03 Stewart Island I

Sonntag, der 19. April 2015

Am 24. Maerz machte ich mich dann endlich auf, das suedlichste Eiland (oder besser bewohnte Eiland) Neuseelands zu besuchen. Wofuer ich vordererst nach Bluff hitch hiken musste um von dort aus am naechsten Morgen die Fahere zu nehmen.

Part I – Vorgeschichte

So verabschiedete ich mich von Dianne, meiner ueberaus netten Hostel Besitzerin, sowie Ingrid und machte mich auf dem Weg ein Auto anzuhalten, was auch recht gut klappte, obwohl es dort unten nur recht wenig Verkehr gibt. Jedenfalls wurde ich von 2 Deutschen aufgelesen die mich bis nach Sued-Invercargill mitnahmen und ich dort am Highway jemand neuen fand, welcher mich bis ins etwa 30 km entfernte Bluff fuhr. Dort angekommen checkte ich in die ‚Bluff Lodge‘ ein, ein Hostel fuer 20 Dollar die Nacht, und sah mich ein wenig um im Oertchen. Im Prinzip nichts wirklich erwaehenenswertes. Der Ort hat eindeutig bessere Zeiten erlebt und vegetiert nun vor sich hin, zumindest der Stadtkern. Die Aussenbezirke um die Bucht herum sind gut gelegen und schoen bebaut. Dennoch lohnt es sich nicht nen extra Beitrag dazu zu verfassen. Ich war ja eh nur fuer eine Nacht anwesend.
Wie dem auch sei, musste ich fuer die geplanten zwei Wochen noch Vorraete einkaufen und dazu musste Geld her, was ich mir aus Deutschland holen musste. Dummerweise sind die dafuer in Bluff nicht ausgeruestet, weshalb ich zurueck nach Invercargill trampen musste um dort Geld abzuheben… Ging auch recht gut, dadurch dass es keine Busse gibt die zwischen den Orten verkehren. Dort angekommen gings dann gleich noch in den oertlichen New World Supermarkt um fuer gute 50 Dollar genuegend Essen einzukaufen. Einiges von dem wollte ich fuer die Reise vorkochen, sodass ich es nur noch mal mit meinem in Dunedin gekauften Gaskocher erwaermen musste. Geplant waren zwei Gerichte. Zum einen der Klassiker schlechtin – Nudeln in Tomatensauce und extra viel Knoblauch (das Zeug konserviert ja auch), und zum zweiten Reis mit Gemuese und Haehnchen, analog zu dem was Mike und ich in Queenstown gegessen haben. Beides verpackt in je einer 2l Tupperdose, sowie den Reis noch in einer 1l Dose sollte dies fuer 7 bis 8 Mahlzeiten reichen. Dazu habe ich mir noch 2 Dosen Spaghetti und 2 Dosen Bohnen in Tomatensauce gekauft, sowie 5 Aepfel, 2 Dosen Pfirsiche und 2 Dosen Ananas. Falls alle Straenge reissen gabs dann noch ne Dose Tomatensauce und ein wenig Penne ungekocht. Als I-Tuepfelchen besorgte ich mir 12 Eier, die ich ebenso kochte und dann unterwegs nur noch verspeisen musste =). 2 Dosen Tuna mussten natuerlich als Gaumenkitzler auch noch dabei sein, die habe ich allerdings schon seit Dunedin dabei.
Achja, nen Leib Toast habe ich dann noch mit Schinken belegt und ebenfalls dabei gehabt. Man kann also durchaus sagen, dass ich gut vorbereitet an die ganze Sache heranging. Die frischen Sachen sollten zuerst verspeist werden und anschliessend dann das Dosenfutter. Mit dem Plan sollte allerdings auch noch am Ende was uebrig bleiben, so zumindest mein Denken. Da es meine erste grosse und lange Wanderung werden wuerde hatte ich keine wirkliche Referenz und lieber etwas mehr eingepackt. Dementsprechend wog der Spass auch um die 23 kg mit allen drum und dran. Mit jedem Tag wuerde es dann aber leichter werden was mich durchaus beruhigte^^. Bleibt nur zu hoffen, dass das Wetter mitspielt und mir kein allzu grosses Hindernis darstellt. Insgesamt rechnete ich fuer 2/3 der Zeit mit Regen.

