02 Copland-Track

Freitag, der 22. Mai 2015

Am 17. Mai sollte es dann soweit sein und ich mich auf den Weg zum Copland-Track machen, welcher rund 30 Autominuten suedlich vom Fox-Gletscher liegt. Von meiner ersten hitch hike Erfahrung um aus Franz-Josef rauszukommen nicht entmutigt, stellte ich mich diesmal weiter suedlich auf die Strasse. D.h. ich ging ueber die Bruecke schon in Richtung Fox-Gletscher (welcher rund 24 km suedlich des Franz-Josefs liegt) um mir bessere Chancen auszurechnen. Gitarre und andere Sachen die ich nicht mehr benoetigte liess ich im Hostel verstaut.

Nach etwa einer halben Stunde hatte ich auch riesiges Glueck und wurde von zwei Deutschen aufgelesen, die nach Wanaka wollten und mich mitnahmen. Wir haben uns sofort blendend verstanden! Da sie vorher noch nen Abstecher zum Lake Matheson machen wollten (6 km westlich von Fox), kam ich kurzerhand mit, da ich diesen auch noch nicht gesehen hatte und sich Mt. Cook bei sehr gutem Wetter drin spiegeln sollte; und die Bedingungen waren dafuer optimal. Einige wirklich schoene Bilder sind dabei entstanden und ich habe entdeckt, dass die Spitze von Mt. Cook aussieht als waere es ein Gesicht welches in den Himmel schaut, achtet mal drauf auf den Bildern.
Danach gings dann weiter und ne gute halbe Stunde spaeter wurde ich rausgelassen und begann mein Abenteuer um 11:30 Uhr. Vom DOC ist der Track mit 7 h angegeben, da man das aber meistens eh immer unterbietet, hatte ich mit 6 gerechnet, was dennoch knapp werden wuerde, wenn ich nicht wieder im dunkeln durch den Wald jachten will. Das erste Hindernis gabs auch gleich hinterm Parkplatz. Es galt den ‚Rough Creek‚ zu ueberqueren, welcher nicht allzuviel Wasser fuehrte, jedoch ausreichend um meine Schuhe zu ueberspuelen und mich mit nassen Fuessen laufen zu lassen. Ich suchte extra nach Stellen wo mir dieses Schicksal erspart bleiben wuerde, jedoch vergeblich. So biss ich in den sauren Apfel und gab meinen Fuessen ne kleine Abkuehlung. Barfuss rueber war mir zu gefaehrlich, da alles voller Geroell war und man nur einmal umknicken braucht um sich was zu tun. Am anderen Ufer angekommen gings dann erstmal aus den Schuhen raus um die Socken auszuwringen. Danach war das laufen in den nassen Botten doch recht angenehm. Ist ja nicht das erste Mal und so machens die Kiwis auch jedes Mal^^.
Der Weg selbst geht seitlich an einem Flusstal entlang, dem ‚Copland-Valley‘ und die Steigungen sind nur minimal. Alles in allem also ein recht entspanntes wandern, teils etwas anspruchsvoller da es meherer aktive Erdrutschbereiche gibt, die Laengen von bis zu 500 m annehmen koennen und einfach nur gigantische Ausmasse haben. Aber wenn man da ein wenig vorsichtig ist, dann kommt man auch da unbeschadet rueber. Auch einige Bruecken muss man ueberqueren, davon zwei welche aus Stahlseilen gefertigt und ziemlich lang sind. In der Mitte ist es dahingehend ziemlich schwungbehaftet aber den Ausblick den man hat, geniesst man umso mehr.

