinomiya, Subarashi und Gotemba Route. Alle starten an der jeweiligen 5ten Station, nur liegen alle auf einer andere Höhe. Die Fujinomiya Route liegt dabei am höchsten mit 2.400 m und ist somit am nähsten dem Krater gelegen. Nachfolgend, auf 2.300 m, ist die 5te Station des Yoshida Route (von Kawaguchiko ausgehend), die 5te Station des Subarashi Tracks liegt auf 2.000 m und letztlich die Gotemba Route auf lediglich 1.440 m Höhe. Am meisten zu laufen hat man also auf letzterer Route, wenn man dann noch liest, dass es auch jene Route mit den wenigsten Besuchern ist, dann kann man davon ausgehen, dass ich eben diese Route nehmen würde^^. Alle 5ten Stationen sind übrigens per Bus erreichbar und bilden das Ende, der Strassen. Jedem der sich mehr Infos über die verschiedenen Tracks und allem weiteren besorgen möchte, dem emfpehle ich (im generellen für alles über Japan) Japan-guide.com und im speziellen diese Seite, selbst Busfahrpläne und Informationen zum Transport habe ich dort gefunden. Wo wir auch schon beim nächsten Punkt sind. Der Transport. Von Tokyo ausgehend bin ich mit der Odakyu Line 80 Minuten lang nach Shin-Matsuda (新松田) für 780 Yen gefahren und von Matsuda (松田) aus (Der Bahnhof Shin Matsuda liegt nur gute 50 m vom Matsuda Bahnhof entfernt und ist gut ausgeschildert) für 500 Yen und gute 30 Minuten nach Gotemba (御殿場), von wo aus man dann den Shuttle Bus nehmen kann für 1.540 Yen Hin- und Rückfahrt zusammen oder 1.100 Yen für eine einzelne Fahrt. Insgesamt also durchaus billig, dabei weggekommen. Weitere Kosten fielen dafür auch nicht an.
Wer japanisch kann und die richtigen Webseiten findet, kann sich auch in eine der Berghütten einchecken, für stolze 7.500 Yen die Nacht, allerdings inklusive zwei Mahlzeiten und Dorm-Bett^^. Man muss jedoch vorher reservieren und kann nicht mal eben beim aufsteigen ein Bett buchen. Hab ich natürlich nicht gemacht.

