03 Reisen mit Kind (子供とともに一緒にの旅)

Sonntag, der 14. August 2016

Wer mit einem Kind, welches das sechste Lebensjahr noch nicht vollendet hat, nach Japan reisen möchte, der kann eine ganze Menge Geld sparen! Das Kind meiner Studienkollegin, welche mich zusammen mit ihrer Mutter vor nunmehr 6 Wochen besucht haben, war gerade 5 geworden, weshalb wir sämtliche Annehmlichkeiten auskosteten.

Glücklicherweise war sie ein Kind, welches alles sogut wie anstandslos und ausdauernd mitgemacht hatte, sodass es mich selbst richtig ürberraschte. Bisher war mein Bild von Kindern eher einseitig negativ geprägt (wenn es zur Nervtöterei und Willensdurchsetzung kommt), wobei ich gar nicht genau weiss warum. Da ich aber weniger selbst mit Kindern zu tun hatte, bekam ich bis dato auch keine Erfahrungen mal auf längere Zeit mein Bild zu ändern. Das erste Mal, wo mir dies bereits dämmerte, war, als ich beide in Nagoya aufgesammelt habe.
Ich kam von Tokyo mit dem Bus und die beiden waren bereits seit einigen Stunden dort (auf der Suche nach dem vereinbarten Treffpunkt, dem Hostel^^). Bereits aus dem Bus habe ich sie gesehen und als wir uns dann 10 Minuten später gegenüberstanden, bei 32°C im Schatten und schweißdurchnässten Besuchern, bemerkte ich wie ruhig und gelassen die kleine doch war. Man muss sich vor Augen führen, dass es ihrer erste Reise war, 12 h im Flugzeug + noch so einige auf einem Flughafen; dann noch stundenlang auf mich wartend, die Sprache nicht sprechend, und alles fremd, neu, groß und geschäftig. Statt mit der Situation komplett überfordert zu sein war sie das genaue Gegenteil und total begeistert und fröhlich dreinblickend. Die kleine Anekdote sei mir verziehen aber meine Kollegin war da eher insgesamt etwas unruhiger, sodass die kleine ihre Mutter schon manchmal beruhigen musste. Das fand ich nicht nur amüsant, sondern auch extrem süß^^. Ferner hatte sie ein schier unbändiges Vertrauen in ihre Mutter, dass alles schon so wird wie es sein soll. Ich kanns nur gerne wiederholen, aber Hut ab! Mein Respekt für die Erziehung und das gegenseitige Miteinander ist ins unendliche geschossen. Sollte ich irgendwann mal Kinder haben (wonach es derzeit nicht aussieht) wünsche ich mir auch ein solch guter Vater zu werden, wie sie eine Mutter ist.

Die Quintessenz des Ganzen war, dass ich zuvor dachte es würde bei weitem stressiger und anstrengender werden – nun war es auch – aber absolut nicht wegen dem Kinde. Im Gegenteil hat sie einem am Ende des Tages immer noch aufgeheitert und mit ihrer Art den ganzen Stress dann doch wieder wettgemacht. Klar gabs ab und an auch mal eine Träne, aber das hat sich dann auch wieder gelegt.

Part I – Vorteile

Kommen wir zu den Annehmlichkeiten. 3 Wochen verbrachten beide in Japan und für die letzte Woche haben sie sich den Japan Rail Pass zugelegt, was unserer vorherigen Planung zugrunde lag. Der letzte Stopp sollte ursprünglich Aoshima im Süden Kyushus sein und der Rückflug von Tokyo zurück nach Deutschland abgehen. Dafür wäre es am besten gewesen den Shinkansen zu nehmen, den man auf jeden Fall mal ausprobieren muss wenn man nach Japan kommt. Da die Tickets so sehr teuer sind (vergleichbar mit dem deutschen ICE) bietet sich das Ticket an und rentiert sich sehr schnell. Jedenfalls fahren Kinder unter sechs kostenlos in allen Zügen mit; auch in den Shinkansen. Ein extrem großer Vorteil, da der Transport von A nach B einen immensen Anteil an den Kosten hat. Kinder ab 6 bis 10 Jahren glaube ich, zahlen dann jeweils den halben Preis, nur zur Orientierung.
Bei Bussen ist es etwas anders. Linienbusse innerhalb einer Stadt nehmen Kinder unter 6 Jahren kostenlos mit, bei Nachtbussen oder Fernbussen allgemein muss für das Kind der halbe Preis gezahlt werden, es sei denn einer der Elternteile ist bereit das Kind die Fahrt über auf den Schoss zu nehmen. Was auf langen Fahrten (vorallem über Nacht) sehr hart werden kann, aber zumindest kann man dabei auch sparen. Muss dann jeder selbst wissen, die Option ist zumindest da. Generell sind hier alle so ziemlich kinderfreundlich und so verwunderte es auch nicht, dass sie immer im Zentrum der Aufmerksamkeit stand. Allen voran auch ihrem blonden Haar und der weißen Haut geschuldet. Sehr viele Leute haben Bilder von und mit ihr gemacht und/oder auch kleine Geschenke bereitgestellt. Sei es einfach was süßes oder was zu trinken oder sonstiges. Manchmal war die Aufmerksamkeit dann doch schon etwas zu viel und übertrieben, dass es schon genervt hat^^.

