Tag 12.5: Die japanische Gesellschaft

In den zwei Wochen die ich jetzt hier war, hab ich mir auch ein wenig die Menschen hier angeschaut und einige Differenzen zu denen in Deutschland festgestellt. Generell empfinde ich einen großen Unterschied zu denen aus der Heimat. Dies stellt eine kleine Zusammenfassung dar, mit bekannten Sachen (die ich bereits erwähnte) und noch unveröffentlichen Erkenntnissen^^.

Freundlich- und Höflichkeit:

Kaum betritt man einen Laden, wirft ein jeder Angestellter einem erstmal ein „Irasshaimase“ (Willkommen), entgegen. Ein wirklich jeder Mitarbeiter. Meistens verbeugen sie sich auch noch vor einem. Braucht man Hilfe, bei z.B. der Wegbeschreibung zum nächsten Bahnhof oder U-Bahn Station, geben sie sich sehr viel Mühe, trotz ihres teils sehr bescheidenen Englisch uns den Weg so genau wie möglich zu erklären. In Kyoto war es sogar der Fall dass wir von einem netten Mann direkt zum Gleis geführt wurden.
Am auffälligsten ist es aber im Zug, vorallem in den Shinkansen. Egal ob der Schaffner oder die nette Verkäuferin von kleinen Leckereien. Ersterer ist stets höflich und gut gelaunt, wenn dieser jemanden von den Passagieren anspricht, hebt er seine Mütze kurz zum Gruß hoch. Mit weicher und gelassener Stimme nimmt er die Fahrkarten entgegen und stempelt sie ab. Es kam auch schon vor das Bahnangestellte uns (vielleicht weil wir Ausländer sind) einfach so, beim vorbeigehen, sehr höflich begrüßt hat.
Die Verkaufsdame die immer wieder durch alle Waggons geht, verbeugt sich mit einem Lächeln wenn sie in einen jeden Waggon rein und wieder raus geht. Ich würde nicht behaupten wollen, dass unser Zugpersonal in Deutschland schlechter oder mürrischer ist, dazu hab ich nie die Erfahrung gemacht (ausser mal bei Einzelfällen, aber die wird es wohl hier auch geben), aber dennoch ist Japan dabei auf einem ganz anderen Level.
Was auch stark auffiel ist, dass sie sich für fast alles entschuldigen. Wenn jemand angerempelt wird z.B., was bei uns wieder nicht selbstverständlich wäre, oder wenn mal eine Ware die man haben will ausverkauft ist, oder nicht im Sortiment vorhanden ist.
In der Zeit die wir hier waren haben wir nie irgendwelche handgreiflichkeiten oder pöbelnde Leute gesehen. Natürlich gibt es auch hier Probleme, und Jugendgangs sind sicher auch ein Problem, nur halt weniger in der Öffentlichkeit. In Deutschland ist mir dies jedoch auch noch nicht zu Gesicht gekommen, vielleicht weil ich vom Land komme.

Dennoch gibt es hier auch das Problem, dass sich z.B. keiner um „Penner“ bzw. Obdachlose kümmert. Wir haben nicht allzu viele gesehen, aber die die wir gesehen haben, lagen teilweise schlafend neben der Masse und keiner scherte sich um sie. Hier kommt dann wohl auch ein gewisser Egoismus durch, was bei uns finde ich – nicht allzu ausgeprägt ist.

Offenheit

Ich bewundere die Japaner dafür dass sie Ausländern gegenüber neutral gegenüberstehen. Keine komischen und schiefen Blicke, kein Getuschel hinterm Rücken und keine Feindseligkeiten uns gegenüber. Die Leute die ich/wir getroffen haben, waren auch sehr offen, und hatten mir dann gleich was zu trinken und was zu essen angeboten, wie ich bereits im Artikel zu Tag 10 berichtete. Natürlich sind sicher nicht alle Leute so, gibt auch einige die eher unter sich bleiben und ständig in der U-Bahn mit ihrem Handys und IPhones rumspielen (was wirklich viele machen).
Als ich in Kawaguchiko gewesen bin, hatte ich ja von Yumiko-san erzählt. Auch sie hat war ganz offen zu mir und begleitete mich, während ihr Laden dicht gemacht wurde. So viel Nettigkeit und Offenheit hätte ich nun auch wieder nicht erwartet^^. Auch die Go Spieler mit denen ich spielte, waren so. Keine Scheu oder Vorurteile, vielleicht ein wenig Neugier aber das ist ja durchaus legitim und wäre auch schlimm wenn dies nicht vorhanden wäre =).

Disziplin

Auch in diesem Bereich und ich kann man nur staunen, wie gut situiert und diszipliniert alle hier sind. U-Bahnen und Züge im allgemeinen weisen direkte Bereiche auf wo die Leute zu stehen haben, damit es zu keinen Behinderungen der aussteigenden Leute kommt. Es ist immer genügend Platz vorhanden damit die Massen raus- und reinkommen. Es gibt hier wirklich Szenen zu sehen wo einige Japaner still und diszipliniert hintereinanderstehen und ordentlich warten bis sie einsteigen können. Um weiteres Chaos zu vermeiden, gibt es an den Treppen Pfeile nach oben und nach unten. Das heißt auf der einen Seite geht man nur hoch und auf der anderen nur runter. Bei den Rolltreppen wird generell nur eine Seite dieser bestanden, die andere ist frei für die die es eilig haben und nach oben laufen. Es ist einfach nur klasse wie gut das klappt. Wenn ich da den Blick nach Deutschland werfe, ist es mehr Chaos als geordnetes Sittentum. Hier kann man wiederum sagen, dass es sich um das geordnete Chaos handelt.Ein weiterer Anblick der einen Westler zum schmunzeln bringt, ist die Tatsache dass es teils meterlange, gerade, Schlangen gibt, ohne dabei anderen Passanten im Weg zu sein, die darauf warten in ein Lokal/Restaurant zu kommen und dort zu essen. Ich könnte Wetten dass die Leute die dort stehen, teils länger als eine halbe Stunde warten müssen, da es wirklich überfüllt ist. Und das ist beileibe kein Einzelfall, sowas sieht man oft, teils 20 m lange schlangen nur um dort zu essen. Wir Westler würden schon abhauen wenn wir 10 Minuten warten müssten.