Einen kleinen Ueberblick zur Geologie. Die grosse alpine Stoerung schlaengelt sich entlang des Alpenrandes bis in den Norden und kommt etwa da raus wo der Parkplatz fuer die Autos ist, jedoch sieht man diese nicht. Zu sehen sein wird sie am ‚Gaunt Creek‚, noerdlich vom Franz-Josef Gletscher und etwas in die Alpen selbst hinein, was wenn moeglich, noch auf meinem Plan steht. Ich haette es vorher schon machen koennen nur wusste ich nicht wo genau der ‚Gaunt Creek‚ liegt und ich hatte vergessen dies nachzuschlagen…
Ansonsten aenderte sich dort die Geologie ein wenig im Vergleich zum Franz-Josef. Am Anfang naemlich gab es ne Menge Glimmerschiefer, welcher zum sogenannten ‚Haast shist‚ (benannt nach der Stadt Haast weiter suedlich) gehoert, welcher aber spaeter in simplen Gneis ueberging, jedoch mit sehr hohen Anteilen an Phologopit, anstelle von Biotit. Phlogopit ist ebenso ein Glimmermineral, nur hat dieses einen eher Messingfarbenen Glanz, welcher durch Kontaktmetamorphose, bzw. hydrothermaler Alteration vom Biotit umgewandelt wurde. Hier und da hab ich auch enige schwarze Kristalle in den Gneisen gesehen, welche wie Pickel heruastacken, allerdings konnte ich diese nicht weiter bestimmen. Auch bilde ich mir ein einmal ein paar Hornblenden im Gneis gesehen zu haben, habe aber keine Ahnung was diese dort zu suchen haben…
Am ‚Rough Creek‚ selbst habe ich wiederum rote Granate (groesser und versprengter als am Franz-Josef) im Gneis gesehen, da ich jedoch gerade nen Fluss ueberquerte und das Stueck zu gross war konnte ich kein Bild machen. Zudem kann es sein, dass ich einiges an ‚Greenstone‚ (was die Maoris unter Jade verstehen), begegnet bin. Da ich dahingehend keine Ahnung von habe ists auch nur ne Vermutung. Aber soweit ich weiss wurde es gerade an der Westkueste von den Maoris gefunden und verarbeitet. Wuerde also passen, zumal es sich eh um metamorphes Material handelt.

Letztlich bin ich nach gut 5,5 h an der Huette angekommen und hab mir erstmal was zu essen gemacht bevor es zu dunkel wurde (daemmerte immerhin schon und im Tal ists eh frueher dunkel), also alles noch rechtzeitig geschafft! Mit einsetzen der Dunkelheit und einem gefuellten Magen machte ich mich dann auf in die Hot Pools von denen es drei gibt mit unterschiedlichen Temperaturen. Frisch von der Quelle betraegt die Wassertemperatur rund 57 Grad Celsius, im heissesten Pool geschaetzte 40 bis 45 Grad im mittleren vermutlich um die 30 Grad und im kaeltesten etwas darunter. Schwefelwasserstoff hat man auch nur ganz leicht gerochen, zum Glueck nicht so penetrant wie auf Island oder wie es in Rotorua auf der Nordinsel sein wird. Das machte das entspannen dann umso schoener. Mit der Nacht kamen auch die Sterne raus und ueber einem schlaengelte sich die Milchstrasse entlang. Rechts und links der Hot Pools Bergketten mit schneebedeckten Gipfeln und einsamen kleinen Wolkenfetzen kurz unterhalb derer. Kein Wind, kein Licht, kein Geraeusch (von den anderen Badegaesten mal abgesehen und das plaetschern des Wassers).
Ich habe vermutlich 1,5 h an dem Abend dort verbracht und mich anschliessend dann auch schon in mein Bett verkrochen.

