07 Die Sache mit den Jobs

Dienstag, der 9. Dezember 2014

Ich suche ja nun schon seit 2 Wochen nach einem Job und habe mich dabei hauptsaechlich auf das Backpackersboard bezogen. Ich hatte es einst in den Vorbereitungen vorgestellt. Trotz reger Bewerbung meinerseits kamen bisher nur etwa 10% der Anfragen mit einer Antwort zurueck und die fiel dann leider in allen Faellen negativ aus. Fragt mich nicht warum, ich habe verschiedene Moeglichkeiten durchprobiert, von Umformulierungen bis Aussparungen. Zumeist waren es ‚Dairy Farmen‘ die ich angeschrieben habe, aber auch eine ‚Animal Farm‘, die sich gerade ein Selbstversorgerleben aufbauen. Waere genau mein Ding um von denen zu lernen.
Ferner hatte ich mich letzte Woche bei eine der Zeitarbeitsagenturen beworben -„Tradestaff“ – um durch diese einen Job zu ergattern. Leider sagten sie mir, es sei derzeit schlecht, da die meisten Betriebe um Weihnachten fuer 2 Wochen dicht machen, was ich nicht wusste^^. Zur falschen Zeit am falschen Ort quasi. Damit loest sich mein Problem jedoch nicht, weshalb ich selbst auf die Suche gegangen bin und mich unter anderem bei Pak’n Save beworben habe (2. letzte Wahl, aber besser als nichts).

Dabei wollte ich eigentlich was konstruktives machen, etwas das auch nachwirkt und moeglicherweise dazu beitraegt Christchurch wieder aufzubauen, an der Motivation kanns also nicht liegen.

So sehe ich mich bisher noch gezwungen in Christchurch zu bleiben und meine letzten 55$ zu verbraten und mir anschliessend noch Geld von meinem deutschen Konto abzuheben, was ich eigentlich vermeiden wollte (es ist genuegend drauf, aber ich wollte ja eigentlich Geld verdienen). So ging ich auch verschiedene Optionen durch und eine war dann tatsaechlich auch fuer McDonalds zu arbeiten! Schande ueber mich, dass ich dies ueberhaupt erwaege! Da ich diese Gesellschaft nun schon seit geraumer Zeit auch boykottiere und dieser Boykott fuer 1,5 Jahre erfolgreich anhaelt, jedoch mit 2 Schwankungen waehrend meines Aufenthalts hier^^.
Und an einem dieser schwaecheren Momente sah ich dann, dass sie Nachtarbeiter suchen (von 9 Uhr Abends bis 6 Uhr Morgens) und ich begann zu ueberlegen wie und ob es sich mit meinem Wwoofen vereinbaren laesst (von 10-12 jeden Tag, ansonsten 20$ die Nacht). Ich rechnete mehrere Gehaelter durch und waegte anhand dessen ab, ob es sich finanziell ueberhaupt lohnt die Strapazen auf sich zu nehmen. Ohne Taschenrechner merkt man auch richtig das man kopfrechentechnisch verdammt zulegt^^.
Zudem kam mir dann auch der Gedanke, dass ich nur arbeiten und schlafen wuerde um meine Kroeten zu bekommen. Ich weiss nicht genau wie viel ich die Stunde dort verdienen wuerde, aber wenn es 20$ die Stunde waere, wuerde sich das ganze schon lohnen – typische Gedanken eines Kapitalisten wuerde ich sagen.

Aber genau dann kam mir die Erleuchtung – ok, vielleicht sollte ich eher Erkenntnis sagen, ich wollte es nur wichtiger und pompoeser darstellen :D – jedenfalls kam mir dann die Erleuchtung, dass ich dann ueberhaupt keine Zeit mehr fuer meine Hobbys haette. Mir gefaellt das leben, was ich hier bisher fuehre schon. Nur 2 h Arbeit, umsonst wohnen, jeden Tag die Gitarre schrammeln und dazulernen, mich mit den neugewonnenen Freunden unterhalten und Spaesse machen und und und. Wuerde ich dies annehmen koennte ich das nicht mehr (zumindest fuer eine bestimmte Zeit) und auf einmal lohnt es sich nicht mehr! Ich denke dies sind dann keine typischen Gedanken eines Kapitalisten mehr^^.

