Tag 05: Sa. der 08.09.2012

„Aufgabe? Point of no Return!“

Den ganzen gestrigen Abend und auch in der Nacht – im Halbschlaf – habe ich mir Vorwürfe gemacht, weil ich aufgeben will. Aufgeben kann jeder, durchhalten – egal wie es steht – nur die wenigen! Will ich nun den gleichen Fehler immer und immer wieder wiederholen? Oder will ich endlich über meinen Schatten springen? Ich wusste dass, wenn ich es nicht tue, ich meinen Traum vergessen könnte, denn selbst das worauf ich seit Jahren hinarbeite würde dann nicht durchhalten wenn ich jetzt nicht die Weichen dafür stelle und ein Zeichen an mir selbst setze.
Weiterhin ist mir dennoch klar, dass ich die 3 Wochen in Gänze nicht durchhalten werde. Dazu war mein Proviant von Anfang an zu knapp bemessen. Wenn ich sparsam bin und keinen Weg mehr finde meinen Reis zu kochen hält meine Nachrung noch 2 Tage. 3 Tage könnte ich noch durchhalten, danach wirds Enge. Auch hat sich jetzt meine Motivationslage geändert. Wollte ich Anfangs nur gemütlich chillen, werde ich nun 25-35 km am Tag schaffen müssen um Illmenau näher zu kommen. Da ich keine Ahnung habe wie weit es noch von hier ist (aber hoffe dass es nicht viel mehr als 100 km sind), werde ich erstmal auf den großen Inselsberg gehen, dort gibt es eine Gaststätte wo ich fragen kann. Zudem werde ich versuchen ein wenig meines Proviantes los zu werden, damit mein Rucksack leichter wird, also gemeint sind Zwiebeln und das Mehl, ggf. Reis. Vielleicht bekomme ich ihn da oben sogar gekocht.
Auf jeden Fall werde ich weiterlaufen, selbst wenn ich dann als Krüppel in Jena ankomme! Anders könnte ich mir das sonst nie verzeihen und würde mir ewig Vorwürfe machen. Es wird Zeit dass der Geist neue Maßstäbe bekommt und über den Körper obsiegt!
Die Nacht war im übrigen die Beste bisher. Übernachtet habe ich unterhalb des Großen Inselsberges in der „Brotterodaer Hütte“, was einfach nur einfach nur eine Schutzhütte mit halboffenen Wänden darstellt. Was mich erstaunte ist, dass es Nachts hier Totenstill war! Nichtmal der Straßenlärm den man sonst überall hört reichte hierher, eine wahrhaft ruhige Nacht. Zudem war es von den Temperaturen her angenehm, es war zwar kühl, aber ich habe nicht gefroren wie in der Nacht/am Morgen zuvor. Gegen 4 bin ich wohl aus meinem Schlaf erwacht der gute 8 h Nonstop durchgehalten haben muss.
Da ich nicht mehr richtig schlafen konnte bin ich aus dem Sack raus in meinen Mantel geschlüpft und habe mich auf den Schlafsack gelegt. War zwar nicht warm wie in diesem, aber aushaltbar, zudem auch weicher als nur auf der Isomatte. Auch habe ich – so denk ich zumindest – aus der Ferne einige Wildschweine „quiecken“ gehört. nsonsten war der Wald selber ebenso ruhig wie die Nacht.

So ging es dann wie beschlossen den Großen Inselsberg hinauf. Schon auf halber Strecke war die Aussicht in die diesigen Täler traumhaft schön. Endlich oben angekommen, war die Aussicht nochmals phänomenaler. Es war immer noch Morgen, gegen 9 muss es gewesen sein, und man hat richtig die Sonne durch die Wolkendecke durchstrahlen sehen! Allein dafür hat sich der schweißtreibende Aufstieg schon gelohnt!
Nach kurzer Orientierungszeit ging es dann Bergab und als ich unten war auch schon wieder Bergauf, was aber recht angenehm war. Ich merke immer mehr wie sich meine Kondition verbessert, auch wenn ich Bergauf noch immer kurze Stops einlegen muss ist es insgesamt doch viel flüssiger!

So ging es dann weiter denn mein heutiges Ziel ist es das gut 30 km vom Großen Inselsberg entfernte Oberhof, vom dem es noch geschätzte 15 km nordwärts nach Illmenau sind. Die Wege waren ziemlich lang, ohne großartig zu verzweigen wie es im ersten Teil der Strecke noch der Fall war. Zwischendurch habe ich immer wieder 5 Minuten Pause gemacht in denen es stets 2 Kekse und eine Scheibe Käse gab und natürlich was zu trinken :D. Mein letztes Doppeltoast mit Schinken hebe ich mir für Morgen auf, sofern es bis dahin noch keinen Schimmel angesetzt hat!
Weiter ging es dann bis zu den Ebertswiesen, an denen ich 15 Minuten Pause machte und dann den Rennsteig verließ um in den etwa 1 km entfernt gelegegen Bergsee einzutauchen! Die Sonne schien unablässlich und ich hätte eigentlich in meinen eigenen Saft schmoren können, aber ne Abkühlung und nach einer Woche mal wieder Wasser auf der Haut zu spüren konnte ich mir nicht entgehen lassen! Gesagt, getan! Es stellte sich heraus, dass der Bergsee Produkt eines alten Steinbruches ist, schönes klares Wasser hat und 6-13 m tief ist. Geschätzte Temperatur: 10-12°C, genau richtig. Natürlich waren noch andere Leute dort, die sich entweder entspannten oder grillten. Keiner schien jedoch versessen darauf zu sein ins Wasser zu springen. Eine schöne Kulisse und Fische im See rundeten den Aufenthalt ab. Danach ging ich zum Imbiss der gleich ein paar Meter weiter stand und kaufte mir von meinen verbliebenen 88 cents einen Snickers für 60 cent. War das geil! Und scheint auch gut vorzuhalten, denn Hunger hab ich nicht wirklich, zugegeben ist das auch erst ne Stunde her^^. Aber jede Kalorie zählt. Des Weiterin habe ich auf meinem Weg die ersten Blaubären überhaupt gefunden, die klein aber sehr lecker waren.
Nun sitze ich hier am Nesselberg (747 m ü. NN) und gehe in ein paar Minuten weiter. Es dürften noch etwa 15 km bis nach Oberhof sein, morgen gib es dann den Rest der Strecke. Was ich aber vorher noch loswerden will, ich habe keine Nussbäume gesehen, selbst Bucheckern waren nicht zu finden obwohl große Teile des Waldes Buchen sind. Dafür waren die Bären umso leckerer!