Part II – Von Oban zur Bungaree Hut

Insgesamt gute 180 km wollte ich in den folgenden zwei Wochen im Hinterland der Insel zuruecklegen auf dem NW- und dem angeschlossenen S-Circuit. Dazu nahm ich am Morgen die Fahere fuer insgesamt 130 Dollar (Hin- und Rueckfahrt, einzeln 75$) was ne ganze Menge ist, fuer nur eine Stunde ueberfahrt… Aber was Muss, das Muss. Alternativ haette man auch von Invercargill mit nem Flugzeug ueberfliegen koennen, fuer gut 100 Dollar one way. Haette sich sicher mehr gelohnt, konnte ich mir aber auch wieder nicht leisten^^. Das Gute ist, dass man das Rueckfahrdatum aendern kann, wenn man weiss das man laenger unterwegs ist.
Auf jeden Fall regnete es und die Sicht war deutlich begrenzt. In Oban – der einzigen Siedlung auf der Insel – angekommen gings dann auch gleich zum DOC um mich anzumelden, Huetten zu buchen und Informationen einzuholen. Letztlich kaufte ich mir den ‚Backcountry Hut Pass‘ fuer ein halbes Jahr und 92 Dollar, welcher mir ermoeglicht in allen Backcountry Huetten zu residieren ohne extra Tickets zu kaufen. Da ich neben dem NW- und S-Circuit noch andere Tracks auf dem Schirm habe ist das durchaus eine lohnende Investition, denn allein auf den beiden Tracks auf Stewart Island wuerde der sich fast bezahlt machen (65 Dollar fuer alle Huetten, 5$ pro Huette).
Ausgenommen sind die Alpinen Huetten auf der Suedinsel, aber von denen hab ich eh keine anvisiert. Ein dickes Plus des Passes ist, dass man den auch fuer einige Great Walk Huetten nutzen kann, solange es ausserhalb der Saison ist (also von Mai bis September), da diese sonst sehr teuer werden koennen pro Nacht. Eine topographische Karte des NW-Circuit habe ich mir dann fuer gute 12 Dollar auch noch zugelegt und zudem noch erfahren, dass es die ganze Woche ueber regnen sollte, was nervig aber nicht hinderlich ist. Jetzt musste ich nur noch einige aus dem Rucksack ausgelagerten Sachen verstauen, unter anderem natuerlich auch meine Gitarre. Im DOC selbst war kein Platz fuer diese und da haette mir das Schliessfach auch mal 20 Dollar gekostet. So fragte ich im BBH-Hostel an (Bunkers Backpackers), ob die diese fuer die Zeit verstauen koennten. Gluecklicherweise ging das problem- und kostenlos! So hoffte ich einfach dass alles noch da sein wuerde wenn ich wiederkomme.
Letztlich zog ich bereits danach gegen Mittag im Regen los um erstmal 5 km entlang der Buchten zum Great Walk selbst zu laufen (der Rakiura Track liegt ebenfalls auf Stewart Island) und von dort aus (Lee Bay, Startpunkt), bis zum 8 km entfernten ‚Port Williams‚, der ersten Etappe des Great Walks zu kommen und wiederum von dort aus die Abzweigung zur ersten Huette des NW-Circuits zu nehmen.
Der Weg nach Port Williams war befestig, da es sich ja um einen Abschnitt des Great Walks handelt und diese im Allgemeinen gut zu laufen sind. Unterwegs hoerte es dann auch auf zu regnen und ich sah 2 Rehe (Jagdsaison war im vollen Gange) und auch eine Katze was mich wunderte. Nach gut 3h erreichte ich Port Williams (es war gegen 4), worauf ich mich ein wenig ausruhte, mein Shirt vom Schweiss trocknete (es regnete wieder) und mich von den Sandflies fressen liess… Von dort aus sollte es nun weitergehen und der eigentliche Weg in Angriff genommen werden. Das Erste was ich sah, als ich die Wegzweigung ging, war – Matsch! Nach dem recht gemuetlichen Gang auf dem befestigten Weg war das erstmal ein Daempfer^^. Mir war durchaus klar, dass Matsch – teils Knietief – zu erwarten war, allerdings habe ich nicht so frueh damit gerechnet :D. Naja das Meiste konnte man beipassen, aber es gab schonmal nen kleinen Vorgeschmack auf das was noch kommen sollte und eine gute Probe wars auch. Es handelt sich immerhin auch ums wildere Hinterland =). Nach Plan sollten es 6 km sein, welche ich zur Bungaree Hut zuruecklegen muesse, was nach Plan mit 3h angegeben ist. Ab und an liess es sich nicht vermeiden mitten durch die Bruehe durchzuwaten, was dank meiner Regenhose auch das Meiste abgehalten hat, zumindest kam nichts von dem Matsch in meine Schuhe, obgleich sie natuerlich nass wurden, innen wie aussen. Da es sich um huegeliges Terrain handelt war es auf hoehergelegenen Ebenen deutlich angenehmer zu laufen, da sich die Wege als halbwegs ‚fest‘ entpuppten. Sehr nervig waren allerdings die Abstiege von den Huegeln, die teils wirklich steil werden konnten und matschig obendrein waren, dafuer natuerliche Stufen aus Wurzeln besassen, die wirklich festhielten und runter zu kleinen Baechen und Fluessen fuehrten, um danach wieder im Matsch aufzusteigen. Das schluckt Zeit und vorallem auch Geduld, da man sich auf der Karte mittem im Wald nicht orientieren kann. Man weiss nicht welcher Fluss/Bach in der Karte eingetragen ist, da ich deutlich zahlreichere ueberquert habe als eingetragen waren.

