04 Banks Peninsula Teil I

Donnerstag, der 27. November 2014

Tja wo fange ich am besten an? Aufgrund der Laenge werde ich beide Tage separat verfassen, ist so glaube ich auch schon lang genug^^.

Also, ich bin gut an meinem Tagesziel angekommen, ein wenig lediert aber dennoch bei Kraeften^^.
Von Christchurch ausgehend bin ich fuer etwa 5 bis 6 km die ‚Colombo Street‘ immer gerade aus nach Sueden gegangen, wo dann die vor mir auftauchenden Berge immer hoeher und hoeher und mit abnehmender Distanz auch immer steiler und steiler wurden ;___; Da habe ich mir ja was vorgenommen^^, aber frisch ans Werk! Zwischendurch kam dann doch der kleine Teufel in einem durch der mich unbedingt dazu ueberreden wollte doch den Bus zu nehmen, zumindest bis zu den Bergen. Gluecklicherweise war dieser aber noch recht kleinlaut, es sollte ja gerade erst losgehen^^.

Als ich dann an den Bergen ankamn und es von Null auf Steigung ging, rieten mir einige Leute, welche ich nach dem Weg fragte, doch lieber zu trampen, was ich ja eigentlich eh schonmal machen wollte. Und schon kamen die Ausreden wieder an die Oberflaeche :D Unterwegs ist mir dann auch noch mein Brustgurt vom Rucksack aus der Halterung gesprungen (ist schon mal in Deutschland passiert, was nur mit viel Muehe und Not von einem Dritten wieder angebracht werden konnte) und ist seitdem funktionsunfaehig, was mir den Vorschlag des Trampens wieder sehr schmackhaft machte. Man muss bedenken, dass ich neben den 15kg Rucksack noch 3kg Wasser dabei hatte, ne Kamerad samt Tasche die auf den Rucksack geschnallt wurde und meine Gitarre die ebenfalls – mehr schlecht als recht – am Rucksack baumelte. Mit den Dingen zusammen musste ich die folgenden 900 Hoehenmeter ueberwinden.
Dennoch bin ich stolz, nicht auf die Vorschlaege eingegangen zu sein und dies auch nicht zu bereuen. Das Wetter war uebrigens grandios. Sonne pur, keine Wolken und heisse Temperaturen – eigentlich genau das was ich zum Wandern nicht brauchen kann, zumal ich mir in Folge dessen auch nen ordentlichen Sonnenbrand zugelegt habe^^. Weiter oben gabs dann zumindest starke Winde, was einem die Sonne nicht so hat merken lassen, besser wurde es dennoch nicht.
Auf etwa halben Weg zum Gipfel entschied ich ne Pause einzulegen und mich unter einer Eiche auszuruhen. Es war immerhin schon fast halb 12 und deutlich Zeit fuer eine kleine Siesta und Mittagspause. Von dort aus konnte man die gesamte Ebene, bishin zu den Alpen sehen, dank des guten Wetters. Dementsprechend sind auch die Bilder nur wird man die Berge denke ich eher als blaeulichen bzw. grauen Saum erkennen, da es auf die Distanz gesehen doch diesig wird.
Zum Mittag gab es dann nen Sandwich + Mandarine und ein wenig Schokolade, was ich mir in weiser Voraussicht am Tage zuvor noch besorgt habe. Eine gute Investition, da vorallem die Mandarine Gold wert war und richtig erfrischte. Die Schokolade hingegen den Zuckerspiegel anhob, denn gerade Zucker braucht man unterwegs, neben Wasser natuerlich. Das hab ich damals in Tadschikistan am eigenen Leib erfahren^^.
Mit der Zeit war dann mein Koerper wieder runtergekuehlt und der Schweiss getrocknet. Gerade in der Mittagshitze zu laufen ist sicher nicht das kluegste was man tun kann, aber immerhin musste ich weiter und Wolken waren nicht in Sicht. Zumal starke Winde bei Schweiss auf der Haut auch nicht gerade foerderlich ist, aber da ich generell ein sehr gutes Immunsystem besitze, habe ich mir dahingehend erstmal keine Sorgen gemacht.

Alles in allem laesst sich vorallem auch sagen, dass ich den Weg und die Distanz bei weitem unterschaetzt habe, was mitunter auch an der miesen Karte lag, denn die, welche mir die Tante vom DOC in Christchurch mitgab, ist maximal ne grobe Ubersichtskarte und zum wandern absolut nicht zu gebrauchen. Zudem gibt es unzaehlige andere Wanderwege die von dort abgehen und nicht in der Karte verzeichnet sind. So waren es zur Huette letztlich 40 km, statt der von mir veranschlagten 25, was ich aber auch erst Stueck fuer Stueck unterwegs erfahren habe; als ich nach dem Weg fragte^^.
Nach der Mittagspause ging es dann weiter durch den Victoria Park, welcher durch seine zahlreichen Baeume ne Menge guten Schatten spendete. Zwar waren die Tracks dort zahlreich, schlecht ausgeschildert (wie generell hier) und sehr steil, dafuer wuchsen an den Wegesraendern aber erstaunlich viele Johannisbeeren, die allerdings noch gruen waren. Schade, ein paar Wochen spaeter und ich haette wahrlich schlaemmen koennen^^. Der Victoria Park liegt uebrigens nicht ganz oben auf den Gipfeln, sondern am Hang, also immer noch ein wenig zu laufen bis zur ‚Summit Road‘.