Zudem kam mir im selben Moment auch die Frage, was Momo dazu sagen wuerde; all seine Zeit in die Anhaeufung von Geld zu stecken und nicht in die Interaktion mit anderen Menschen, bzw. in seine Hobbys. Die Antwort liegt auf der Hand, erst recht fuer alle die das gleichnamige Buch von Michael Ende gelesen, bzw. die filmische Umsetzung gesehen haben.
Ich habs das erste und bisher letzte Mal vor einem halben Jahr gelesen – viel zu spaet! Haette ich es schon in meiner Kindheit erfahren, waere mir moeglicherweise die eine oder andere Entscheidung ein paar mehr Gedanken Wert gewesen, auch wenn ich es sicher in seinem gesamten Umfang noch nicht begriffen haette. Denn hier muss ich noch einfuegen, dass ich seit einiger Zeit nicht mehr impulsiv handle, sondern Dinge erst ausfuehrlich durchdenke und allen voran die positiven und negativen Dinge definiere, abwaege und aufgrund dessen eine Entscheidung faelle. Definitiv keine Gedanken eines Kapitalisten!

Auch in solchen Momenten wird man erst gewahr wie fest dann doch die Ueberzeugungen und Prinzipien wurzeln die man sich selbst gesteckt hat, naemlich nicht Sklave der Wirtschaft zu sein und moeglichst seine Unabhaengigkeit vom Geld zu erklaeren, sowie die daraus resultierende maximale Freiheit zu geniessen. In Zeiten wie diesen wo mich ‚dieser‘ Schlag trifft und ich merke die richtige Entscheidung zu treffen, macht mich das einfach gluecklich, auch wenn das fuer die Leser anhand des Beitrages vielleicht nur schwer nachzuvollziehen ist. Natuerlich wuerde ich meine Prinzipien verraten wenn ich dem verlockenden Angebot auf „viel Geld“ bei McD. erliegen taete. Vielleicht wird auch irgendwann die Zeit kommen an dem sich alles in Nichts aufloest und man seine gesamte Haltung ueberdenkt, aber solange man nicht aufhoert zu denken, wird man immer einen neuen verschachtelteren Weg finden, der einen letztlich zum Ziel seiner Traeume fuehrt. Dennoch wurde mir in diesem Moment auch klar was ich will, bzw. nicht will, naemlich meine Freiheit aufgeben und nur noch zu arbeiten und zu schlafen, und das eigentliche Leben an mir vorbeiziehen zu lassen. Absolut keine Gedanken eines Kapitalisten!

Klar koennte ich mir vorstellen auch viel zu arbeiten, aber ohne den Gedanken ausschliesslich fuer Geld zu arbeiten. Arbeit muss auch neben dem Geld fuer mich einen Mehrwert haben, sei es um mich herauszufordern, mir Neues beizubringen, mich zu fordern, oder einfach das Gefuehl zu geben was geschafft zu haben. All dies wuerde nicht auf den McD. Job zutreffen (btw. uebrigens auch das letzte was ich tun wuerde, bzw. das erste was ich nicht tun wuerde^^), weshalb dieser nach reichlicher und verlockender Ueberlegungen und der Darstellung hier wegfaellt und ad acta gelegt wird!

Dennoch besteht Grund zur Hoffnung, denn ab Januar bzw. Ende Dezember sollte ich hoffentlich einen Job als Fruitpicker in Otago ergattern koennen, wo ich mir dann hoffentlich ein wenig was fuer unterwegs verdienen kann und zudem ein paar neue Erfahrungen sammeln kann.

Passend zur Thematik gibts hier noch einen Song, der eigentlich auch passender nicht sein koennte. Der Beitrag ist jedoch nicht im direkten Einfluss dessen geschrieben worden und die getesteten Ueberzeugungen gibts auch schon laenger als ich diesen kenne^^. Der Songtext, samt Uebersetzung kann hier nachgelesen werden, sollte man sich auf jeden Fall mal durchlesen.

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