05 Fruit picking in Cromwell

Sonntag, der 18. Januar 2015

Da wir nun einen Tag frei bekommen haben, werde ich mich mal nach 2-woechiger Abstinenz wieder um meinen Blog kuemmern und den hungrigen Leser mit neuen Informationen meiner Person und meinen Erlebnissen betreffend zu versorgen.

Allzu viel zu berichten gibts in den zwei Wochen eigentlich auch nicht, da das Prozedere immer dasselbe ist. Als wir also in Cromwell gestartet sind, hiess es dann von jetzt auf gleich frueh aufstehen, was schonmal gar nicht mein Ding ist^^. Am ersten Arbeitstag sollten wir um 7 Uhr anwesend sein, weshalb wir den Wecker grosszuegig ne Stunde und fuenfzehn Minuten frueher stellten, um auszutesten wie viel Zeit wie benoetigten. Immerhin mussten wir unsere Kadaver ersteinmal aus dem Bett hieven (was angesichts der vorangegangen Faulenzer-Zeit durchaus schwer faellt), Essen fuer den Tag machen (Sandwiches mit Salat, Schinken, Kaese, Zwiebeln und wahlweise Tomaten) und letztlich das Auto umpacken. Als diese Huerden dann geschafft waren ging es auf zur Arbeit, wo wir erstmal Einweisungen bekamen und in den ersten Tagen auch viele Fehler machten, was aber voellig normal ist.
Nzcherry Corp. selbst hat nach eigenen Aussagen mit 40 Hektarn die groesste Obstplantage Neuseelands und soweit ich weiss besteht alles aus Kirschbaeumen. Hier nen Job zu ergattern ist nicht schwer, auch nicht wenn die Saison schon begonnen hat und alle anderen Plantagen bereits voll sind. Fragen kann man immer. Zwar finde ich es daemlich, dass man sich vorher online bewerben muss, aber sobald dies getan ist, kann man auch persoenlich vorbeikommen und alles weitere klaeren, was immer besser ist. Bezahlt wird man nach Eimern die man gefuellt hat, so gibt es 6 Dollar fuer jeden. Es soll auch 8 und 10 Dollar „Baeume“ geben, wobei wir beisher nur von ersterem was erfahren haben, und wie sich rausstellte war das auch ein Fehler seitens der Administration, heisst das sollten eigentlich normale 6 Dollar Baeume sein, das Geld haben wir dann aber doch bekommen =).

Die Arbeit selbst ist physisch nicht sonderlich anstrengend, eher psychisch, da man nur ab einer bestimmten Groesse und Farbe pfluecken darf, dazu muessen sich die Stile an den Kirschen befinden und sie duerfen keine Schaeden aufweisen. Ferner darf man sie selbst nicht in den Eimer „werfen“ oder fallenlassen, sondern muss sie so behutsam wie moeglich legen. Auch duerfen keine doppelten oder aehnliche Kirschen in den Eimer, heisst sie muessen immer am Stil voneinander getrennt werden.
Dazu kommt, das einige Baeume einfach zu kleine Kirschen haben, was dann absolut keinen Spass macht die groesseren rauszupicken, weshalb man auch selbst unmotiviert wird, denn jede Minute die sinnlos verstreicht bringt weniger Geld.
Ein weiterer Faktor ist die Hitze die waehrend des Tages aufkommt. Da wir in einer Halbwueste liegen, ist es Nachts bzw. Morgens durchaus recht kuehl, geschaetzt geht die Temperatur bis 4 Grad runter, da man schon den Atem sehen kann. Am Tag heizt sich die Ebene dann bis zu 30 Grad auf und bei 28 Grad hoeren wir auf zu pfluecken, da die Kirschen sonst zu weich sind und sich fuer weitere Prozessionen nicht mehr eignen. Auch ein Grund warum wir frueh anfangen, seit eineinhalb Wochen immer um sechs Uhr.

