04 Woofing – Newton Livery

Samstag, der 20. Juni 2015

Wollte ich nach meinem Aufenthalt in Hokitika noch in die Nelson Lakes um den 5 Tagestrip des ‚Traverse-Sabine Walks‘ anzugehen, kam ich beim hitchhiken nicht wirklich vom Fleck und musste ne Nacht in Reefton verbringen. Am naechsten Tag dann wurde ich ueberraschenderweise von nem jungen Paerchen mitgenommen, welches mich eingeladen hat auf ihrer Farm zu woofen. Da es zeitlich mittlerweile eh zu enge werden wuerde, was das wandern anbelangt, nahm ich die Einladung herzlichst an, erst recht als ich erfuhr, dass sie weitestgehend selbstversorgerisch leben. Ein Wink des Himmel!

Dort angekommen wurde ich auch erstmal allein gelassen, da beide nach Murchison fahren mussten und ihr Vater – dem der Laden quasi gehoert – ebenso abzog. Vorher meinte er jedoch ich solle mich wie zuhause fuehlen und das Feuer im Ofen im Gang halten. Ich war schonmal beeindruckt wie viel Vertrauen sie mir entgegenbrachten. Das Haus selbst ist sehr alt, mehr als 40 Jahre, was es aber auch sehr gemuetlich macht. Es zeichnet sich vorallem durch zahlreiche Buecher aus die Massenweise in Regalen stehen. Stephan (sprich Steven, der Vater) ist begeisterter Leser und hat alle dort bereits durchgenommen.
Die Kueche bildet mit der Wohnstube und dem Schlafzimmer von Stephan einen grossen Raum, welcher vom Kuechenofen (alter Holzofen) befeuert wird. Die Kueche selbst hat ne Menge Regale und sieht recht ueberfuellt aus, allerdings nur auf dem ersten Blick. Das Herz dessen ist natuerlich der bereits zweifach erwaehnte Ofen. Solch einen wie ich ihn auch spaeter haben will. Gekocht wird mit Feuer und das geht sogar erstaunlich gut. Haette gedacht das es laenger dauert bis Wasser anfaengt zu kochen, aber wenn das Feuer erstmal geschuert ist (und es brennt quasi den ganzen Tag), dauerts auch nicht laenger als mit nem Gas- oder Elektroofen. Hinterm Ofen befinden sich Rohre wodurch heisses Wasser in den Wasserhaehnen erzeugt wird und zudem auch noch ein Radiator beheizt wird, welcher in der Varanda steht. Ein gutes aber simples System. Wasser bekommen sie im Uebrigen von einem 1 km entfernten Bach, von wo aus Rohre verlegt wurden und somit das Wasser zum Haus transportiert wird. Sozusagen eine niemals endende Wasserversorgung, und das sogar umsont! Das erhitzte Wasser ist dann auch wirklich heiss und reicht auch aus um ne Badewanne zu fuellen.
Strom wird natuerlich auch selbst erzeugt so weit wie moeglich. Primaer durch Solarenergie. Da dies im Winter zu nem Engpass werden kann, gibts noch nen Diesel Generator, welcher die Batterien auflaedt. Bis auf den Diesel, also auch voellig umsonst!