Der Wald selbst ist traumhaft schoen! Ein richtiger Maerchenwald nur kaum Voegel dort die einem ein Liedchen traellern. Da es keine heimischen Saeugetiere in Neuseeland gibt, nur eingefuerhte Rehe und Possums, sowie Ratten und Nutzvieh, ist auch nicht allzu viel zu erwarten, aber selbst Insekten, abseits der altbekannten Sandflies, hab ich kaum gesehen.
Dennoch Baeume die die Bezeichnung Baum auch verdienen. Alte, dicke, mit Moos bewachsene Staemme, die teils horizontal gewachsen sind und auf denen bereits schon andere neue, junge Baume gewachsen sind. Einfach traumhaft. Das entschaedigt wieder fuer den anstrengenden Weg. Ein richtiger Urwald wie er im Buche steht.
Dennoch interessant wie fremd man sich dann doch in dieser perfekt eingespielten Einheit vorkommt. Wir komplett ausgeruesteten und selbstueberschaetzten Menschen sind halt doch schon lange kein Teil dessen mehr.
Es wurde dann mit der Zeit auch immer dunkler, da es eh den ganzen Tag bewoelkt und der Wald tief und dicht war, ward es auch viel frueher dunkel als es ohnehin schon wurde. Die Wolken, der Regen, der Schatten des dichten Waldes, die Orientierungslosigkeit, der Matsch, die Wurzeln – all das Trug dazu bei doch in Panik zu geraten, was in dieser Situation das wohl schlimmste ist. Zurueck konnte und wollte ich nicht, also blieb nur die Flucht nach vorne. Ich wusste dass es mittlerweile nicht mehr weit sein konnte, was ich mir allerdings auch schon seit einer Stunde herunterbetete, wo ein Huegel den naechsten jagte. Dennoch versuchte ich mich selbst zu beruhigen. Solange noch ein Funken Leben und Wille in mir vorhanden war, wuerde ich weitergehen und zur Not auch zur Huette kriechen. Dann endlich! Im Wald stockduster – ich uebertreibe nicht, ich konnte rein gar nichts sehen und ich dachte ich haette meine Stirnlampe in Dunedin vergessen – hoerte ich Wellenrauschen! Ein gutes Zeichen, denn ich wusste, dass die Huette an einer Bucht steht. So konnte es nun wirklich nicht mehr weit sein. Mit letzten Kraeften musste ich dann wirklich kriechen, da der Matsch und die Wurzeln auf zwei Beinen zu gefaehrlich waeren. Auf allen vieren gings den letzten Hang hinunter bis zum Strand, wo ich in der Ferne ein Kerzenleuchten sah!