Nachdem ich aber dann endlich die 900 Hoehenmeter bezwungen habe, musste ich mich erst einmal ausruhen. Am ‚Sign of the Kiwi‘ angekommen – praktisch eine alte Raststaette die aber durch das Erdbeben beschaedigt wurde und seitdem nicht genutzt wird – fragte ich mich erneut nach den Weg durch und hoerte, dass es noch gute 25km seien, obwohl ich dachte, ich haette nur noch 15 zu laufen… Aber gut, jetzt war man unterwegs und die Landschaft sollte so einiges entschaedigen. Allein schon der Blick auf die ‚Governors Bay‘, an der auch Lyttelton liegt ist atemberaubend, vorallem wegen des tuerkisblauen Wassers. Ab hier muss ich dann gestehen, dass ich sogut wie keine Bilder mehr gemacht habe. Das Gepaeck samt Schwerkraft haben sich dann nun doch noch bemerkbar gemacht, sodass ich keine Musse hatte in den Pausen auch noch staendig den Apparat zu zuecken. Darum lasst mich ein wenig die Landschaft beschreiben.
Zuersteinmal ging der Weg entlang des Kraterrandes. Die ‚Banks Peninsula‘ ist ein Gebilde, entstanden durch zwei grosse Vulkanausbrueche vor etwa 6 Mio Jahren. Der eine Krater ist dort zu finden wo ich gerade lang ging und der andere in Akaroa. Wenn man ne Karte der Banks Peninsula vor Augen hat, sieht man auch die beiden grossen Buchten. Darum hiess der Weg auch ‚Crator rim walk‘ (Kraterrandweg). Die Vegetation oben an den Haengen war hauptsachelich buschdominiert, allen voran Fingerhuete und zahlreiche ginsteraehnliche Pflanzen mit gelben Blueten, die sehr viel der Flaeche bedeckten. Auch viele Graeser und andere Pflanzen waren zu sehen. An den Haengen, wo es runter zur Bucht/zum Krater ging, waren diese sehr steil aber auf den luv-Seiten gab es vorallem auch Viehweiden. Der Duft des Fruehlings drang einem in die Nase, nur der Wind hat nicht so richtig da rein gepasst. Teils so stark, dass er mich durch mein Uebergepaeck richtig auf die andere Strassenseite drueckte und es muessig war dagegen anzukaempfen. Dennoch hatte auch dieser sein gutes, denn das Gras bewegte sich so wellenartig uber die Haenge, geschmeidig und sanft wie ein Meer. Ich haette mich am liebsten dort hineingelegt.

So ging es den ganzen Weg der ‚Summit Road‘ entlang, wobei in der Ferne die Ebene und die Alpen zu sehen waren. Wie bereits auch angesprochen, ist die Beschilderung hier recht mies und man kann eigentlich nur vorankommen wenn man unterwegs Leute fragt. So musste ich dann irgendwann die 900m wieder runter zum ‚Gebbies Pass‘, auf der Innenseite des Kraters (remember: nervige Winde!) und der Strasse folgend. Nur war ‚Gebbies Pass‘ nirgendwo ausgeschildert! Selbst als ich da war konnte mir nur jemand bestaetigen, dass es sich darum handelt, eben weil er es wusste. Zu der Zeit hatte ich auch nur noch etwa 2,5h Licht. Das bedeutet ich bin bis dato gute 9,5h gelaufen. Zu der Zeit wollte ich meine Beine schon laengst in der Huette hochgelegt haben^^. Da ich dann zu allem Ueberfluss auch den ‚Packhorse Track‘ nicht gefunden hatte, welche mich zu eben dieser fuehren sollte, musste ich mir was ueberlegen. Laut Karte sollte der genau gerade aus liegen, da war jedoch nur ‚private property‘ auf dem man nicht gehen konnte.
Da auch das Licht dann langsam knapp wurde und ich quasi keine Ahnung hatte wo ich hin muss, entschied ich mich dann doch Richtung Highway nach Sueden zu gehen, um nach Akaroa zu trampen. Selbst eine Frau die ich im Auto anhielt konnte mir nichts genaueres sagen, aber sie meinte dass ich in die andere Richtung muesse (quasi in diejenige die zur Bucht fuehrt. Mein Ergeiz flammte auf und obwohl ich nicht wusste ob sie Recht hat, oder nicht und wo ich eigentlich lang musste, hab ich es drauf angelegt, allen Zweifeln und Vernunft zum Trotz und bin auf die Suche nach den Track gegangen.
Und tatsaechlich! Nicht weit vom ‚private property‘ ging nach rechts nen Weg ab der sogar ausgeschildert war als ‚Packhorse Track‘. Auf die Idee haette ich auch vorher kommen koennen, einfach mal ein wenig Ausschau zu halten. Auf der Tafel stand, dass man etwa 1,5h benoetigte, also keine Zeit zu troedeln, denn in der Daemmerung auf irgendwelchen Tracks zu sein ist nicht gerade foerderlich.

