01 Dunedin I

Donnerstag, der 19. Februar 2015

Nach dem kurzen Abstecher in Wanaka gings nun also endlich nach Dunedin, natuerlich wieder mithilfe meines Daumens. Dort angekommen suchte ich mir dann ein Hostel und entschied mich fuer das ‚Penny’s Backpackers‘, was nicht weit vom Zentrum der Stadt, dem sogenannten Oktagon (ist auch wirklich achteckig aufgebaut) entfernt liegt.
Kurz zuvor musste ich dann aber leider noch an mein deutsches Konto ran und Geld abheben, was ich eigentlich vermeiden wollte, aber anders gings erstmal nicht. So buchte ich fuer zunaechst zwei Naechte, da ich ja eigentlich woofen wollte, derzeit aber dort keine Kapazitaeten verfuegbar waren. So plante ich am naechsten Tag noch ein paar Hostels anzuschreiben und zu jenem zu gehen, welches mir Sterra (eine Niederlaenderin, welche wie Stefan mein Zeltnachbar auf dem Luminate war) empfohlen hatte und wo sie selbst woofen wollte. Das schoene am Pennys ist, das es a) billig ist (trotz guten Einrichtungen) und b) das Internet hier komplett kostenlos und unbegrenzt zur Verfuegung steht, sogar an acht Hauseigenen rechnern!

Als ich in der Stadt ankam, war es bereits nach sechs, dennoch entschloss ich mich ein wenig umzusehen und mir ein paar erste Eindruecke zu verschaffen. So entdeckte ich einige japanische Restaurants, wo ich in einem sogar zu Abend ass. Als Vorspeise gab es die beste Huehnersuppe die ich je gegessen habe (mit ordentlich Knoblauch!) und als Hauptgericht ne Ramensuppe, die jedoch nicht die traditionellen Zutaten aufwies, aber dennoch lecker war. Zu trinken gab es gruenen Tee, der letztlich nach einem Lob fuer das essen auf japanisch meinerseits, auch aufs Haus ging. Ich fuehlte mich dort sehr wohl und wollte unbedingt dort arbeiten, selbst fuer umsonst haette ich es gemacht, wenn ich nur etwas dort lernen wuerde was die japanische Kueche angeht. So hoerte ich auf mein Bauchgefuehl und fragte den Manager ob er jemanden gebrauchen koenne worauf er mir antwortete am naechsten Tag meinen CV (Curriculum Vitae = Lebenslauf) vorbeizubringen und dann alles weitere zu besprechen. Ich hatte auch echt nen gutes Gefuehl dabei, so machte ich mich voller Tatendrang daran diesen zu verfassen. Marc der Manager des Pennys half mir dann sogar noch zwei drei kleine Fehler auszumerzen.
Als es dann zu dem Gespraech kam stellte sich dann aber leider doch schnell raus, dass es nichts werden wuerde. Die offizielle Begruendung war mein Bart (lange Haare und so), aber der war den Tag davor auch schon vorhanden, also haette er es mir auch einfach sagen koennen^^. Ich denke eher, dass ich keine Erfahrung im Restauranwesen vorzuweisen habe, war der ausschlaggebende Punkt. Wie auch immer davon nicht entmutigen lassend, zog ich aus weitere Restaurants und Imbisse meinen CV vorbeizubringen, was jedoch auch keine nennenswerte Erfolge mit sich brachte. Ich entschied mich dennoch im Pennys zu verlaengern, da keine anderen Hostels mich als Woofer brauchen wuerden, hier selbst aber in ein paar Tagen was frei werden wuerde. Ich bekam sogar nen 2$ Rabatt pro Nacht (statt 22 mit BBH nur 20) und als ich nochmal zwei Naechte verlaengerte musste ich sogar nur 15 Dollar die Nacht bezahlen. Dann kam aber der Zeitpunkt wo ich endlich umsonst hier wohnte und fuer eine bis 1,5 h pro Tag die Betten machte bzw. Staub saugte. Gefaellt mir. Zwischendrin habe ich natuerlich immer weiter nach Jobs ausschau gehalten, jedoch auch weiterhin ohne Erfolge.
Irgendwann kam dann wieder der Punkt wo die hauseigenen Ueberzeugungen auf dem Pruefstand standen, so klopfte die Moeglichkeit bei McD zu arbeiten an meine Gehirnwand, was ich jedoch nach kurzem Ueberlegen und der Berufung auf meine Entscheidung in Christchurch sofort wieder verwarf, schliesslich hatte ich schon dort meinen Entschluss gefasst. Lieber suche ich Wochen lang weiter als meine Ueberzeugungen zu verraten und tatsaechlich klopfte danach das vermeintliche Glueck an die Tuer. Ich sah einen Laden der Kuechenpersonal, Kellner und dergleichen sucht, aber erst Anfang Maerz oefnet. Es handelt sich um nen Pizzaladen, an dem ich mal schnell anfragte wie es aussieht, mich vorstellte und sagte dass ich Erfahrung habe was Pizza machen angeht und generell gut im kochen und backen bin. Sie schien auch sehr interessiert, wuerde meinen CV weiterleiten und sich dann hoffentlich die Tage melden. Das war jetzt zwei Tage her, bis zum Ende der Woche warte ich noch, kommt bis dahin nichts, werde ich nochmal vorbeischauen.