Gott was fuer eine Erleichterung! Nun konnte man auch ein wenig Daemmerlicht sehen und einen relativ entspannten 15 bis 20 Minuten Walk am Strand machen um endlich seine wohlverdiente Rast zu geniessen! An der ‚Bungaree Hut‚ angekommen – die anderen dort gingen gerade zu Bett – legte ich mich erstmal auf die Sitzbank und waermte mich am gut durchgeheizten Ofen um dann einen kleinen Snack zu mir zu nehmen und das Geschehene nochmal zu rekapitulieren.
Eins wuerde fest stehen. Den naechsten Tag sollte ich dort verbringen, allein schon um meine komplett durchnaessten Sachen zu trocknen. Alles natuerlich durch Schweiss, welcher durch mein Shirt und dem darueberliegenden Pullover ging und von meiner Regenjacke auch davon abgehalten wurde auszutreten. Ich war fix und fertig und bin danach nur noch ins Bett gestolpert, wo ich schon damit rechnete krank zu werden. Genug Potential gab es und da ich dann noch drei Schweissausbrueche bekam bevor ich jeweils einschlief und staendig pissen musste, war dies der zweite Grund noch ne Nacht hier zu residieren.

Am naechsten Morgen bzw. Tag dann gings mir aber ausgesprochen gut. Meine Muskeln, die am Tag zuvor teils auch Krampfe erlitten, konnten sich ausruhen und waren entspannt. Ein weiterer Wanderer wuerde noch eine Nacht dort verbringen, der kam allerdings aus der anderen Richtung und musste den Weg zurueck anlegen, da er sich verletzt hatte. Rory Hart war sein Name. Seines Zeichens Geologe (auf Eiszeiten spezialisiert) und vor Stewart Island den Te Araroa gelaufen, NZ laengsten Wandweg mit 3.000 km vom Cape Reinga auf der Nordinsel bis nach Bluff auf der Suedinsel. Auf seinem Blog schildert er auf Englisch seine Reise und Erfahrungen. Bei Bedarf kann man mal vorbeischauen, hier der Link dafuer. So unterhielten wir uns ein wenig darueber und auch dass mein Proviant zwar gut sei, aber zu schwer und er mir riet das naechste Mal auf Trockenfutter umzusteigen was ich quasi nur noch ins Wasser werfen und erhitzen muss. Spart deutlich an Gewicht und ist besser als meine Nudeln und Reisgerichte. Alles in allem also gut vorbereitet, schlecht ausgeruestet^^. Den Rest des Tages verbrachte ich mit Lesen und etlichen Bildern von der Geologie dort machend, womit ich euch aber verschonen werde. An dieser Stelle endet dann der zweite Tag und am naechsten sollte es mit neuer Crew weitergehen! Aufgeben – das wollte ich nicht mehr, bzw. gegen mich verlieren. Ich hatte immer noch die Sache mit Schottland im Kopf was ein guter Motivator ist.

Auf den Bildern seht ihr noch ein Possum im Baum, welcher in Neuseeland zu plagen geworden sind, und eine Katze im Gebuesch. Diese werden vom DOC toleriert, da sie Ratten fressen, eine weitere eingefuehrte Plage. Dennoch koennen sie natuerlich auch Voegeln nachstellen, allen voran Kiwis, die flugunfaehig sind.

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