Tag 10: Kawaguchiko

Der Tag hat ehrlich gesagt mies angefangen^^. Alles was hätte schief gehen können, ging irgendwie auch schief, dennoch war es hintenraus doch ein sehr schöner und vorallem auch lustiger Tag. Warum erfahrt ihr in diesem Artikel =).

Mein ursprünglicher Plan war es ja heute zu den 5 Fuji-seen zu gelangen und schöne Bilder vom heiligen Berg selbst zu machen. Dazu ging es dann erstmal nach Shinjuku zum Bahnhof wo ich laut Plan, den ich mir am Tag zuvor hab geben lassen, von Gleis 10 aus in Richtung „Otsuki“ (übersetzt etwa großer Mond), fahren sollte und von da aus nach „Kawaguchiko“ weiter. So stand ich nun bis 8:30 Uhr am Gleis 10 und wartete auf meinen Zug. Hatte mich bereits gewundert warum keiner weiter am Gleis steht, keine Durchsage kommt und vom Zug auch nichts zu sehen war. So fragte ich einen Bahnangestellten und der meinte dann, dass der Zug von Gleis 9, also gleich gegenüber, abfuhr…. Ich konnt diesen sogar noch hinterherwinken :D.
Nagut, kein Problem, gibt ja noch genug Züge die in diese Richtung fahren. So ging ich zum Schalter und stornierte meinen reservierten Sitzplatz um mir einen neuen für den Rapid Express um 9:02 Uhr zu holen. So ging es dann bald schon los und insgesamt fuhr ich eine halbe Stunde länger als mit dem ursprünglichen Zug. Warum aber „Rapid“ (für schnell) mit im Namen steht ist mir schleierhaft, es kam mir doch recht langsam vor, und mehr wie 50 bis 60 km/h waren es sicher nicht. Vielleicht bin ich auch nur zu sehr geschädigt vom vielen Shinkansen fahren^^.
Die Landschaft unterwegs war sehr bergig, vulkanisch und voll bewaldet. Nur an Flüssen hat man mal die basaltische Lava und auch Basaltsäulen herausschauen sehen. In Otsuki angekommen, musste ich dann eine andere Linie nehmen (private Bahn), die mich satte 1.110 Yen kostete. Ich könnte Wetten der Bahnangestellte der mir die Verbindung raussuchte, meinte dass ich nur 110 Yen blechen müsste… Naja gut, wäre doof jetzt wieder umzukehren, auch wenn ich nicht mehr viel Geld dabei hatte (gut 7.000 Yen). So fuhr ich dann nochmal eine Stunde in dieser privaten Bummelbahn durch die Pampa. Man hat auch richtig den Unterschied zwischen der JR Bahn (verstaatlicht) und der privaten gemerkt. Letztere ist um einiges lauter, was Motorengeräusche angeht, schunkelt viel mehr rum und die Lautsprecherdurchsagen sind verrauscht und durch den Lärm kaum zu verstehen. Dazu kam, dass ich in so einer „Thomas die Lokomotive“ Eisenbahn fahren musste… Innen, wie aussen alles mit Thomas und seinen Freunden bemalt (siehe Bilder), gab sogar Sitze die wie Thomas gebaut waren… Fühlte mich irgendwie fehl am Platz^^. Wie auch immer. In Kawaguchiko war das Wetter recht mies. Der Fuji ist scheinbar sehr schüchtern gegenüber Touristen und hat sich heute bedeckt gezeigt. In eine dichte Wolkendecke verhüllt, schielte lediglich die Westflanke ein wenig heraus, sodass man ein wenig Schnee sah. Morgen solls in dem Gebiet regnen, Montag, wo wir nach Hakone ins Onsen wollen, scheint dann hoffentlich die Sonne^^.
Da ich dann vor Ort erfuhr das das Busticket zu einem der 5 Seen, zu den ich wollte nochmal 1.080 Yen kostete, was ich ebenso nicht erwartet hatte, entschloss ich mich die Tour nicht zu machen und einfach runter zum Kawaguchiko See zu gehen, der nur knapp einen Kilometer vom Bahnhof entfernt lag. Wirklich schön war er nicht, da viel Müll im See und tote Fische. Dennoch ist die Landschaft um den See und die Lavaströme die in ihn hineinragen durchaus sehenswert. Ich hab noch nie in einer Bergregion so viele Bäume gesehen, normalerweise sind sie ja alle kahl geschnitten, aber so gefällt es mir wahrlich besser.