Ferner haben sie auch Tiere auf dem Hof und einige Hektar an Wiesen. Stephan selbst ist Pferdezuechter und besitzt etwa 10 Roesser samt Fohlen. Zudem etwa 10 Kuehe (habs jetzt nicht gezaehlt), und gute 30 Huehner. Aus der gewonnen Milch stellen sie Yoghurt und auch Hartkaese her. Nicht in den Quantitaeten wie es auf Almen ueblich ist, nein gute rund 20 cm im Durchmesser grosse runde Kaeselaibe. Als ich da war trockneten sie gerade etwa 15 Stueck. Kann sich auf jeden Fall sehen lassen und schmeckt sehr gut! Waere ich laenger geblieben (ich konnte nur 2 Tage anbieten), haette ich vielleicht dabei helfen koennen welchen herzustellen. Nichtsdestotrotz durfte ich die Kuh melken, was anfangs natuerlich nicht so gut klappte. Aber mit der Zeit dann besser wurde. Die Zitzen der Euter fuehlen sich an wie Penisse und auch der Rest des melkens kam mir unnatuerlich vertraut vor^^.
Daneben gibts noch nen grossen Garten sowie nen kleineren Gemuesegarten. Im Grossen werden Mengen von Kartoffeln, Mais, Moehren Kohl und Knoblauch angebaut. Gluecklicherweise durfte ich dabei helfen den Knoblauch zu setzen. Das wird ne grosse Ernte, mehr als ich im Jahr esse und ich esse schon viel :D. So wie ich gelernt habe setzt man Knoblauch um den kuerzesten Tag des Jahres (auf der Suedhalbkugel der 21. Juni) und erntet um den laengsten Tag des Jahres (21. Dezember), auf der Nordhalbkugel waere es dann umgekehrt. Brot machen sie natuerlich auch selbst (aus Sauerteig), jedoch ohne eigenen Weizen, der wird naemlich nicht angebaut. Aber man kann ja auch nicht alles haben. Zumindest ist das Brot extrem lecker.

Andere Aufgaben bestanden darin, die Pferde mit Heu zu versorgen, sie zu saeubern und zu den Weiden zu begleiten, sowie beim Kochen zu helfen, Holz zu holen und alles was sonst noch so anfaellt. Nichts wirklich schweres, aber dauert halt alles seine Zeit. Leider habe ich es verpasst Bilder zu machen, was mich selbst etwas aergert… Aber naja. Insgesamt habe ich die Zeit dort mehr als genossen, und auch wenn mein Raum kalt war (da es nur im Hauptraum beheizt ist), waren die Naechte ausgesprochen entspannend. Komplette Dunkelheit, kein kuenstliches Licht und kein Laerm, obwohl die Farm direkt an der Strasse liegt, aber Nachts ist sogut wie kein Verkehr. Ich waere wirklich gerne laenger geblieben und konnte mir auch einige Inspirationen fuer mein kuenftiges Leben einholen. Stephan selbst hat mich dann auch noch nach Murchison gefahren von wo aus ich nach Norden gehitchhiked bin und eingeladen jederzeit wiederzukommen! An einen unserer Abende hatten wir uns gemuetlich bei im im Schlafraum am Kamin gesetzt, das Feuer prasseln gehoert und eine gemuetliche Gespraechsrunde gehabt. Zudem habe ich ne Menge gestrickt und von seiner Tochter – welche mich aufgelesen hat – gezeigt bekommen wie man Socken strickt. Der erste des Paares ist auch fast fertig und sieht schonmal geil aus.

Wenn jemand also eine gute woofing Erfahrung sucht, rund 15 km suedlich von Murchison findet ihr diese. Findet ihr auch auf der neuseelaendischen woofing website =).

2 Antworten zu 04 Woofing – Newton Livery

  1. Cidar schreibt:

    Das klingt mal richtig super. Hätte gerne deine Erfahrung von dort nach etwa 2 – 3 Wochen gelesen!
    Dein Dairy-Job war der einzige Grund für die 2 Tage oder hättest du sowieso weitergewollt?

    Weiterhin gute Reise!

  2. VagabundenReise schreibt:

    Richtig, der Dairy Job war mehr oder weniger der einzige Grund. Haette ich mehr Zeit waere ich laenger geblieben, aber Richtung Norden wollte ich dann sowieso, da es etwas ungemuetlich auf der Suedinsel wurde, obgleich ich Winter mag :D. Aber da das eh nur spontan war konnte ich nicht mehr Zeit aufopfern. Aber liebend gerne haette ich glernt wie sie Kaese machen. Zu dumm das ich es verpasst habe Bilder zu machen. Wie auch immer. Nen Beitrag zum derzeitigen Job wird folgen, frag mich aber nicht wann^^.

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