05 Kyoto (京都)

Sonntag, der 4. September 2016

Nach einem holprigen Start in Kyoto, als wir fast schon vergeblich auf der Suche nach einer bezahlbaren Unterkunft gewesen sind, haben wir dann letztlich zwei Nächte dort verbracht um auch ein wenig von der alten Kaiserstadt erleben zu können, deren Besuch allemal Wert ist und sich deutlich von Tokyo unterscheidet wie ich meine.

Part I – Ankunft

Es war nicht das erste Mal für mich in Kyoto. Bereits 2013 hatte ich zusammen mit meiner Mutter die Stadt im Rahmen eines Tagesausfluges von Tokyo mit dem Shinkansen kommend besucht und war auch damals schon begeistert. Allerdings hatte ich das Bild in meinem Kopf in der Stadt nicht wiedergefunden. Es sah alles anders aus als es 2013 war, allen voran der Bahnhof. Auch die Touristen-Information war an einem anderen Platz als ich sie in Erinnerung hatte.
Unsere Pläne sahen vor den Mt. Inari zu besteigen, sowie den Bambuswald zu sehen und eine Tempelübernachtung zu machen. Allerdings hatten wir für letzteres richtiges Pech. Es gibt eine gute Seite Im Netz die viele Infos zu den verschiedenen Tempelübernachtungen in Japan bereitstellt. Wer hier klickt, kommt auf jene Informationen für Kyoto und wenn man ein wenig rumschaut findet man auch Nara u.a.
Was wir jedoch feststellen mussten ist, dass es einige Hürden dafür gibt. Nicht nur muss man sich sehr früh bereits anmelden (am besten telefonisch, Nummern sind auf der Seite auch vorhanden), sondern am besten auch einen Japaner oder eine japanisch sprechende Person dabei haben. Dafür wäre ich dann ins Spiel gekommen, auch wenn ich kein Muttersprachler bin^^. Dann gibts auch nur Tempelübernachtungen für Frauen, was gut für die beiden gewesen wäre, aber da sie kein japanisch sprechen fiel das auch flach; und andere deren Tempel irgendwelche Betonklötzer sind, also keine Tempel im engeren Sinne, sondern eher im sehr weitem Sinne^^. Da würde die ganze Romantik (wenn man dann überhaupt in dem Zusammenhang davon sprechen sollte) zunichte machen, also ein no-go für uns. Das Hauptproblem war dann jedoch, dass wir uns zu kurzfristig darum kümmerten und ein Tag vor geplantem Aufenthalt auf eine zu naive Herangehensweise schließen lässt. Letztlich kamen von den gelisteten Tempeln auch nur 2 bis 3 in Frage, da der Rest entweder zu teuer war, oder unter eine der beschriebenen Kategorien fiel. Und von den zwei bis dreien bot einer die Tempelübernachtung schon gar nicht mehr an und die anderen sagten uns ab, da sie bereits ausgebucht waren. Das war eines von zwei Highlights für meinen Besuch, und bereits das Erste fiel derbe ins Wasser^^.
Davon mal abgesehen machten wir uns auf den Weg zu unserem auserkorenem Hostel, was ich am Tag zuvor von Shirahama aus per Mail kontaktiere, uns aber keine Antwort schrieb. Niemand war zugegen, weshalb wir uns erstmal in die Lobby saßen um zu warten. Nach etwa einer dreiviertel Stunde nahm ich das Hosteltelefon und rief den Herrn mal an. Jedoch wurde schnell klar, dass er meine Mail a) nicht gelesen hat und b) keinen Platz für uns finden konnte… Also weiter ins nächste Hostel, was gerade mal 50 Meter entfernt gelegen war. Allerdings wäre hier für mich kein Platz gewesen, also auch eine Niete. Im dritten Hostel hatten sie keinen Platz mehr für uns oder nahmen keine Kinder auf, kann mich an den genauen Grund nicht mehr erinnern. Jedenfalls schilderten wir ihnen, dass wir jetzt dreimal abgewiesen worden sind, die Nacht langsam über uns hereinbricht und wir nichts bezahlbares gefunden hatten. Daraufhin empfahl man uns das Piece Sanjo Hostel, was gute 10 Minuten entfernt lag. Unser letzter Strohhalm und nach insgesamt einer Stunde des herumirrens auch das Hostel was uns aufnahm. Am nächsten Tag sollte dann zudem eine große Geburtstagsparty zum einjährigen Bestehen gefeiert werden, mit selbstgemachtem Kuchen und anderen schönen Dingen, wie die Bilder beweisen. Alles war umsonst und die Feier echt groß aufgezogen. Generell ein Hostel was ich sehr empfehlen kann und auch schon hier kurz angesprochen hatte.
Nach dem Einchecken machten wir uns noch auf ein wenig die Arkaden zu erkunden, die gleich nebenan lagen und was zu essen zu besorgen. Am nächsten Tag sollte es dann zum Mt. Inari gehen.

