Tag 7: Schwefelwasserstoff

Mittwoch, der 14. August 2013

Die letzte Nacht war einfach nur bombig, dafür allerdings zu kurz^^. Nach dem Frühstück haben wir noch mal alle Infos zur „Insel“ zusammengetragen und uns die Wand erneut angeschaut. Es ist immer wieder erstaunlich zu was die Natur in der Lage ist hervorzubringen, oder vielmehr ist es erstaunlich wie begrenzt doch unsere Vorstellungskraft ist. Insebsondere am heutigen Tag haben wir wieder eine ganze Menge gesehen und unvergessliche Eindrücke gesammelt.

Schon etwa 5 Fahrtminuten von unserem nun geräumten Campingplatzes in Ásbyrgi entfernt haben wir eine – durch ein Erdbeben induzierte – Abschiebung gesehen. Wir hielten nur kurz, darum konnten wir nicht direkt das Gestein näher betrachten, aber es handelte sich eh nur um Basalt. Das Wetter hielt sich insgesamt sehr gut, auch wenn die meiste Zeit über Wolken am Himmel zu sehen waren. Regnen tat es nur selten und wenn dann nur recht kurz. An dieser Stelle will ich die Wolkenformen mal hervorheben. So viele verschiedene ästhetische Wolken wie hier hat man in Deutschland nicht. Jeden Tag könnte ich zig Bilder machen, da die Landschaft mit den Wolken komplett harmoniert. Bisher gab es nur am Ersten Tag eine geschlossene, strukturlose Wolkendecke, wie man sie aus Dtl. kennt, zumeist handelt es sich um einzelne große und kleine Wolken bzw. 2-3 Wolkenschichten übereinander, die dann doch immer wieder Licht in Sonderbarsterweise durchdringen lassen und man am Horizont schöne Regenschleier zu Gesicht bekommt; die im Sonnenlicht dann wieder Regenbögen hervorbringen. Solche eine hohe Regenbogendichte wie auf Island habe ich sonst auch noch nie gesehen. Fast täglich sehen wir mehrere, wenn man mal in Deutschland einen sieht ist man schon froh^^. Gerade für Wolkenfetischisten wie mich, ist es wirklich traumhaft hier und versüßt mir den Aufenthalt zusätzlich noch.

Anschließend ging es weiter für gut 40 Minuten in denen ich versuchte verpassten Schlaf aufzuholen, was im Bus immer mehr oder weniger gelang. Es hat zumindest ausgereicht um beim nächsten Halt wieder fit zu sein, denn der hat es in sich gehabt. Wir waren 2,5 km vom Dettifoss von gestern entfernt, jedoch auf der anderen Seite des Flusses. Dort wurde von diesem ein Schlackenkegel quasi in der Mitte durchschnitten was es nicht allzu oft auf der Welt gibt. Das heißt man hat ein kompletten Anschnitt dieses Schlackenkegels, nur hat man dies dann nicht gut gesehen da wir ja dazu auf der „falschen“ Seite standen. Wir haben sogar den Fördergang gesehen, auf dessen Zentrum wir auch standen! In dem Fall handelte es sich um Schweißschlacke, da beim Auswurf diese auf schon erkalteten Material fliegt und mit dem unterliegenden verschweißt wird. Dieser Kegel entstand durch eine Spalteneruption, ähnlich wie bei der Laki-Eruption.