Wenn ich nicht wuesste, dass irgendwo vor mir eine Huette fuer die Nacht laege, dann waere ich wohl auch hier verzweifelt :D. Dieses Mantra: „Du wirst heute noch die Huette erreichen“ hat mich ueber Stunden hinweg begleitet^^. Nun musste ich die zuvor abgegangenen 900 Hoehenmeter wieder hinauf, und das bei schwindenen Tageslicht in voller Montur und keinen Boecken mehr meinen Kadaver da hoch zu schieben. Doch der Wille war ungebrochen und das einzige was mich voranbrachte. In der Hinsicht scheine ich doch grosse Fortschritte gemacht zu haben. Da auch der Track beschissen ausgeschildert war und ich mich hier mitunter auch verlief, hab ich mich an manchen Stellen schon ein wenig wie Ryoga aus Ranma 1/2 gefuehlt, oder alternativ Zorro aus One Piece, ist fast das gleiche nur in gruen! Baem! Das hat mal gepasst :D.
Aber ganz so dusselig bin ich dann doch nicht und so habe ich irgendwo am Waldesrand nen kleinen Trail gesehen, der sogar nen Schild beinhaltete und steil nach oben fuehrte. Als ich dann ne gewisse Hoehe erreichte, wollte ich nur noch ankommen, sprichwoertlich gekrochen bin ich und eine Pause jagte die naechste. Durch den Wald dann durch, ging es an nem Hang entlang, dessen Weg etwa nen halben Meter breit war und es nach links ziemlich steil nach unten ging. Zeit sich nochmal zu konzentrieren, was zugegeben nicht gerade einfach war^^. Hier runterfallen – so kurz vorm Ziel – wollte ich dann auch wieder nicht.

Nach weiteren 20 Minuten hab ich es dann endlich geschafft und bin mit der Daemmerung an der Huette angekommen! Waren das innerliche Freudenspruenge als das langersehnte Ziel endlich in Sicht kam! 12 fucking Stunden unterwegs, aufgescheuerte Innenwaden, eine aufgescheuerte Huefte durch den leicht laedierten Rucksack, nen kaputter Brustgurt, Kraempfe in den Beinen und letztzlich Plattfuesse, und dennoch angekommen! Achja, den Sonnebrand hatte ich ja schon erwaehnt^^. Alles in allem also eine schoene Tour :D. Auch wenn ich sie niemals begonnen haette, wenn ich wuesste was mir bevorstuende. Aber die duemmsten Bauern ernten ja fuer gewoehnlich die dicksten Kartoffeln und manchmal will man auch gar nicht wissen was einem erwartet, da es dann doch die Aufbruchsstimmung daempft bis erstickt. In der Huette selbst habe ich mir dann erstmal ein Feuer angemacht und meinen Schlafsack ausgebreitet. Strom haben sie dort nicht, nur Kerzen, weshalb ich schoen romantisch meinen Tagebucheintrag schrieb. Ich war uebrigens der einzige dort.
Nach ner halben Stunde ging ich dann zufrieden und fertig ins Bett in der Hoffnung besser und laenger zu schlafen als in der Nacht davor. Alles in allem kann ich die Tour aber jedem empfehlen, sofern ihr nicht allzu viel Gepaeack dabei habt und viel Zeit mitbringt. Von der Landschaft her war es jeden Meter und jede Strapaze Wert.
Das war dann der erste und der Loewenteil meiner geplanten Tour. Bei der zweiten sollte es dann ganz anders kommen, wie? Das folgt im Teil II =).

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2 Antworten zu 04 Banks Peninsula Teil I

  1. Cidar schreibt:

    Ich hinke den Einträgen minimal hinterher.
    Wahrscheinlich wünsche ich dir auch erst in einigen Tagen ein frohes neues Jahr :P

    Sehr schöne Geschichte und Bilder, die englischen Zusammenfassungen las ich schon vor einiger Zeit, aber das ausführlich ist schon noch um einiges interessanter.

    ‚Ich würde diese Reise auf keinen Fall noch einmal machen, wenn ich wüsste was mich erwartet!‘ – ‚Ich empfehle allen, diese Tour einmal zu gehen *evil laugh*‘

    Übrigens erstaunlich. Das Übersehen des Schildes kann sehr einfach der Anstrengung zugeschrieben werden, aber sich dann noch zur Hütte zu schleppen und dort auch anzukommen – von dem was ich las: beachtlich!

  2. VagabundenReise schreibt:

    Minimal ist gut^^. Ich glaube ich schreibe einfach zu viel :D. Ja, ansich war die Tour exrtrem schoen, aber ist halt auch ne Sache der Psyche. Haette ich vorher gewusst wie anstrengend es wird, haette ich es wohl von vornherein ausgegrenzt. So kann man aber – wenn man jungfraeulich herangeht – seine eigenen Grenzen austesten und die waren bei mir kurz vorm erreichen^^.

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