Part II – Aufstieg

Ich war zwar schon gegen 14 Uhr in Gotemba angekommen, aber da der Sonnenaufgang erst um 5 Uhr zu erwarten war, und der Aufstieg zwischen 7 und 10 h dauern sollte, wäre es derzeit noch zu früh gewesen zur 5ten Station zu fahren, weshalb ich mich dazu entschloss den letzten Bus um 16:40 Uhr zu nehmen und dann ab 17:30 Uhr aufzusteigen. Heißt ich hatte noch Gelegenheit mich ein wenig in Gotemba umzusehen, was nicht besonders exessiv betrieben wurde. Dennoch genügend Zeit um mir zwei kleine Törtchen zu kaufen für mein Geburtstagsbild, hehe.
Ich muss auch dazu sagen, dass ich noch während ich in Tokyo war, durchaus aufgeregt an die Sache heranging, was sonst nicht so kennzeichnend ist für mich. Leicht zittrig war ich ebenso, was wohl auf Vorfreude zurückzuführen ist^^. Umso mehr dann als es in den Bus ging und ich voll hoher Erwartungen zur 5ten Station fuhr. Dort angekommen, machte ich meinen Körper noch ein wenig auf die kommenden Strapazen bereit und zog dann so langsam los. Mein Gepäck war übrigens auf nur das allernötigste reduziert. Noch so ein Aufstieg wie auf Yakushima würde ich nicht überstehen. Daher waren lediglich zwei Pullis enthalten, was zu essen, und trinken (nehmt euch mind. 2 Liter, besser aber 3 mit!), einen Schal und mein Schlafsack, sowie Regensachen, für den Fall der Fälle. Kamera natürlich auch. Der Temperaturunterschied zwischen dem Gipfel vom Fuji und Meeresniveau kann mehr als 20 Grad betragen, sodass es auch zu Frost oben auf kommen kann, selbst im Sommer. Untershätzt niemals die Kälte dort oben, das ist ne ganz andere als unten. Die größte Gefahr, neben Unterkühlung ist jedoch auch die Höhenkrankheit, die in der Regel ab 2.500 m zur Gefahr wird. Es wird auch am Anfang des Tracks deutlichst davor gewarnt den Berg hochzuhetzen, sondern seinen Körper langsam an die immer dünner werdende Luft zu gewöhnen. In der Regel schafft man den kompletten Aufstieg ohne extra Sauerstoffflaschen. Es gab nur wenige die welche dabei hatten und nur einen den ich gesehen habe, der wirklich arg zu kämpfen hatte und extrem ausgepowert und mit Kopfschmerzen und schwerem Magen oben ankam. Wenn man generell fit ist und auf die Zeichen achtet, stellt das kein Problem dar. Was mich auch erstaunte, war die Anzhal der Kinder die dort mit hinaufstiegen. Nicht nur Jugendliche, sondern auch zwischen 6 und 10 jährige. Zudem schienen sie es ohne große Mühe anzugehen, während ich mir – vorallem in den höheren Lagen – einen abgehechelt habe. Da war ich echt beeindruckt, und habe da vielleicht auch die jüngere Generation stark unterschätzt.
Zurück zum Text. Der Berg selbst war in Wolken gehüllt (so wie fast immer), während das Wetter in Gotemba bombig war, auch von der 5ten Station aus hat man nichts gesehen, da man direkt in den Wolken war. Bis zur 7ten Station ist der Aufstieg durch ein reines Aschefeld gekennzeichnet, zumindest wird es so auf japan-guide bezeichnet, geologisch ist es jedoch eher ein Lapilli-Feld (prinzipiell ne Korngrößendefinition, Asche sind Partikel unter 2 mm, Lapilli zwischen 2 und 64 mm), was sich scheiße hochläuft, da man nichts festes unter den Füßen hat. Man möge sich eine riesige Sanddüne vorstellen die es hochzulaufen gilt, das kommt dem am nähesten. Zuerst ist es natürlich recht flach und in den Wolken selbst hat man keinerlei Sicht, teils nur auf 10 m begrenzt. Der Weg ist zwar deutlich (wenn auch nur sporadisch an den Seiten mit Leinen markiert, aber sobald es dunkel wird und man noch in der Wolke steckt, ist es selbst mit Lampe nicht immer eineindeutig. Glücklicherweise kam ich, genau als ich bei 2.000 m angekommen war, aus den Wolken raus; und ein extrem schöner Ausblick hat sich mir offenbart.

Nicht nur, hat sich die Spitze des Fuji gezeigt, welche von dort aus recht nah aussah^^, sondern auch die Wolken unter mir, haben eine fantastische Form gezeigt. Wie eine große Decke die den Fuß des Berges einhüllt. Aber so schnell sich die Wolken verzogen hatten, so schnell haben sie mich auch wieder eingehüllt, als der Wind drehte. Was mich vorallem aber beim Anbeginn des Aufstiegs bereits faszinierte war die Stille. Ich würde es als absolute Stille bezeichnen. Nichts rührte sich, nichts bewegte sich, nichts zwitscherte, nicht einmal der Wind wehte sonderlich stark. Zugegeben gab es auch nichts woran er sich hätte reiben können, die Vegation war spärlich und bestand lediglich aus etlichen Disteln und anderen kleinen Gewächsen, die Büschelweise das grau in grau etwas farblich akzentuierten.
Es war so still, dass ich selbst meine Uhr im Rucksack ticken hören konnte. Dennoch war es keine angstmachende Stille, vielmehr eine friedliche/warme Stille. Eine Alte und Tiefe Stille – die Ruhe vor dem Sturm?