Ansonsten habe ich auch schon ein wenig Dunedin inspiziert und bin recht angetan. Gefaellt mir wirklich gut das Oertchen und es laesst sich hier definitiv laenger aushalten. Es ist eine Studentenstadt, demzufolge auch recht jung und am Octagon selbst ist auch jeden Tag was los. Am Valentinstag (14. Februar), war auch ein kleines Strassenfest, mit vielen Fressbuden und auch Programm.
Dunedin ist klar im victorianischen Stil gebaut bzw. grosse Teile dessen. So sieht man ueberall wunderschoene Kirchen und Kathedralen, einen Bahnhof der mit schwarzem Basalt (aus Dunedin) und weissem Kalkstein (aus Omarama) gebaut wurde und die alten Unigebaeude mit derselben Bauart. Gerade die Uni und der Campus ist ein Besuch Wert, mit Ausnahme der nicht gerade einladenen Plattenbautuermen am Eingang des Gelaendes. Aber so ist es richtig schoen.

Ein weiteres must see ist das Otago Museum. Der Eintritt ist frei und es ist im Prinzip aehnlich aufgebaut wie jenes in Christchurch (Canterbury Museum – ich berichtete). Fasxiniert war ich von den Skeletten verschiedener Moas, ausgestorbenen, bis 3 m grosse flugunfaehige Voegel, welche von den Maori gejagt wurden. Echt beeindruckend. Auch der botanische Garten ist ein echter Augenschmaus, den ich bis dato jecoch nur zur Haelfte gesehen habe, da er viel zu gross war als das ich ihn zu der Zeit, zu der ich vor Ort war haette in Ruhe durchlaufen koennen. Sollte man sich also auch auf jeden Fall mal reinziehen, zumal es auch das ruhige Herz Dunedins darstellt. Die Uni ist im Norden, am Ende der Einkaufsmeile zu finden und der botanische Garten nochmal ein wenig weiter noerdlich dessen.
Die Einkaufsstrasse (Princess Str.) zeichnet sich im uebrigen aus zahlreichen kleinen Geschaeften und einer grossen Mall aus, mit vielen Asiaten, allen voran japanischen Restaurants, wie Eingangs schon erwaehnt.
Es gibt auch einige Buchlaeden hier, jedoch hauptsaechlich (neben dem sehr guten Uni Buchladen) Second Hand Buchlaeden, wo ich es mir mal wieder nicht nehmen konnte ein neues (altes) Buch zu kaufen…^^ Was ich in Nelson nicht machen konnte :D. So besorgte ich mir Narziss und Goldmund von Hermann Hesse auf English! Bevor ich dann weiter reise muss ich definitiv einiges nach Hause schicken^^.
Zurueck im Hostel hab ich dann selbst noch nen Amerikaner getroffen, welcher mir auf Anhieb sympathisch war und wie sich herausstellte liebt er Hesse genauso wie ich und ist generell sehr lesebegeistert! Wie ich hat er viel zu viele Buecher mit sich^^. Den einen Abend quatschten wir bis 2 Uhr morgens ueber Hesse, Mann, Nietsche, Thoreau, Emerson, russischer und irischer Literatur, Reisen und andere Sachen. Echt belebend einen Gleichgesinnten zu treffen! Zumal er auch denselben Namen wie ich traegt :D. Zum Ende schenkte er mir dann auch noch eines seiner Buecher, ein kleines Kompendium von Christopher Marlowe wo unter anderem auch die Ur-Version von Dr. Faust enthalten ist, auf die Goehtes Faust wiederum basierte. Btw. liebt er Deutschland und seine Literatur/Kultur! Ich hoffe wir bleiben im Kontakt, denn auch er will naechstes Jahr nach Japan =).Appropos Japan, so habe ich einen Englaender kennengelernt der ebenso naechstes Jahr nach Japan will und zufaelligerweise auch Geologe ist, wenn auch eher Hydrogeologe. Er sagte mir auch, dass er dort dann als Englischlehrer arbeiten will und das man dadurch gutes Geld verdient. Das brachte mich auf die Idee dies vielleicht auch in Angriff zu nehmen, als Hinterhand, falls ich nicht an einen Geologie-Job rankomme, was hier auch nicht zu machen ist. Ich habe vor in einem Volcano Observatory anzufragen um vielleicht eine Art Praktikum zu verrichten und so meinen Kenntnisstand zu erweitern und zudem nebenbei Geld zu verdienen. Aber das ist fuers erste noch Zukunftsmusik. Um jedoch English unterrichten zu koennen muss man einen Kurs mitmachen, der wohl nen Monat lang laeuft und gute 1.000 Pfund kostet, zumindest in Cambridge, wo er es machen will. Waere zwar recht teuer, ist aber fuer immer gueltig und vielleicht gar nicht mal so verkehrt. Ich behalte es mal im Hinterkopf und werde mal ein wenig dazu recherchieren.