Part II – Mt. Inari

Mt. Inari ist wohl so ziemlich die bekannteste Sehenswürdigkeit in Kyoto, allen voran durch seine zahlreichen Torii (die großen roten, zumeist aus Holz bestehenden, Tore an Tempeln), die seinen Wegen hinauf folgen und durch die man die ganze Zeit über schreitet. Demzufolge waren wir natürlich nicht alleine dort. Myriaden von Touristen machten sich auf den Berg zu erklimmen, aber je höher wir gelangen, desto ruhiger wurde es, sodass wir wirklich auch 10 Minuten am Stück alleine sein konnten, bzw. nur sehr wenige Leute antrafen. Auf Japan-guide könnt ihr euch ein wenig Hintergrund-informationen durchlesen. Der Aufstieg in Gänze dauert etwa zwei bis drei Stunden, je nach Kondition und wie viele Stops man zwischendurch macht, denn man kommt immer wieder an kleinen Schreinen vorbei. Die Aussicht selbst ist nicht ganz so berauschend, denn man schaut nur auf die Stadt hinab durch ein kleines baumfreies Fenster an einem der Haltepunkte.
Auf dem Weg selbst haben wir noch einen alten Japaner getroffen, welcher unserer Kleinen einen Kranich faltete, nach bester Origami-Manier. Ein wirklich netter Mann, da nicht nur wir es waren die er mit seiner Faltkunst beschenkt hat, sondern auch andere Menschen. Ich glaube dieser Mann ist wahrlich glücklich und liebt es anderen eine Freude zu machen. War auch süß zu sehen wie die Kleine gespannt und neugierig auf dem Boden saß und ihm beim Falten zusah :3. Später haben wir ihn erneut getroffen, wobei er ihr dann sogar noch einen gefalteten Lotuskreisel schenkte. Seitdem Tag an, war sie recht verrückt nach Origami^^. Als Dank wollte ich ihm eine Flasche Wasser schenken, die ich gerade gekauft hatte (oder besser meine Begleitung, da sie zahlen wollte, hehe^^), da es wie immer verdammt heiß war und die Sonne knallte. Allerdinsg wich er zurück und wollte das Wasser partout nicht annehmen. Ich muss sagen, der alte Mann hats mir echt angetan und die Begegnung mit ihm wird prägend bleiben =).
Durch die zahlreichen Toriis zu gehen, war trotzt ihrer schier endlosen Anzahl dennoch was Besonderes und was Neues und Unbekanntes. Was man sonst nur aus Anime/Manga kennt, sieht und erlebt man nun auch im richtigen Leben. Jeder Torii hatte zudem andere Phrasen draufgeschrieben bekommen und vermutlich auch Sponsorennamen gelistet. Auf einen Mann sind wir noch getroffen, der gerade eine Torii neu anstrich. Wenn er einmal mit allen durch ist kann er dann sehr wahrscheinlich wieder von vorne anfangen^^. Ich weiß nicht wie viele es insgesamt sind, aber ein paar Tausend bestimmt.

Trotz des heißen Wetters und der Höhe bzw. der Distanz der Strecke, blieb die Kleine durchaus fit und willig weiterzulaufen. Es dünkt mir, dass ich Kinder generell unterschätze bzw. ihnen nicht genug zutraue, was mir immer bewusster wurde je mehr wir zusammen reisten. Dies soll mir eine Lehre sein! Zur Belohnung gings dann auf dem Rückweg zum Hostel noch auf den Spielplatz :D.

Part III – Arashiyama und der Bambuswald

Im Osten Kyotos befindet sich Arashiyama (Sturmberg) und der Bambuswald, welchen wir nachfolgend zu Mt. Inari besichtigen wollten, gerade auch weil ich Bambus sehr mag und Bambuswälder generell sehr ästhetisch und friedvoll finde. Vom Hauptbahnhof aus den Bus nehmend dauert die Fahrt ne glatte Stunde (sofern man erstmal aus dem Bahnhofsbereich rauskommt, der Verkehr ist verdammt zäh…^^).
Es war schon recht spät und wir kamen erst gegen 5 Uhr dort an, wurden aber dennoch von der Natur dort erschlagen. Ich habe mich wie im Paradies gefühlt. Gleich neben der Bushaltestelle floß friedlich ein riesengroßer Fluß, und die Berge drumherum waren von Bäumen übersäht. Das kleine Örtchen dort, was ja noch zu Kyoto gehört, hatte auch Charme und Charakter. Es gab auch einen Affenpark vor Ort, jedoch war dieser bereits geschlossen als wir ankamen. Dennoch war es wunderschön und die bereits sich im sinken befindende Sonne trug zu einer durchaus magischen Stimmung bei, indem sie den Himmel in ein schönes gelb-orange illuminierte. Von einer hektischen Großstadt ins Grüne. Besser hätte der Kontrast nicht sein können. Bevor es aber nun gänzlich dunkel werden würde, gings auf zum Bambuswald der letztlich doch recht klein ausfiel. Zudem konnte man nicht in den Wald selbst reingehen, sondern nur den Wegen folgen, was dennoch beeindruckend gewesen ist. Der Bambus war riesig und ausgesprochen schön. Am liebsten hätte ich dort übernachtet, aber dazu habe ich sehr wahrscheinlich auf Shikoku im Rahmen meiner Pilgerwanderung genügend Zeit =). So schnell wir reinkamen, kamen wir auch schon ans Ende und machten uns auf den Weg zurück ins Hostel.

Am Tag darauf sollte es dann für einen Tagesausflug nach Nara gehen und in der Nacht am gleichen Tag dann mit dem Nachtbus nach Nagasaki. Allerdings wird Nara der letzte Ort sein den ich von dem dreiwöchigen Urlaub abhandle. Den Rest kennt man entweder schon durch meine Individualreisen (Nagasaki, Beppu, Tokyo, über Aoshima hatte ich ja bereits berichtet), oder waren nicht ausreichend genug besucht um einen Beitrag damit zu füllen (Nikko, schlechtes Wetter und wenig Zeit).

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