Ich nahm mir vor, von der 2.000 m Marke aus langsamer und bedächtiger aufzusteigen, bis dorthin habe ich es in genau 1,5 h geschafft. War also um 7 Uhr Abends dort gewesen und hatte somit noch 10 Stunden bis zum Sonnenaufgang. Nicht nur wegen der Zeit, sondern auch wegen der nun dünner werdenden Luft wollte ich es langsamer angehen lassen. Unter mir entfachten viele bereits ihre Stirnlampen und so zog sich eine lose Schlange an Leuten (deren Anzahl wirklich überschaulich war) entlang des Weges auf zum Ziel ihres Begehrens.
Als ich höher ging und der Ausblick ins Tal klarer wurde, leuchteten auch die verschiedene Städte um den Fuji herum auf und die Sterne wurden zahlreicher je dunkler es wurde. Wahrlich ein schöner Abend! Ich hörte es jedoch auch leicht donnern in der Ferne und Wetterleuchten über dem Gipfel waren für einige Stunden meine steten Begleiter. Innerlich machte ich mich schon auf ein heftiges Gewitter gefasst, jedoch blieb es bei den Drohgebärden und der Himmel blieb insgesamt klar. Je höher ich kam, desto anstrengder wurde es natürlich auch und umso länger schien es sich hinzuziehen. Von unten sah man stets das Licht der 7ten und 8ten Station, aber ohne genaue Entfernungseinschätzung schien es selbst nach einigen Stunden nicht wirklich näher zu kommen, und so wurde es mehr und mehr zur Tortur^^. Als ich auf 2.590 m zur geschlossenen neuen 6ten Station ankam, machte ich erstmal eine Pause. Ich hatte mehr als die Hälfte an Weg zurückgelegt, bis zum Gipfel waren es noch 4,7 km und 1 weiterer Kilometer bis zur 6ten Station (die keine Hütte hatte). Erinnerung an Yakushima wurden wach, wo es in ein Stop and Go mündete und hier häuften sich die Pausen auch immer mehr, sodass der Fortschritt nur schleppend zu verzeichnen war. Ferner hatte ich das extreme Verlangen nach Zucker bzw. zuckerhaltiger Ware! Eigentlich nehme ich sowas immer auf eine Tour mit, nach meinen Erfahrungen in Tadschikistan, aber hier ist mir das irgendwie völlig entgangen bzw. war mir das gar nicht in den Sinn gekommen. Dieses verlangen war fast unerträglich und ich stand kurz davor eine der beiden Törtchen zu verputzen, hab mich dann aber doch noch zusammenreißen können^^.
An der 6ten Station angekommen, auf 2.830 m wurde ich dann zusehends müde und schlapp. Man merkte auch bereits deutlich den Unterschied in der Luft, nicht dass sie sich beim atmen anders angefühlt hätte, aber einfach, dass man extrem schlapp und müde wird sind wohl die deutlichsten Zeichen dafür. Wie gesagt bin ich kein Bergsteiger und komme aus dem Flachland, da nimmt mich das wahrscheinlich mehr mit als andere. Kopfschmerzen hatte ich noch keine, was ein gutes Zeichen war. Da es auch langsam kälter wurde, zog ich mir dann meinen Pullover über und heftete die Beine an meine kurze Hose. Nach einigen weiteren Höhenmeter, war ich so erschöpft, dass ich für 15 Minuten wegdöste als ich eine kurze Rast einlegte. Danach gings noch etwas benommen weiter bis ich nach ner halben Stunde wieder in einen leichten Schlaf verfiel, bei einer weiteren längeren Rast. Ab da wurde mir klar, dass ich erstmal nen Schlafplatz brauchte. Die 7te Station war nicht mehr weit weg und so nahm ich mir vor, dort dann für ein paar Stunden zu rasten und ne Mütze voll schlaf zu kriegen. So habe ich meinen Schlafsack dort hingeschmissen (die Hütte dort war geschlossen, ein paar Meter weiter gabs die bewirtschaftete Hütte, Station 7 punkt irgendwas) und den Wecker auf halb drei gestellt um noch halbwegs eine Chance zu haben den Gipfel zu erreichen. Punkt 12 hab ich die 7te Station übrigens erreicht, heißt, nach 6,5 h auf gut 3.000 m aufgestiegen.
Leider schlief ich nicht wirklich tief, denn es wurde kühler und ich bekam leichte Kopfschmerzen. Als der Wecker dann um halb 3 klingelte, beschloss ich den Krater nicht zu erklimmen, sondern liegen zu bleiben und den Sonnenaufgang von dort aus zu sehen. Ich war zu groggy um jetzt die Strapazen noch auf mich zu nehmen und übertreiben wollte ich es auch nicht.
Morgens um 4:20 Uhr bin ich dann aufgewacht und sah den Tag bereits dämmern, um 5 Uhr sollte die Sonne aufgehen. Von meinem Schlafplatz, waren es noch 5 Minuten bis zur Waraji Hütte, die erste nach der 5ten Station, die bewirtet ist. Einige Leute standen schon versammelt und zückten ihre Handys synchron als die Sonne leicht am Horizont emporstieg. Nach 5 Minuten war das Schauspiel zuende (gemeint sind die Bildermacher) und jeder zog seines Weges. Irgendwie eine Verschwendung stundenlang aufzusteigen und dann nach 5 Minuten Bilder knipsen schon wieder zu gehen. Genau deswegen entschied ich mich auch den Gipfel dennoch zu erklimmen, auch wenn nochmal gute 2,5 Stunden dafür draufgehen würden. Ich bin nun doch neugierig geworden wie es da oben aussieht. Bei den ersten Sonnenstrahlen des Tages, habe ich dann meinen Geburtstagskuchen ausgepackt und zum fotoshooting präpariert. Sind sehr schöne Bilder geworden, einziger Wehrmutstropfen ist jedoch, das das Feuerzeug in der Höhe nicht funktioniert und ich die Kerzen nicht anbekam^^.