Weiter ging es dann zum Krafla-Vulkan, ein Gebiet was noch recht aktiv ist, denn dort wird aktiv Schwefel, durch Ausgasen von H2S gebildet. Das gesamte Gebiet stinkt nach verfaulten Eiern. Übrigens ist H2S hochgiftig und tödlich, jedoch ist es hier wohl viel zu niedrig konzentriert, als das es irgendeinen Schaden anrichten würde.
Die Krafla hat auch ein Maar – also einen mit Wasser gefüllten Krater, der sogar eine kleine Eiszunge am Rand besitzt. Das Tiefblaue Nass wirkt sehr karibisch.
Der letzte Stop war das naheliegende Geothermiekraftwerk, in dem wir jedoch keine Besichtigung gebucht haben (dafür am Ende in Reykjavik), sondern einen Rhyolith/Obsidian Dom erstiegen! Obsidian ist dem ein oder anderen vielleicht als vulkanisches Glas bekannt. In seiner reinsten Form ist es tiefschwarz und in Bruchstücken Rasierklingen scharf. Es besteht aus SiO2 und zeigt einen muscheligen Bruch (siehe Bilder). Rhyolith ist das effusive/vulkanische Gegenstück zum Granit (= plutonisch, in der Kruste bleibend). Es zeichnet sich durch eine extrem hohe Viskosität (= Zähigkeit) aus und bildet daher nur sehr selten Lavaströme, die wenn dann auch eher eine geringe Länge aufzeigen. Zumeist bilden sie Dome aus, die den Förderschlot letztlich versperren.
Die Landschaft mit den Wolken und dem Myvatn (= Mückensee) im Hintergrund war sehr reizvoll, sodass neben mir, noch einige andere Bilder von sich dort oben haben wollten. Der Ausflug dorthin endete dann damit dass sich jeder ein Stückchen Obsidian (sehr gut verpackt, sonst schneidet es einem den Rucksack auf) mitnahm.
Als wir zum Bus zurückkamen ging es dann noch zu einer touristischen Attraktion die auf halben Weg zwischen Krafla und unserem Campignplatz beim Myvatn liegt, nämlich kleine Schlammvulkane mit Temperaturen von 80 bis 100°C und extrem stinkenden Ausgasungen. Auch dort entstanden ein paar beeindruckende Bilder! Schwefelablagerungen durften dank der Ausgasungen natürlich auch nicht fehlen, was man schon am betörenden Geruch gemerkt hat^^.

Von der Wanderung kaputt und mit müden Füßen sehnte ich mich danach endlich aus meinen Botten herauszukommen und Barfuß zu laufen, was immer wieder eine Wohltat ist, zumal ich an den Zehen jetzt auch kleine Blasen bekomme. Was diejenigen an den Hacken angeht, so tritt langsam das gleiche Phänomen ein wie beim Wandern letztes Jahr oder in Schottland. Sie sind nicht verheilt tun aber mitlerweile auch nicht mehr sonderlich weh. Vermutlich haben sich meine Füße einfach an den Schmerz gewöhnt.
Gute 5 Minuten später waren wir dann auf dem Campingplatz angekommen, welcher mitten in einem Pahoehoe Lavastrom liegt! Das ist mal was besonderes, wer herkommt, sollte unbedingt hier Campen. Mücken gibts – dank des Windes – momentan auch nicht, sonst haben wir auch Bilder gesehen wo das gesamte Gebiet hier verseucht von den Viechern war, weshalb wir alle extra ein Mückennetz mitnahmen. Ich dann mein Midgenetz aus Schottland, der ein oder andere dann eine Sturmmaske^^.
Zum Myvatn werde ich vielleicht demnächst noch was schreiben, der ist geol. nämlich von besonderer Bedeutung und verbirgt so manche Schönheiten. Zum Abendessen gab es dann diesmal Linseneintopf, was wenigstens selbst gemacht wurde, aber wer mich kennt weiss, dass ich Eintöpfe generell nicht gerne esse. Dennoch war es nicht schlecht und als der große Topf leer war, hat der Koch noch einige Würstchen für uns angebraten. Dafür das er 50 (! wir und ne andere Reisegruppe) hungrige Mäuler alleine stopfen musste, hat er das souverän gemeistert und fast alle von uns haben den Eintopf gelobt [Anm: was sich beim Essen in den nächsten Tage noch ins gegenteilige kehren wird^^].
Morgen gibt es dann ein weiteres Highlight, nämlich eine heiße Quelle an der Askja (Vulkan) mit angeblich perfekter Badetemperatur – denn das Baden ist von vornherein mit eingeplant gewesen, wann hat man auch schonmal die Möglichkeit in nem Vulkansee zu steigen :D.

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