Part II – Nachteile

Nun, Nachteile gibt es in dem Sinne nicht wirklich, lediglich wenn man mit wenig Geld reist, oder Hostels als seine Unterkunft auserkoren hat. Wer von vornherein Hotels oder Ryokans bevorzugt, der wird dahingehend keinen Komplikationen entgegen gehen.
Jedenfalls sind wir – allen voran ich – mit wenig Geld unterwegs. Ich persönlich brauche auch kein Luxus oder teurer Hotelzimmer, mit funkelnden Sternchen. Glücklicherweise sahen die anderen beiden genauso^^. Jedenfalls kann es zu einer echten Herausforderung werden ein Hostel zu finden, dass nicht nur – inmitten der Saison – jemanden überhaupt aufnehmen kann, sondern vorallem auch noch ein Kind beherbergen kann. Etwa 50% der Hostels die wir angeschrieben haben, kamen überhaupt in Frage wenn es um die „Nehmt ihr auch ein fünfjähriges Kind mit auf?“-Frage ging. Viele nehmen Kinder erst ab 10 Jahren, manche lehnen dies kategorisch ab. Daher sollte man sich von vornherein bewusst sein wo man hin will und am besten genau planen. Da ich meinen Standort sonst nicht innerhalb ein oder zwei Tage wechsle war ich am Anfang ein wenig – sagen wir mal – blauäugig was das anging. Zudem hatte ich die Situation mit der Beherbergung von Kindern stark unterschätzt. Anfangs habe ich immer nur für den nächsten, max. zwei Tage, in voraus geplant, musste dann aber schnell einsehen, dass die nächsten vier bis fünf Tage schon halbwegs stehen sollten. Am deutlichsten wurde es mir bewusst, als wir – noch recht nah am Anfang unserer Reise – nach Kyoto gefahren sind. Ich hatte einen Tag davor ein Hostel angeschrieben, jedoch keine Nachricht erhalten weshalb wir auf Gutglück dort hingefahren sind nur um dann eine Stunde nach Ankunft zu erfahren, dass sie nichts frei haben…. (der Besitzer war die Stunde über die wir dort gewartet haben, nicht zugegen). Das war eine Katastrophe. Das Zeiteisen hatte schon irgendwas um die 5 Uhr angezeigt so zogen wir weiter und bekamen Absage nach Absage. Jene Hostels waren übrigens ausgebucht oder nahmen keine Kinder unter 10 auf, oder gar beides. Das letzte (und vierte Hostel), nach mehr als einer Stunde des herumirrens, hatte uns dann letztlich (eher aus Mitleid) aufgenommen. Erneut war ich von der Geduld der Kleinen begeistert, nachdem ich schon fast heulen hätte können^^. Wir bekamen ein Einzelzimmer mit großem Ehebett in dem laut jap. Vorschrift nur 2 Personen residieren dürfen, für uns haben sie die Ausnahme gemacht und 5 mal gerade sein lassen, jedoch ohne die Verantwortung zu übernehmen, sollte was passieren. Fair enough. Bis zu dem Zeitpunkt war ich der Verzweiflung schon immens nahe^^. Ich war verantwortlich für alles und hatte nen üblen Druck auf mich geladen der dann, als wir das Zimmer bekamen, von den Schultern fiel. Ab da wurde mir dann bewusst, dass man doch eher ein wenig weiter vorausplanen sollte, auch wenns nicht meine Art ist.

Die meiste Zeit über waren wir übrigens gezwungen Doppel- oder Einzelzimmer zu nehmen. Da die kleine in den überwiegenden Nächten mit ihrer Mutter zusammen in einem Bett schlief, fielen für sie dafür auch keine Kosten an. Jenes Hostel in Nagoya hatte uns auch erlaubt im Dorm- Mehrbettzimmer zu schlafen, was einen Kapselstil aufwies (was übrigens doch recht verbreitet ist in Japan). Das Wasabi-Hostel in Nagoya ist generell sehr empfehlenswert, wenn auch arg versteckt. Auch jenes Hostel in Kyoto – was eher einem Hotel glich, würde ich empfehlen, namentlich das Piece Hostel Sanjo. Hat uns sehr gut gefallen und zudem auch zu der Zeit in dem wir dort residierten ihr einjähriges gefeiert, wozu es eine große hausinterne Party gab, inkl. selbstgemachten Kuchen und freien Getränken und Essen. Wirklich klasse! Die Kinder durften sich künstlerisch betätigen und so war für jedem was dabei. Das Personal spricht zudem sehr gutes Englisch =)..

Alles in allem waren die einzelnen Nächte mit 4.000 Yen p.P im Schnitt verdammt teuer, aber anders gings nicht und ich bin froh als wir nach Nagasaki kamen und das Doppelzimmer, statt 6.400 Yen für nur 2.000 Yen bekommen haben, Freundschaftsbonus zu meiner Arbeitszeit dort =). Ich war auch echt froh alle wiedersehen zu dürfen, auch wenns nur für kurze Zeit gewesen ist. In Beppu – wo ich auch gearbeitet habe, durften wir dann auch ein 4-Bett Dorm nehmen, was auch nochmal die Kosten gedrückt hatte.
Ein weiteres Hostel was uns ebenso in einem Kapselstyle-Mehrbettzimmer schlafen ließ war das Ace-Inn Shinjuku Hostel in Tokyo. Zwar insgesamt recht teuer, dafür aber sein Geld durchaus Wert. Auch wenn ich immer noch ein wenig pissig bin, dass sie mich für einen Rezeptionsjob wegen meines Bartes abgelehnt haben -.- Dennoch mit einem etwas bitteren Unterton eine klare Empfehlung für das Hostel. Man muss ja fair bleiben!

Ansonsten kann ich nur sagen, dass ich mir vorstellen könnte mit beiden wieder eine Reise zusammen zu unternehmen, sofern ich dann genug Knete habe^^. Spass hats allemal gemacht und angenehm und heiter wurde es durch die Kleine auch =).
Wer also nach Japan kommen möchte sich aber sorgen um die Kinder macht, dem konnte der Beitrag hoffentlich etwas helfen. Bei Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.

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