Nach einer kurzen Rast, und dem genießen des Panoramas und des wahrlich klaren Himmels über mir, machte ich mich dann auf den Weg nach oben. Von da aus wurde es erst richtig hart. Auf den Bidern mag das alles nicht so schwer aussehen und auch wenn man von einer gewissen Entfernung hochschaut, sieht das alles sehr einfach aus, aber der gesamte Weg den Berg hinauf, geht in einem Zickzack hinauf und die Höhe allein ist schon ein großes Hindernis für das gesamte Unterfangen, ich war nur noch am hecheln und brauchte für eine Strecke die auf gut 90 Minuten angelegt ist, doppelt so lange. Zudem wurde es durch die aufsteigende Sonne wärmer wurde jedoch auch durch aufkommenden Wind etwas abgedämpft. Das einzige was ich nur noch wollte ist ankommen und der Gipfel schien und schien nicht näher kommen zu wollen. Das Wetter war noch immer klasse, nur im Tal tummelten sich mittlerweile dicke weiße Wolken, was die Aussicht etwas minderte. Aber über den Wolken, war es dennoch – trotz, oder gerade wegen der Schwierigkeiten den Berg zu besteigen – ein wirklich interessanter Gefühlsrausch. Mir kam mehrmals das Lied von  Reinhard Mey in den Kopf, namentlich folgende Textzeilen:

Über den Wolken,
muss die Freiheit wohl grenzenlos sein.
Alle Ängste, alle Sorgen,
sagt man;
blieben darunter verborgen,
Und dann,
würde was uns groß und wichtig erscheint,
plötzlich nichtig und klein.

Und wahrlich, war es unglaublich dort oben zu stehen und auf die Wolken hinabzuschauen, auf die man sonst täglich hinaufblickt. Hier oben war man zwar alles andere als frei, aber es hatte dennoch ein sehr erhebenes Gefühl mit sich gebracht.
Nach insgesamt 3 Stunden habe ich dann den Gipfel um 9:30 Uhr erreicht! Völlig kaputt musste ich mich erstmal hinlegen. Übrigens war das Ganze für meine Beine nicht so anstrengend, als vielmehr für meine Psyche und auch den Sauerstoffmangel im Blut. Ursprünglich wollte ich noch die einstündige Kraterumrundung angehen, denn strenggenommen, war dies noch nicht der hächste Punkt des Fujis, wo ich ankam, aber im Angesicht der zurückliegenden Strapazen verzichtete ich und ließ 5e mal gerade sein. Zudem hat sich unterm Fuji eh alles mit Wolken zugezogen was keine großartige Sicht zuließ. Was mich jedoch überraschte war, dass es noch ein paar Tempel auf dem Kraterrand gab, die es sich sicher zu besuchen gelohnt hätte, aber der Antrieb fehlte vollständig. Ich machte es gerade noch so zu den 3 Minuten entfernt liegenden Tempel am Ende des Fujinomiya Trails wo ich mir auch ne Flasche Pocari Sweat für 500 Yen zog (auf Meeresniveau 160 Yen in einer der Getränkeautomaten). Denn mein Wasser war bis oben komplett aufgebraucht worden. Von dort aus habe ich noch ein paar Bilder gemacht, mich ein wenig unterhalten und dann eine Stunde später, um 10:30 Uhr wieder auf den Weg nach unten gemacht, denn das würde das wahrlich gute an eben dieser Route herausbringen, aber dazu komme ich gleich =).