Am naechsten Morgen regnete es und dies zog sich den gesamten Tag hin, bis zum Abend. Waere das Wetter so gut wie am vorigen Tag gewesen haette ich den Weg auf mich genommen und zur ‚Douglas Rock Huette‚ gelaufen um eine bessere Aussicht zu geniessen. Waeren auch nur 3h Weg gewesen. Aber so sieht man ja eh nichts und bei Regen geh ich lieber baden :D. Allerdings hatte dies auch was gutes. Die Huette sollte an diesem Abend voll sein, durch den Regen jedoch haben alle bis auf 4 Personen abgesagt, was das ganze dann doch recht gemuetlich machte, zumal einer auch den Ofen in Gang bekommen hatte.
Zum Fruehstueck gabs dann was feines! Ich habe mir gebratene Zwiebel gemacht und dies auf nem Buttertoast serviert und mit zwei Salami-scheiben (ne kleine zum selber schneiden) garniert. Dazu natuerlich noch nen Tee und der Tag war gerettet. Werde ich auf jeden Fall fuer weitere Tracks auch machen.
Ansonsten habe ich die meiste Zeit des Tages ueber in den Pools gesessen und entspannt. Uebrigens sind sie nicht gerade sehr tief, der heisseste geht gerade mal bis zu den Knien und in den anderen kannste dich nicht mal hinlegen und deinen ganzen Koerper mit Wasser bedecken, allen voran nicht wenn du aufn Ruecken liegst und gewisse leichte Teile an der Oberflaeche schwimmen, oder aufn Bauch die Arschbacken herausgucken^^.
Zum Abend hin hat sich das Wetter dann wieder verbessert und es wurde klar, ein Grund mehr nochmals zum Abend hin in die Pools zu gehen, zumal ich dort fuer 2 h meine Ruhe hatte. Dasselbe Szenario wie am Abend zuvor, auch diesmal gabs wieder Sternschnuppen en masse zu sehen, einige sogar sehr nahe und langanhaltend. Extrem schoene Atmosphaere, insbesondere als Nebel ueber uns hinwegzog, die Sterne verdunekelte und die Buesche und Baueme um die Pools herum nur noch schemenhaft durchscheinen liess. Irgendwie hat man sich da komplett isoliert und allein gefuehlt, aber auf eine gute Art und Weise. Jetzt haette nur noch das Nebelhorn gefehlt, was ich von zuhause irgendwie vermisse. Ich mag diese ruhigen, nebligen Herbstnaechte zuhause und dann das erschallende Nebelhorn dazu, welches die Stimmung abrundet. Nach zwanzig Minuten dann gab der Nebel die Sterne auch wieder frei und alles war wie es sein sollte.

Am naechsten Morgen gab es dasselbe Fruehstueck nochmal und um 9 meinen Abschied von der Huette. Ein wirklich sehr schoener Tag zum aufbrechen. Neuer Schnee auf den Bergen sorgte dafuer, dass ich noch ein paar Bilder schoss, was am Tag zuvor durch das Regenwetter nicht moeglich war. Nach der Morgenroete begann dann Roberts Untergang und Abstieg zurueck zur Strasse wo ich hoffentlich jemanden finden wuerde der mich mit nach Franz-Josef nimmt wo ich meine Sachen aufgabeln muss und noch ne Nacht im Chateau-Franz bleiben wuerde um dann am naechsten Tag erneut mein Glueck zu strapazieren.
Insgesamt hat mich der Abstieg auch nur ueberraschende 4,5 h abverlangt. Gut, es ging nur Bergab, aber eine Stunde gut zu machen ist dann doch schon ne Hausnummer. Am ‚Rough Creek‚ angekommen musste ich dann wieder mit Schuhen durch das Wasser, welche ich mir dann an der Strasse auszog und auch sofort von verdammten Sandflies heimgesucht wurde. Nach ner Stunde des Wartens wurde ich dann von Smithy mitgenommen, welcher nach eigenen Angaben in den letzten 40 Jahren schon mehr als 500 hitch hiker mitgenommen hat. Ich war beeindruckt, zumal er auch ne Art Gaestebuch hat wo sich jeder drin verewigen kann, nur zu der Zeit es nicht dabei hatte. Jedenfalls brachte er mich zurueck nach Franz-Josef, wo ich dann den Rest des Abends schoen entspannte =).

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7 Antworten zu 02 Copland-Track

  1. Sabrina schreibt:

    Dein Bart wird immer läääänger :-O

  2. Hoshi schreibt:

    *die anderen Kommentare les*
    Wie kann man so einen schönen Bart nur abschneiden wollen? Versteh ich nich… Wo man dich doch daran sooo gut um den Finger wickeln kann! :DD
    Und wunderschöne Bilder! <3
    Solche Naturphänomene (ich nenn es als solche) finde ich immer interessant. Vor allem aber wohl wegen den verschiedenen Farben die dabei entstehen (der alte Künstler spricht aus mir xD )

  3. VagabundenReise schreibt:

    Mein reden, endlich mal jemand auf meiner Seite, bringt das Equilibrium ein wenig zurueck^^. Schade das ich keine Zeit habe auf der Nordinsel rumzureisen sonst wuerdest du noch ein paar schoene Vulkanfotos sehen. Kannst dir aber mal den Island Bereich anschauen wenn du magst =).

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