Wir versuchen natuerlich immer soviele Eimer wie moeglich am Tag zu ergattern, mein Rekord waren 35 und Mikes 42, was schon das obere Mittelfeld darstellt. Im Schnitt bin ich aber zwischen 25 und 30. Die erste Woche war dahingehend, natuerlich erstmal Eingewoehnung, wo man auch nicht mit allzu viel rechnen musste, aber mit der Zeit, wenn man dann die Routine rein- und auch Baeume mit groesseren Kirschen serviert bekommt, geht alles viel schneller, sodass man sich u.a. auch mit 6 Eimern in der Stunde belohnen kann. Dies laesst sich natuerlich auf Dauer nicht halten, da alles auch abhaengig von den Baeumen ist, wie gut diese vorher ausgeduennt wurden und wie gut sie sich mit der Leiter erreichen lassen. Von daher kann es sehr stark fluktuieren. Die zweite Woche lief dann verhaeltnismaessig erfolgreich, sodass wir beide um die 1.200 Dollar, Mike wohl 1.300 Dollar, gut gemacht haben.
Es gibt hier auch echte Profis aus Kanada, die am Tag ihre 50 + Eimer vollmachen. Die machen das aber auch schon seit Jahren und folgen den Jahreszeiten um die Welt und verdienen pro Woche 2.000 bis 2.500 Dollar, was sich in einer 4-woechigen Saison durchaus sehen lassen kann^^. Kurzum die verdienen sich nen reiches Naeschen :D. Dennoch bin ich mit meinen Erfolgen durchaus zufrieden. Mit Beginn der dritten Woche allerdings stagnieren diese, denn ich habe absolut keine Lust mehr. Die Hitze am Nachmittag (teilweise haben wir vor 12 frei bekommen, da die Temperatur bereits zu hoch war), und der Schlafmangel (wegen der Hitze nur 6-7 h am Tag) schlauchen mit der Zeit zu sehr, Auch dass wir jeden Tag ranmuessen und in der Zeit bisher nur 2 Tage frei hatten tut sein uebriges. Alles was ich jetzt verdiene ist quasi ein plus auf dem Konto.

Gluecklicherweise habe ich noch rechtzeitig meine IRD Nummer bekommen. Die ich kurz vor Sylvester beantragt habe und dann schon eine Woche spaeter telefonisch abfragen konnte, So habe ich auf meinem ersten Gehalt keine 45% Abzug bekommen, sondern nur gute 12%, so wie es sich gehoert. Zwar waeren die 45% auch nicht verloren, da man diese als backpacker am Ende des neuseelaendischen Stuerjahres zurueckfordern kann, aber fuer den Moment wuerde doch ein grosses Loch in der Brieftasche klaffen^^.

Schoen fand ich im uebrigen auch von der Firma, dass wir an einem Tag, wo wir den Rekord an gepflueckten Kirschen gebrochen haben, am naechsten Tag Getraenke ausgegeben wurden. Ist zwar ansich nicht viel, aber bei mehr als 200 Helfern doch ne ganze Menge^^. Und das nachdem wir zwei Tage zuvor den schlechtesten Tag hatten, indem 70% der gepflueckten Kirschen Abfall waren, da zu klein, zu rot oder zu viele Druckstellen. Ich bin mir zwar sicher, dass meine so ziemlich in Ordnug waren, aber mal schauen ob sich das auf das Gehalt, was ich morgen bekommen werde, auswirken wird. Normalerweise sind sie aber sehr fair was man auch hervorheben muss.

Generell ist das gesamte Team klasse aufgestellt. Die ganzen Aufseher und Qualitaetspruefer sind selbst Backpacker und druecken hier und da mal ein Auge zu, zudem kann man mit jedem Spass haben, da alle gleich sind. Im Prinzip gibt es nur 2 Manager von der Firma, der Rest sind Saisonarbeiter. Aber selbst mit den beiden kann man seine Spaesschen machen und auch sie haben immer ein freundliches Ohr fuer einen. Einmal hatte ich durch den langen Arbeitstag und das staendige nach vorne Beugen mit dem 5kg Eimer voller Kirschen am Bauch Rueckenschmerzen bekommen, worauf mir dann auch die Manager nahelegten nach Hause zu gehen und mich auzukurieren, da meine Gesundheit wichtiger sei (natuerlich auch in dem Hinblick, dass ich sonst keine 100% mehr geben koennte^^). Fand ich klasse und hat meinen Respekt dann noch etwas mehr gesteigert. Klasse Arbeitsatmosphaere, ein Grund warum ich bisher noch nicht gekuendigt habe, worueber ich schon einige Male nachgedacht habe, aufgrund der weiter oben beschriebenen Umstaende.
Ein weiterer Pluspunkt den man der Firma gutheissen muss ist dass sie einen Wettbewerb asgerufen haben. Wer am Ende der Saison die groesste Kirsche gepflueck hat bekommt nen „grossen Preis“ ohne diesen aber zu spezifizieren. Bisher liegt der Rekord bei stolzen 4 cm im Durchmesser. Auch wenn mich dies nicht sonderlich interessiert, ist es natuerlich ein Ansporn fuer jeden. Psychologie vom feinsten :D.