Auch gibt es extra für Raucher ausgewiesene Bereiche, wo sich soweit auch jeder dran hält. Somit wird die Belästigung für Nichtraucher minimiert und die Raucher sind unter sich.

Aussehen

Generell sind die Menschen hier sehr ordentlich gekleidet. Besonders die Jugend geht dabei natürlich mit der Mode was bei den Frauen besonders auffällt. Mini-Rock, Hotpants, hohe Hackenschuhe (die meistens 1-2 Nummern zu groß sind), Kettchen, Armbänder, Sonnenbrille, gefärbte Haare, das ganze Programm. Jeder will hier irgendwie schön sein und auffallen. Gerade die überschminkten weiblichen Personen.
Männer laufen zumeist im schwarzen Anzug mit Krawatte und schwarzen Schuhen, sowie Aktentasche herum. Der typische Buisnessmann, von denen es hier genügend gibt. Auch sieht man sehr oft Frauen in Kimonos herumlaufen und hochstylt mit tollen Frisuren. Durch die Schuluniformen sind auch die kleinsten und jugendlichen sehr ordentlich angezogen. Jedes Haar sitzt da wo es sein soll, generell alles sehr adrette Leute.

Essen

Ein weiterer Fakt der für Überraschung sorgte war, dass wir kaum dicke oder übergewichtige Menschen dort sahen. Ich würde sagen dass der Anteil derer unter einem Prozent an der japanischen Gesellschaft liegt. Während wir dabei „Probleme“ haben ist es dort wohl eher natürlich schlank zu sein. das verwundert umso mehr wenn man sich die Esskultur hier ansieht. Im TV läuft Fressprogramm rauf und runter, mit Werbung, regionalen Spezialitäten und sonstigen. Alles jedoch immer sehr ausgewogen und nicht typisch Fast-food wie bei uns. Appropos Fast-Food. McDonnalds ist meistens immer, IMMER, voll und überfüllt. Vorallem Familien und Schüler gehen dort sehr oft hin, dennoch wie gesagt, gibt es kaum Dicke.
Die Hauptmahlzeiten werden wohl aber ausgewogen gegessen. Neben Reis, hauptsächlich Nudeln, Meeresfrüchte und Gemüse. Schmeckt ja zudem auch lecker! Ich denke Japaner haben eine ausgeprägte Esskultur, was dann auch das Thema Nr. 1 bei ihnen sein dürfte, wenn man sich allein in unserer Hotelumgebung die Lokale so anschaut und die Fressmeilen anderswo. Bei uns hingegen geht man wohl weit weniger aus und kocht lieber zu hause. Ist allein schon eine Geldfrage und wird dann eher für besondere Anlässe aufgehoben. Hier ist das Essen mit ab 5 € zwar auch ganz schön teuer (von McD. und anderen kleinen Lokalen mal abgesehen), aber dafür verdienen die auch ganz gut meines Wissens nach.

Ich hoffe ich konnte euch einen kleinen Einblick in die Gesellschaft der Japaner geben, zumindest von dem was mir so aufgefallen ist =).

2 Antworten zu Tag 12.5: Die japanische Gesellschaft

  1. Mugi schreibt:

    Sehr, sehr interessant! Ich wusste bisher nur aus Reportagen, dass Japaner so dermaßen diszipliniert sind (wie nach dem großen Erdbeben im März 2011), aber das nochmal von dir zu hören ist doch wieder was anderes!
    Ich bin aber verwundert, dass du die Verrücktheit der Japaner gar nicht erwähnt hast, ich kenne eigentlich kein anderes Völkchen, das so dermaßen exzentrisch ist! Aber positiv gemeint! Hier ist man ja Außenseiter, wenn man sich nur ein bisschen außerhalb der Standarts verhält, in Japan hingegen strotzen die Menschen nur von Originalität^^

    • VagabundenReise schreibt:

      Das hab ich total vergessen zu erwähnen. Es gab mal einen Moment in Ueno wo über den Fußgängerweg einer Kreuzung ging. Da dort recht viel Verkehr ist, passierts des öfteren das bei Rotphasen mal ein Auto auf dem Fußgängerweg steht, kann passieren denkt sich der Westler da^^. Einige Japaner haben aber dermaßen geflucht, dass sie an den Scheiben des Autos batschten und ein Radfahrer hat so geschrien und sich vors Auto gestellt, dass er selbst nachher kurzzeitig den Verkehr behinderte^^. Gert der Wütende Mob erstmal in Rage scheint man ihn nicht so leicht wieder beruhigen zu können^^. Da hab ich dann auch gemerkt, dass, sobald etwas nicht nach plan läuft oder ausserhalb der Ordnung geschieht die Japaner auch ganz schön miesepetrig werden :D. Das ist dann wohl eher exzentrisch im negativen Licht^^. Ansonsten ist mir/uns nichts dergleichen aufgefallen, und wie gesagt kann ich ja nur darüber berichten was wir auch erlebt haben =).

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