Ansonsten habe ich bisher noch nicht allzu viel gemacht. Die Otago Peninsula (Halbinsel), wo man u.a. Seeloewen, riesige Albatrosse und Pinguine sehen kann, steht noch auf meiner To-do-Liste. Ansonsten habe ich heute angefangen mein Englisch aufzubessern indem ich Vokabeln in der Bibliothek uebersetzt und gelernt habe. Das moechte ich die naechsten Tage ueber weitermachen und so einen besseren Wortschafts bekommen. Die Kommunikation selbst klappt zwar recht gut, aber bei tieferen Gespraechen fehlen mir im wahrsten Sinne des Wortes eben diese, was recht frustrierend ist. Demzufolge wird der naechste Beitrag wohl ein bis zwei Wochen auf sich warten lassen wenn nichts groesseres hier passiert; ebenso wie die Bilder die ich alsbald wie moeglich nachreichen werde.

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6 Antworten zu 01 Dunedin I

  1. Cidar schreibt:

    Ich wünsche mir bezüglich deiner Bartüberzeugung etwas zu erfahren :)

    Gibt es überhaupt eine Geschichte zu dem Bart? Ist er ein Teil deiner Persönlichkeit geworden und kannst du dich mit/über ihm/ihn identifizieren *provoke*? Hättest du überhaupt in Betracht gezogen, für den Job dort (den du anscheinend sehr gerne bekommen hättest) den Bart zu stutzen?

    • VagabundenReise schreibt:

      Nenn es nicht Ueberzeugung, nenn es Faulheit :D. Nein, spass bei Seite. Ich mag einfach nen langen Bart und mein Vorbild dahingehend war immer Shavo von System of a Down. Ich bin der Meinung das ein Bart einem Mann erst Charakter verleiht. Und ja ich wuerde ihn als mein Bestes Stueck bezeichnen :D. Und nein, ich haette ihn niemals abgeschnitten nur um nen Mindestlohn-Job anzunehmen, obwohl ich wirklich gerne dort gearbeitet haette. Aber nicht um jeden Preis^^. Lieber haette ich wie geschrieben, umsonst gearbeitet. Warum biste auf einmal so fasziniert davon? Hab den ja nicht erst seit gestern…^^.

      • Cidar schreibt:

        Ich hatte nach einem Vergleich gesucht, worüber ich lieber gesprochen hätte, als über den Physiker und weil du es hier in dem Beitrag erwähnt hast.
        Da fiel mir ein, dass ich gar nicht wusste, ob es für diesen Bart einen bestimmten Grund oder ein Vorbild gibt. Ein weiteres Mysterium wurde damit aus der Welt geschafft.

        Danke für die Erläuterung, dass ich allerdings 20 Minuten auf eine Antwort warten musste, ist ziemlich unverschämt!^^

  2. Sabrina schreibt:

    Von dem Bahnhof hab ich auch Bilder :) wenn du wieder da bist, dann tauschen wir mal richtig Bilder aus :)

    • VagabundenReise schreibt:

      Schade das die Dunedin ansich nicht so gefallen hat, ich liebe diese Stadt, erst recht wenn man auch ein wenig aus dem Stadtzentrum rauskommt, wofuer ihr aber zugegeben keine Zeit hattet. Koennte dann auf meiner Seite ne ganze Menge werden. Habe zwar meine 8gb Speicherkarte noch nicht ganz voll, dafuer noch 20gb dabei, und die wollen gefuellt werden^^.

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