Etwa 2 km weiter, natürlich wieder Bergauf ;), kam ich auf eine große Wiese an deren Seite der Rennsteig entlanggeht, kurz vor einem erneuten Aufstieg machte ich rast da die Sonne ohne Gnade auf mich herabschien. Dort sah ich dann ein Schild „Thüringer Bergwacht – Essen, Trinken, Schlafen“ mit Pfeil, welcher quer über die Wiese zeigte. So beschloss ich mich dort nach den Weg von Oberhof nach Illmenau zu erkundigen und zugleich meine Wasservorräte aufzustocken, denn kurz zuvor habe ich meine dritte Flasche angefangen, die bis dato mit einer weiteren noch fest verschlossen war. 5 Minuten später kam ich schließlich an und war überrascht dort etwa 30 Leute vorzufinden – jung und alt, die nicht zur Bergwacht gehörten. So wurde mir auch gleich geholfen, was den Weg angeht, Wasser habe ich mir dann direkt aus der Quelle gezapft. Zudem habe ich mich dann noch ausgeruht und danach höflichst gefragt ob ich mir dort meinen Reis kochen dürfte. Meine Vorräte sind nämlich bedeutend geschrumpft. Die Leute waren alle so nett, dass ich sogar noch 2 Knacker kostenlos bekam! Eine habe ich vor dem Reis gegessen und die andere als Proviant eingepackt. Ich wurde sogar noch auf ein Stück Grillfleisch eingeladen was ich aber dankend ablehnen musste, da ich vom Reis mehr als Satt war (das erste mal auf der Reise). Letzte Nach (oder war es am Morgen?) knurrte sogar mein Magen mehrere Minuten lang^^. An dieser Stelle sei dem Team und den netten Leuten der Bergwacht, aufs herzlichste gedankt, auch wenn sie das vermutlich nie lesen werden.

Mich höflichst bedankend nahm ich nun die letzte Etappe auf mich. Hoch auf dem Berg (der quälend lang war) und dann immer gerade aus. Momentan befinde ich mich am Punkt „Wachsenrasen“ etwa 6 km von Oberhof entfernt. Ich mache dennoch hier für heute Schluss, da es schon 7 Uhr ist, die Sonne spätestens um 8 weg und es hier gemütlich ist. Ferner habe ich heute gute 25 km zurückgelegt (mit Umweg zum Bergsee etwa 26,5). Von der Warte her kann ich schon zufrieden mit mir sein. Hätte ich die Pause (etwa 1,5h) bei der Bergwacht nicht gemacht hätte ich es sicher noch bis zum Etappenziel geschafft, aber ich bin nciht traurig darüber, denn es war ne schöne Zeit mit tollen Menschen. Nur doff das ich davon keine Bilder gemacht habe – vergessen! Werde jetzt vielleicht noch lesen und dann mein Lager aufschlagen und in die Heia gehen. Werde sicher schlafen wie ein Stein, wenn da nicht die Rückenschmerzen und diese an den Innenschenkeln wäre, welche total aufgescheuert sind.
Es sind jetzt von Oberhof nach Illmenau noch etwa 20 km. Mit den etwa 6 die ich bis dahin noch ablaufen muss macht das 26 km. Ich werde dies auf 2 Tage aufteilen, da morgen Sonntag ist und ich Einkaufen muss wenn ich zuhause bin und ausserdem würde ich erst spätabends dort ankommen und ob da noch ne Bahn fährt ist fraglich. Zudem kann ich es dann wieder ruhiger angehen lassen und brauche nicht so zu hetzen. Auch kann ich dann noch eine wunderschöne hier verbringen und zudem die Woche wandern voll machen! Essen wird zwar knapp, aber am 2. Tag brauche ich nicht viel, da ich ja eh nach Hause fahre. Also gute Nach und bis morgen!

P.s. Es war keinesfalls eine Fehlentscheidung den Schritt zu wagen und nicht aufzugeben! So habe ich noch mehr der wunderbaren Landschaften und der Menschen gesehen. Auch war mir klar, dass ab dem „Point of no Return“ meine Zweifel und mein innerer Teufel wie weggeflogen sind, und so ist es auch :).

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