Der Campingplatz hier ist nun doch nicht sooo schlecht wie ich ihn damals beschrieben habe, zwar hat sich an der Situation nichts geandert, aber ich sehe es jetzt etwas nuechterner, da ich damals wohl zu gestresst und angepisst war und einfach alles verteufelte :D. Die Woche kostet 80$ was eigentlich billig ist und der Manager hier ist supernett und easygoing. Wir haben oefter mal nen kleines Plaeuschen und verstehen uns wunderbar. Das macht das Leben hier doch etwas ertraeglicher =). Dazu kommt dass alle anderen hier (wohl 95%) bei irgendeiner Plantage arbeiten und somit ab 10 Uhr Abends Ruhe herrscht. Partys werden zum See ausgelagert, sodass man wirklich auch seine Nachtruhe bekommt. Am meisten sind hier Argentinier und Chinesen vertreten (in dieser Reihenfolge), interessante Leute, alle nett und freundlich, allen voran aber auch froehlich, selbst wenn der Tag beschissen lief und die Hitze einem mal wieder den letzten Nerv raubt :D.

Jetzt habe ich noch eine Woche vor mir und danach – jetzt kommts – fahren Mike und ich nach Nelson hoch zu einem Festivel zu dem uns Daniela damals schon ueberreden wollte. Im Glauben, dass es sich nur um ein reines Musikfestival handelt, mit tausenden, schwitzenden, pogenden, Menschen lehnten wir dankend ab. Dazu kommt, dass wir weiter nach Sueden wollten und Nelson mit gut 700 km Strecke in genau die andere Richtung geht (Nordspitze der Suedinsel). Nun haben wir vor einigen Tagen von einem Argentinier erfahren, dass auch er dort hin will, so schauten wir uns die Website mal ein wenig genauer an. Und was wir dort entdeckten war grandios und genau unser Ding. Es gibt zahlreiche Workshops kostenlos, welche mit Themen wie Yoga, Meditation, Permakultur, Oeko, Musik und vielem mehr aufwarten! Eine Art Hippie/Alternativ/Oeko Festival natuerlich auch mit Live Musik. Das waere die ideale Moeglichkeit etwas fuer mein zukuenftiges Leben zu lernen also entschlossen wir und von jetzt auf gleich ebenso dorthinzugehen, allen logischen und vernuenftigen widerspruechen zum Trotz. Manchmal muss man sich halt einfach treiben lassen ;). Das Luminate Festival geht insgesamt 8 Tage und mit Ausnahme des Tickets (250 Dollar) fallen keine weiteren Kosten an. Man muss sich natuerlich selbst versorgen, aber auf dem Gelaende selbst ist alles kostenlos. Die Preise waren gestaffelt, so bekam man im November Tickets noch fuer 70 Dollar, wahrend sie – je weiter man zum Start hinkommt – teurer wurden. Dennoch ist der Preis echt billig und ich bin schon verdammt aufgeregt, vorallem auch weil wir dort Daniela und andere aus Christchurch wiedersehen werden. Zum Festival selbst wird es auch ausfuehrliche Berichte geben, die wohl mit zahlreichen Bildern bestueckt werden. Aber das kann dann noch ein wenig dauern.
Dieser Beitrag ist dann doch viel laenger geworden als ich dachte, sodass ich an dieser Stelle mal enden werde. Der letzte Absatz ist als kleiner Teaser zu verstehen^^. Viele Bilder gibts diesmal nicht, aber immerhin ein paar :D. Bis demnaechst!

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