Part III – Abstieg

Nach einer Stunde des Verweilens, gings dann wieder Bergab. Zwar hatte ich mein Ziel nicht ganz erreicht, nämlich vor Sonnenaufgang oben zu sein, aber habs dann letztlich doch noch schaffen können überhaupt oben anzukommen. Der Weg ist das Ziel. Ein wenig schade ist es im nahhinein schon, dass ich den einstündigen Rundweg nicht mehr angegnagen war, aber ich war zu kaputt und zu müde, dass ich nur noch nach Hause wollte. Glücklicherweise hatte ich den nächsten Tag noch frei (namentlich heute), sodass ich den Tag schön zum ausruhen nutzen konnte.

Was 9,5 Stunden zum Auftsieg in Anspruch nahm, wurde jedoch in weniger als 2,5 h zum Abstieg aufgewendet. Wie? 2,5 Stunden? Kein Tipfehler? Ay, 2,5 Stunden! Ich würde nicht sagen, dass es ein Rekord ist, aber ich war selbst überrascht wie schnell es ging. Bis zur 6ten Station (von oben kommend) sind Auf- und Abstiegsweg dieselben, aber ab der 6ten gehen beide getrennte Wege. Während man nach oben im Zickzack geht, ist der Weg nach unten gerade aus. Und ihr werdet euch sicher an meinen Dünenvergleich weiter oben erinnern. Das macht die Sache weitaus angenehmer, denn so kann man schnell herunterlaufen, wobei ich nichtmal gelaufen bin sondern mich eher aus einer Mischung aus hüpfen, rutschen (mit den Füßen) und schnellem Gehen fortbewegt habe. Gott, war das geil und neben dem Krater das Highlight der ganzen Aktion gewesen. Das war übrigens auch ein Grund warum ich diese Route gewählt habe, da dies schon angepriesen wurde. Das ich, und meine Sachen, am Ende mit einer Schicht Staub überzogen wurden, muss ich denke ich nicht erwähnen^^. Ich habe zwischendrin noch kurzen Halt an der 7ten Station gemacht um mir zwei Bananen zu kaufen (200 Yen pro Stück) und nen heißen Kakau und eine Flasche Pocari Sweat zu besorgen. Danach gings dann im Eiltempo runter zur Bushalte =). Kurz davor, an der Hütte zur 5ten Station, kaufte ich noch ein Souvenir für meine Kollegen und nahm den nächsten Bus ne Stunde später zurück nach Gotemba.

Letztlich hatte ich den gleichen Weg zurück genommen nach Tokyo und musste zwischendrin damit kämpfen wach zu bleiben. Anschließend hieß es dann eine Dusche zu nehmen (in Tokyo warens verdammt heiße 34°! während es auf dem Fuji lauschige 10 waren….), was zu essen und dann doch recht zeitig ins Bett zu gehen. 11 Stunden habe ich dortdrin dann auch verbracht :D.

Abschließend lässt sich sagen, dass die Erklimmung des Fujisan (nicht Fujiyama, das ist wie so vieles ein Übersetzungsfehler!) ein Highlight und auch eine einmalige Sache für mich gewesen ist. Hier ist noch eine Rezension von einem Deutschen der den Subarashi Trail genommen hat. Viel spass beim erklimmen =). Der Beitrag endet mit genau 3.333 Wörtern. Eine Schnapszahl, 1 dreifaches Hoch auf mein Wohl!

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