Wetter war mies, Fuji nicht zu sehen, Fahrt zum See zu teuer – eigentlich die besten Vorrausetzungen wieder zurück ins sonnige Tokyo zu fahren, oder zumindest früher als erwartet die Heimreise anzutreten :D. Aber auf dem Weg zum See hab ich ein Go-Café gesehen wo ich mich noch mal einnisten wollte. Ursprünglich hatte ich vor nochmal in den Nihon Ki-in (Japanischer Go Verband), den ich schon 2009 besuchte, zu gehen aber so kann ich gleich hier ein paar Runden spielen und spare mir die Spiegebühr im Verband. Für diejenigen die nichts mit dem Begriff anfangen können hier ein kurzer Abriss. Go ist ein asiatisches Strategiespiel und mit gut 4.000 Jahren Existenzberechtigung das wohl älteste Brettspiel der Welt. Schach wird allgemein als das Spiel der Könige gehandelt, Go ist wiederrum das Spiel der Götter. In 5 Minuten kann man alle Regeln lernen, aber man braucht ein Lebenlang um es zu meistern, da es sehr komplex und Variationsreich ist. Ziel des spiels ist es mit seinen Steinen (schwarze oder weiße), auf einem Holzbrett mit 19×19 Linien auf dessen Schnittpunkte das größtmögliche Gebiet abzustecken, und mehr Punkte wie der Gegner zusammenzukratzen. Hört sich einfach an ist aber wie gesagt sehr sehr komplex. Wer sich mehr dafür interessiert, möge Google bemühen, den Manga „Hikaru no Go“ (gibts auch in Deutsch) lesen, oder sich bei „gokgs.com“ umsehen =).
Nun bin ich in das Café gegangen und hab von der Wirtin (Yumiko-san) erfahren dass ihr Sohn 6 Dan (Meistergrad) ist und momentan in einer Go Schule Untterricht gibt. Da im Laden nichts los ist, ging sie mit mir im Schlepptau dorthin, damit ich ein paar Runden spielen konnte =). Extrem nett und hilfsbereit mit sehr gutem Englisch! Dort angekommen saßen etwa 14 Leute, jung und alt und spielten zusammen Go. Insgesamt hab ich 3 Runden dort gespielt (siehe Bilder) und eines gewonnen. Eines durch nen dummem Fehler verloren und das letzte weil ich zu schwach war^^. Generell wurde ich auf 1 bis 2 dan von den Spielern geschätzt, was mich doch überraschte. Zurück zum Café spielte ich danach noch gegen Yumiko-sans Sohn, mit den einzig warhen Go Steinen! Originale Go Steine werden aus Muscheln (weiße Steine) und Schiefer (schwarze Steine) gemacht und sind schweine Teuer. Umso überraschter war ich dass sie welche hatten. Die schöne weiße Maserung der Muscheln war herrlich anzusehen. Diese Partie verlor ich durch eine Unachtsamkeit ebenso, aber es geht ja ums Spiel ansich und nicht ums gewinnen. Wie heißt es so schön: Der Weg ist das Ziel und gerade das gilt fürs Go =).

17:41 Uhr fuhr dann auch meine ursprüngliche Bahn zurück nach Otsuki. Kurz davor hab ich noch ein paar schöne Aufnahmen der untergehenden Sonne gemacht – ein magischer Moment. Eine gute Stunde später war ich dann an der Endhaltestation angekommen und hab gemerkt dass bereits ein früherer Zug nach Tokyo bereit steht, den ich dann auch sogleich geentert habe. Zu meiner Überraschung kamen dann noch 7 Herrschaften dazu, 3 Frauen und 4 Männer, die schon in bester Stimmung und leicht angetrunken die Bahn betraten. Da sie neben und mir gegenüber saßen hatten sie mich auch auf Englisch angesprochen (sehr gutes Englisch, für Japaner^^) und so kamen wir die ganze Zugfahrt über ins Gespräch. Ich erfuhr dass sie gerade ihre hundertste Bergtour absolviert hatten und dies dann mit Allkohol feierten! Mir haben sie auch sofort Wein und Bier angeboten, aber da ich nichts trinke, lehnte ich dankend ab. Zwei von den Herrschaften hatten mal vier Jahre lang in Deutschland gelebt und somit auch Deutsch gelernt. Ist zwar scheinbar nicht mehr allzu viel hängen geblieben, aber war dennoch interessant^^. Es war eine sehr laute, aber vorallem lustige und lebendige Runde. Tat mal richtig gut unter frohen und glücklichen Japanern zu sein, da alle anderen sonst eher still und leise sind (quasi wie bei uns in der Bahn) und mit ihren Handys rumspielen. Klasse Leute mit denen ich auch gleich Fotos gemacht habe (siehe unten) und E-Mail Adressen austauschte. Sollte ich mal wieder in Japan sein, und das werde ich sicher, bin ich auch zu einer ihrer Bergtouren eingeladen. Ich bleibe auf jeden Fall im Kontakt mit den Herrschaften; war durchweg positiv überrascht!

In Tokyo letztlich angekommen (mit zwei Stunden fahrt, weitaus länger, als wenn ich meinen eigentlichen Zug genommen hätte), ging es dann mit der U-Bahn zurück zum Hotel und anschließend mit meiner Mutter die den Tag in Shibuya verbrachte, eine Nudelsuppe essen. Alles in allem war es ein komischer, wenn auch mit der Zeit schöner werdender Tag. Zwar hat sogut wie nichts nach Plan geklappt, aber das ist ja bei mir nichts neues^^. Es muss ja nur eine Variable geändert werden und schon bricht das ganze Kartenhaus zusammen. Dennoch könnte man sagen, dass der Tag mit verstreichender Zeit reifer geworden ist. Ich hatte sehr viel spass, viele nette und hilfsbereite, offene, Vorurteilslose und fröhliche Menschen kennengelernt, was ich auch gerne in Deutschland erleben würde. Aber wie heißt es so schön, die Hoffnung stirbt zuletzt. Vielleicht kann ich ja ein wenig davon weitergeben, sofern mich die Tristesse des Landes nicht wieder in ihren Bann zieht.

Morgen wird dann gefaulenzt! Nach 10 Tagen straffen Programm hab ich mir ne kleine Auszeit denke ich durchaus verdient. Vormittags kommen Animes wie „One Piece“ und „Hunter x Hunter“ im TV was ich mir nicht entgehen lassen will, und nachmittags wollen wir nochmal zum Kaiserpalast und die wunderschöne Kirschblütenpracht bestaunen. Ausserdem hab ich noch gut 9 Stunden Konzerte zu schauen und so noch ein paar offene Animes und KenFM’s^^“. Ein Souvenir fehlt mir immer noch. Es gibt hier keine weißen Winkekatzen die ihren Arm auch bewegen, und wenn, dann sind sie 40-50 Euronen schwer was ja nun auch nicht sein muss. Ich hoffe ich finde noch eine, sonst gibts eine mit festem Arm^^. Bis morgen dann und viel spass mit den Bildern =).

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